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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900. 
Lande befindet. Ist ein Schiff vor Dunkelwerden nicht bis soweit herangekommen, 
so gehen die Lootsen nicht mehr hinaus, und das Schiff mufs bis zum nächsten 
Morgen ‚warten, um einen Lootsen zu erhalten. Man kann auch ohne Lootsen 
nach dem Ankerplatze segeln, doch mufßs man trotzdem Lootsengeld zahlen, 
weil Lootsenzwang besteht. Das Lootsenboot führt die mexikanische. Flagge 
am Heck. ; 
Man darf sich beim Manövriren nicht zu sehr auf die Lootsen verlassen, 
sondern sollte‘ sich von ihnen nur den Ankerplatz zeigen lassen und das Kom- 
mando selbst behalten. 
Hafenanlagen giebt es hier nicht weiter als eine Landungsbrücke, die 
sich ursprünglich in beträchtlicher Länge seewärts erstreckte. Nachdem sie 
aber mehrfach vom Bohrwurm und Seegang zerstört worden ist, wurde sie nicht 
wieder in ganzer Länge ausgebaut. Sie diente früher auch zum direkten Ent- 
löschen und Beladen grofser Schiffe, doch jetzt dient die kürzere Brücke nur 
für kleinere Fahrzeuge und für die hier regelmäfsig verkehrenden Küstendampfer, 
Sie ist mit Eisenbahngeleisen und Krähnen besetzt, und an ihr findet direkter 
Verkehr zwischen Schiff und Eisenbahnwagen statt. 
Man hat an der Brücke wie auch auf der Rhede keinen Schutz gegen 
Seegang, doch soll ein Wellenbrecher gebaut werden, hinter dem Schiffe gegen 
Nordwest- und Südostwinde Schutz finden sollen. 
Die Ankerplätze auf der offenen Rhede liegen recht vor der Ortschaft, 
die besten innerhalb einer Linie, die von der Huk St. Agueda nach einem weißen 
Hause führt, das 3 Sm nördlich von der Schmelze steht. Man liegt hier auf 
12 bis 20 m Wassertiefe in einigen Schiffslängen Abstand vom Lande vor Anker, 
am besten vor zwei Ankern. Der Grund besteht hier aus Sand und Schlick und 
ist guter Ankergrund, doch ist er nach See zu schlechter und sehr abschüssig, 
30 dafs bei frischen ablandigen Winden ankernde Schiffe leicht nach See ver- 
ireiben. Da die Wassertiefe bald recht grofs wird, so verursacht ein solches 
Abtreiben viele Arbeit und Zeitverlust wegen des Ankerhievens und des Zurück- 
segelns nach dem Ankerplatze, das in der Regel 2 bis 3 Tage in Anspruch 
nimmt. Da die Rhede zu allen Jahreszeiten unsicher bleibt, so sollten die auf 
ihr liegenden Schiffe niemals alle Segel abschlagen, sondern stets soviel Segel 
antergebunden lassen, um segelfähig zu bleiben. So lange das Schiff nicht auf 
seinem richtigen Ankerplatze ist, zählen auch die Liegetage nicht. 
Falls mehrere grofse Schiffe, etwa vier bis sechs, auf der Rhede liegen, 
müssen neu ankommende Schiffe zunächst weiter seewärts auf 40 bis 50 m 
Wassertiefe ankern und dort so lange bleiben, bis ein Platz auf der Rhede für 
sie frei wird. 
Die Strömung auf der Rhede ist sehr unregelmäfsig und veränderlich 
sowohl in Richtung als Stärke. Die Schiffe schwojen daher häufig rund und die 
Ankerketten werden dadurch stets und die Anker selbst auch häufig unklar. 
Vorherrschende Strömung scheint bislang nicht festgestellt zu sein, obwohl 
(teschwindigkeiten bis zu 3 und 4 Sm vorkommen. 
Ein Schleppdampfer ist vorhanden. Er gehört der Gesellschaft, ist aber 
für andere Schiffe nicht zu haben, selbst wenn diese 3 bis 4 Tage warpen müssen, 
am nach dem Ankerplatze zu gelangen. 
Zollamtliche Behandlung. Es wird ein vom mexikanischen Konsul des 
Abfahrtshafens beglaubigtes Manifest der Ladung und eine Proviantliste in 
doppelter Ausfertigung verlangt. Im Uebrigen sind Vorschriften und Behandlung 
nicht strenge, doch ist die Zollvisite abzuwarten, bevor man mit dem Lande in 
Verkehr tritt. . 
Gesundheitsvisite kommt nicht an Bord, aber es wird ein vom mexika- 
nischen Konsul des Abgangshafens beglaubigter Gesundheitspafßs verlangt. 
Das Löschen der Ladung geschieht vermittelst kleiner Leichter von 
7 bis 8 t Tragfähigkeit, von denen die Gesellschaft 16 Stück besitzt nebst vier 
Dampfbarkassen zum Schleppen. In jedem Leichter befinden sich vier eiserne 
Kasten, die an Bord mit Kohlen oder Kokes gefüllt und an der Landungsbrücke 
mittels Dampfkrahn gehoben und in die Kisenbahnwagen entleert werden. Das 
Löschen, geht gewöhnlich nur langsam vor sich und wird gelegentlich durch 
schlechtes Wetter unterbrochen.
	        
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