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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900.
Lande befindet. Ist ein Schiff vor Dunkelwerden nicht bis soweit herangekommen,
so gehen die Lootsen nicht mehr hinaus, und das Schiff mufs bis zum nächsten
Morgen ‚warten, um einen Lootsen zu erhalten. Man kann auch ohne Lootsen
nach dem Ankerplatze segeln, doch mufßs man trotzdem Lootsengeld zahlen,
weil Lootsenzwang besteht. Das Lootsenboot führt die mexikanische. Flagge
am Heck. ;
Man darf sich beim Manövriren nicht zu sehr auf die Lootsen verlassen,
sondern sollte‘ sich von ihnen nur den Ankerplatz zeigen lassen und das Kom-
mando selbst behalten.
Hafenanlagen giebt es hier nicht weiter als eine Landungsbrücke, die
sich ursprünglich in beträchtlicher Länge seewärts erstreckte. Nachdem sie
aber mehrfach vom Bohrwurm und Seegang zerstört worden ist, wurde sie nicht
wieder in ganzer Länge ausgebaut. Sie diente früher auch zum direkten Ent-
löschen und Beladen grofser Schiffe, doch jetzt dient die kürzere Brücke nur
für kleinere Fahrzeuge und für die hier regelmäfsig verkehrenden Küstendampfer,
Sie ist mit Eisenbahngeleisen und Krähnen besetzt, und an ihr findet direkter
Verkehr zwischen Schiff und Eisenbahnwagen statt.
Man hat an der Brücke wie auch auf der Rhede keinen Schutz gegen
Seegang, doch soll ein Wellenbrecher gebaut werden, hinter dem Schiffe gegen
Nordwest- und Südostwinde Schutz finden sollen.
Die Ankerplätze auf der offenen Rhede liegen recht vor der Ortschaft,
die besten innerhalb einer Linie, die von der Huk St. Agueda nach einem weißen
Hause führt, das 3 Sm nördlich von der Schmelze steht. Man liegt hier auf
12 bis 20 m Wassertiefe in einigen Schiffslängen Abstand vom Lande vor Anker,
am besten vor zwei Ankern. Der Grund besteht hier aus Sand und Schlick und
ist guter Ankergrund, doch ist er nach See zu schlechter und sehr abschüssig,
30 dafs bei frischen ablandigen Winden ankernde Schiffe leicht nach See ver-
ireiben. Da die Wassertiefe bald recht grofs wird, so verursacht ein solches
Abtreiben viele Arbeit und Zeitverlust wegen des Ankerhievens und des Zurück-
segelns nach dem Ankerplatze, das in der Regel 2 bis 3 Tage in Anspruch
nimmt. Da die Rhede zu allen Jahreszeiten unsicher bleibt, so sollten die auf
ihr liegenden Schiffe niemals alle Segel abschlagen, sondern stets soviel Segel
antergebunden lassen, um segelfähig zu bleiben. So lange das Schiff nicht auf
seinem richtigen Ankerplatze ist, zählen auch die Liegetage nicht.
Falls mehrere grofse Schiffe, etwa vier bis sechs, auf der Rhede liegen,
müssen neu ankommende Schiffe zunächst weiter seewärts auf 40 bis 50 m
Wassertiefe ankern und dort so lange bleiben, bis ein Platz auf der Rhede für
sie frei wird.
Die Strömung auf der Rhede ist sehr unregelmäfsig und veränderlich
sowohl in Richtung als Stärke. Die Schiffe schwojen daher häufig rund und die
Ankerketten werden dadurch stets und die Anker selbst auch häufig unklar.
Vorherrschende Strömung scheint bislang nicht festgestellt zu sein, obwohl
(teschwindigkeiten bis zu 3 und 4 Sm vorkommen.
Ein Schleppdampfer ist vorhanden. Er gehört der Gesellschaft, ist aber
für andere Schiffe nicht zu haben, selbst wenn diese 3 bis 4 Tage warpen müssen,
am nach dem Ankerplatze zu gelangen.
Zollamtliche Behandlung. Es wird ein vom mexikanischen Konsul des
Abfahrtshafens beglaubigtes Manifest der Ladung und eine Proviantliste in
doppelter Ausfertigung verlangt. Im Uebrigen sind Vorschriften und Behandlung
nicht strenge, doch ist die Zollvisite abzuwarten, bevor man mit dem Lande in
Verkehr tritt. .
Gesundheitsvisite kommt nicht an Bord, aber es wird ein vom mexika-
nischen Konsul des Abgangshafens beglaubigter Gesundheitspafßs verlangt.
Das Löschen der Ladung geschieht vermittelst kleiner Leichter von
7 bis 8 t Tragfähigkeit, von denen die Gesellschaft 16 Stück besitzt nebst vier
Dampfbarkassen zum Schleppen. In jedem Leichter befinden sich vier eiserne
Kasten, die an Bord mit Kohlen oder Kokes gefüllt und an der Landungsbrücke
mittels Dampfkrahn gehoben und in die Kisenbahnwagen entleert werden. Das
Löschen, geht gewöhnlich nur langsam vor sich und wird gelegentlich durch
schlechtes Wetter unterbrochen.