Ann. d. Hydr. et6., XXVIIL Jahrg. (1900), Heft III
eV
Entwurf zu einem Hafenhandbuch der Seewarte.
Wie der letzte Jahresbericht der Seewarte (für 1898) auf Seite 45 u. ff.
zeigt, besitzt die Seewarte dank der eifrigen freiwilligen Mitarbeit sehr vieler
Kapitäne der Handelsmarine, einiger Kriegsschiffskommandanten und aller
deutschen Konsuln in fremden Seehäfen eine trotz ihres kurzen Bestehens über-
aus reiche Sammlung von werthvollem handschriftlichen Material über alle
wichtigen‘ Seehäfen der Erde, deren Werth durch sehr zahlreiche Beilagen von
Drucksachen und Hafenplänen u. s. w. noch wesentlich erhöht wird. Diese
Materialsammlung besteht hauptsächlich aus den von der Direktion der Seewarte
in bestimmter Form aufgestellten Fragebogen, deren Beantwortung eine gewisse
Gleichmäfsigkeit in der Bebandlung des Stoffes zur Folge gehabt hat, was
wiederum einer gleichmäfsigen. Bearbeitung aller in Frage kommenden See-
häfen zu Gute kommen soll.
Zur Zeit umfafst die Materialsammlung der Seewarte bereits über 500 Kon-
sulatsfragebogen und über 500 Kapitänsfragebogen, die zusammen über etwa
400 Seehäfen aufserhalb der Nord- und Ostsee zumeist ausführliche Beschreibungen
enthalten. Soviel es die laufenden Arbeiten der mit der Küstenbeschreibung
beauftragten Abtheilung V der Seewarte zulassen oder fordern, werden diese
Hafenberichte sowohl bei den.in Arbeit befindlichen Küstenhandbüchern wie auch
bei den Einzelbeschreibungen von Seehäfen, deren mehrere allmonatlich in den
von der Direktion herausgegebenen „Annalen der Hydrographie und Maritimen
Meteorologie“ veröffentlicht werden, eingehend verwerthet. Indessen, da die
deutschen Küstenbeschreibungen naturgemäfs nur allmählich von einer Seeküste
zur anderen fortschreiten können, weil es die vorhandenen Kräfte und Mittel
weit überschreiten würde, wenn diese viel Zeit und sehr gewissenhafte Prüfungen
erfordernden Arbeiten schnell über alle Gebiete ausgedehnt werden sollten, so
entstand der Wunsch bei der Direktion, doch wenigstens die wichtigsten Angaben
aus den erwähnten Fragebogen über alle beschriebenen Seehäfen schon wesentlich
früher für die Oeffentlichkeit nutzbar zu machen, ehe die betreffenden Hafen-
beschreibungen in die zu ihnen gehörige Küstenbeschreibung eingegliedert
werden können.
Der längst gehegte Gedanke der Direktion, ein „Hafenhandbuch der
Seewarte“ zu schaffen, wurde noch dadurch unterstützt und gefestigt, dafs ver-
schiedene grofse Dampfergesellschaften nicht nur mehrfach von dem handschrift-
lichen Material der Fragebogen nützlichen Gebrauch machen konnten, sondern
überhaupt den Wunsch nach Hafenberichten und Einzelheiten über Häfen mehrfach
äufserten. Vom „Norddeutschen Lloyd“ lief sogar vor Kurzem folgende
Aeufserung ein: .
„Falls Sie die Berichte über die Häfen später zu einem einheitlichen Werke zusammenzu-
stellen beabsichtigen, würde es uns angenehm sein, wenn Sie uns nach Erscheinen derselben ein
Exemplar ‚des vollständigen Werkes übermitteln wollten. Die Herausgabe eines solchen
Werkes, das eine vollständige und zuverlässige Orientirung über alle wichtigeren
Häfen ermöglichte, dürfte bei der gegenwärtig auf diesem Gebiete noch mangelhaften
Litteratur in Rhedereikreisen freudigst begrüfst werden.“
Ann. d. Hvdr. etc... 1900. Heft 1IL