Herrmann: Rückblick. auf das Wetter, in Deutschland’ im. Jahre 1897, 81
Im Laufe des 26. November Breitete sich eine Nordeuropa überziehende
Depression schnell südwärts aus, so dafs über ganz Deutschland allgemein trübes,
mildes Wetter mit reichlichen Niederschlägen und stürmischen südwestlichen
Winden sich einstellte; vom 28. November werden sogar zahlreiche Gewitter
gemeldet. Eine sich stellenweise bildende Schneedecke schmolz bei den 0 Grad
übersteigenden Tagestemperaturen und infolge der ergiebigen Regenfälle, die am
30. November und 1. Dezember niedergingen, aufser‘ in den höchsten Lagen
schnell wieder weg.
Wenigstens einige Tage langen Bestand hatte dagegen die.Schneedecke,
die nach dem 2. Dezember über Süddeutschland entstand. Vom 1. zum 2. Dezember
war über Nordeuropa das Barometer stark gestiegen. Danach einsetzende: öst-
liche Winde hatten die Temperaturen über Deutschland wieder erniedrigt, so
dafs vom: 3, Dezember an das Thermometer nachts unter den Gefrierpunkt herab-
ging, bei‘ trübem Himmel am Tage aber nur wenig über denselben stieg, Die
Schneefälle in’ Süd- und Mitteldeutschland dieser Tage entstanden unter dem
Einflufs einer das Mittelmeergebiet einnehmenden Depression.
Schon am 6. Dezember drang eine neue tiefe Depression von Nordwesten
her in das Innere Europas ein und führte kräftige Erwärmung und ergiebige
Regenfälle, die stellenweise mit Schnee gemischt waren, herbei. Am 8, Dezember
traten an der Nordseeküste Gewitter auf. Nachtfröste waren in den Tagen vom
6. bis 16. Dezember selten und vereinzelt, auch meist auf Süd- und Ostdeutschland
beschränkt, während die Mittagstemperaturen vom 12. bis 17. Dezember im Binnen-
lande vielfach 10° überstiegen.
Mit dem 15. Dezember lassen die Niederschläge nach, und von "da bis
zum Sehlufs des Monats herrschte über Deutschland trockenes, heiteres, doch
vielfach nebeliges Wetter, Es hatte sich nämlich etwa vom 12. Dezember . an
allmählich hoher Luftdruck über Centraleuropa ausgebreitet, und Deutschland
blieb unter dessen Einflufs bis gegen Ende. des Monats. .
In Bezug auf den Verlauf der Temperatur in der zweiten Hälfte des
Dezember unterscheiden sich jedoch Nord- und Süddeutschland wesentlich von-
einander. So lange über dem Nordwesten und dem Norden Europas noch eine
Depression bestand, d. i. bis zum 19. Dezember, blieb unter der Herrschaft der
westlichen Winde das Wetter in Norddeutschland mit wenigen Ausnahmen sehr
mild. In Süddeutschland hingegen, das mehr im Innern des Hochdruckgebietes
lag, fanden vom 17. Dezember an bereits allgemein Nachtfröste statt, die zwar
nicht sehr stark waren, aber bis zum Schlufßs des Jahres anhielten; zwischen
dem 20. und 27. Dezember überstieg daselbst selbst am Tage das Thermometer
vielfach den Gefrierpunkt nicht. Norddeutschland hatte weiter verbreitete Nacht-
fröste erst vom 20. Dezember an, an welchem Tage ein Gebiet höheren Luft-
druckes über dem nordwestlichen Europa sich entwickelt und östliche Winde
eingesetzt hatten. In den folgenden Tagen bis zum 26, Dezember stieg nach
Nachtfrost auch am Tage das Thermometer nicht viel über den Thaupunkt, blieb
auch, besonders in Ostdeutschland, stellenweise darunter. Vom 27. Dezember
an, zu welcher Zeit eine Depression von Nordwesten her ihren Einflufs südost-
wärts ausdehnte, erhob sich über Norddeutschland die Temperatur langsam, und
vom 29. an blieben in Nordwestdeutschland die Nachtfröste zunächst aus, Wohl,
ring an den letzten beiden Tagen des Jahres auch in Deutschland das Barometer
unter den mittleren Stand herunter und trat im westlichen Deutschland Trübung
des Himmels ein, doch waren Regenfälle von mefßsbarer Stärke auf die Nordsee-
Küste beschränkt.
Mittel, Summen und Grenzwerthe der Witterungserscheinungen im Jahre 1897
für Dentschland.
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Ann. d. Hydr. ete., 1898, Heft II.
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