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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1898.
gingen die Niederschläge stellenweise in Form von Schnee nieder. Vereinzelte
und schwache Schneefälle kamen am Nordfufßse der Alpen auch noch an den
folgenden Tagen vor, als bereits ein breiter Hochdruckstreifen mit 770 mm über-
steigenden Barometerständen von Irland und Westfrankreich in ostnordöstlicher
Richtung sich quer über Europa erstreckte. Diese Schneefälle wurden veranlafßst
durch eine Depression, die über dem Mittelländischen Meere lag und ihren
Einfluß bis über die Alpen hinaus bemerkbar machte.
Das Thermometer sank in der ersten Oktoberwoche sehr schnell, schon
am 5. Oktober kam Reif an die Seewarte telegraphisch zur Meldung, und an
den folgenden Tagen werden auch aus niederen Lagen Nachtfröste gemeldet.
Der erwähnte Hochdruckstreifen verlagerte sich südwärts, während im
Westen von Norwegen eine Depression sich ostwärts vorschob. Norddeutschland
gelangte am 9. unter den Einflufs derselben, und daselbst stellten sich bis etwa
zum 13. Oktober anhaltende Regenfälle ein, welche nur in schwachem Maße sich
auch auf Süddeutschland ausdehnten. Diesem Tage folgt nunmehr für ganz
Deutschland ein außerordentlich langer Zeitraum trockenen und heiteren, wenn
auch vielfach nebligen Wetters; vom 14. Oktober bis 22, November werden
diese Witterungsverhältnisse nur vereinzelt und auf ganz kurze Zeit von Trübung
und Niederschlägen unterbrochen. Es sind dies folgende Tage: der 19. und
20. Oktober und der 15. November, an welchen wieder Einsenkungen des Luft-
druckes über Deutschland ostwärts sich verschoben, und der 18. November, an
dem der Küstenstrich von einer Randbildung einer über Nordeuropa liegenden
Depression gestreift wurde. Sonst gehörte Deutschland während jenes ganzen
Zeitraums fast ausschließlich einem Hochdruckgebiete an. Die Lage des
Maximums desselben wirkte dabei bestimmend für die jeweilig bestehenden
Wärmeverhältnisse.
So erhoben sich mit dem Einsetzen südlicher Winde am 15, Oktober, an
welchem Tage der höchste Luftdruck über Europa über dem Gebiet des
Schwarzen Meeres lag, die Temperaturen erheblich und erreichten an den fol-
genden Tagen im Binnenlande 20° und darüber. Mit der Entwickelung eines
intensiven Hochdruckgebietes mit Barometerständen über 775 mm nördlich von
Uentraleuropa am 20. Oktober ging die Temperatur wieder langsam zurück; am
24. wurde bereits wieder Reif telegraphisch an die Seewarte gemeldet, und am
28. Oktober stellten sich im Binnenlande aufs Neue allgemeiner Nachtfröste ein.
Vom 1. bis 11. November stieg nur an ganz vereinzelten Orten und Tagen das
Thermometer mittags auf 10°; dagegen sank es am 1l. und 12. November
norgens in Ostdeutschland auf — 8° herab.
Damit hatte aber zunächst die Kälte bereits ihren Höhepunkt erreicht.
Denn sehon im Laufe des 12. November führten aus Südwesten einsetzende
Winde erhebliche Erwärmung herbei; das Maximum des Luftdruckes hatte sich
nach Südosten verlagert, und über dem nordwestlichen Kuropa war eine De-
pression erschienen. Das Wetter blieb nun mild bis gegen den 24, November;
Nachtfröste traten in dieser Zeit nur vereinzelter auf. In den Tagen vom 19.
bis 23. sank in Norddeutschland das Thermometer meist des Nachts nicht unter
5°, zeit- und stellenweise sogar nicht unter 8°. In Süddeutschland waren allerdings
die Nachttemperaturen niedriger, die "Tagtemperaturen dagegen höher; am
18. November erreichte das Thermometer daselbst Stände bis zu 17°.
Im Laufe dieser Tage verschwand der höhere Luftdruck im Südosten des
Erdtheiles, dagegen entwickelte sich ein Gebiet mit 775, sogar stellenweise
780 mm übersteigenden Barometerständen über dem südwestlichen Europa. Im
Laufe des 23, November dehnte sich der höhere Luftdruck über Westeuropa und
dem Europäischen Nordmeer weit nach Norden aus, infolgedessen nördliche
Winde über Deutschland auftraten. Nach diesem Tage waren daher Nachtfröste
wieder weiter verbreitet und stärker. Auf der Rückseite der im Nordosten
Europas abziehenden Depression fielen in Norddeutschland Niederschläge, zum
Theil in Form von Schnee.
{n Süddeutschland blieben jedoch die Niederschläge noch aus bis zum
26. November. Da nun auch in der ersten Hälfte des Oktober die über Nord-
deutschland auftretenden Niederschläge nur an wenigen Tagen nach Süddeutsch-
land übergriffen, so hat dieses eine Trockenperiode erfahren, die volle zwei
Monate, d. i. die Taye yom 24, September bis 26. November, umfafste.