Herrmann: Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1897.
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Norddeutschland klarte der Himmel ab, während er im Osten noch bewölkt
blieb. Am 13. in Ostdeutschland, am 15. auch in Norddeutschland setzte aufs
Neue Regenwetter ein und hielt bei wechselnder Bewölkung bis etwa zum
2, August an. Das nach Ende Juni über Süddeutschland herrschend gebliebene
warme und sonnige Wetter nahm erst mit dem 26. Juli sein Ende. In dieser
Zeit war es daselbst auch meist trocken, wenn auch zuweilen ausgedehntere
Gewitterregen auftraten, so besonders am 1., 7., 8., 16., 20., 21. und 22. Stellen-
weise, wie im württembergischen Unterland, war es so trocken, dafs bei dem
Getreide Nothreife eintrat. Nach dem 26. Juli wurden auch in Süddeutschland
die Regenfälle, besonders im südlichen und östlichen Bayern, sehr ergiebig. Diese
Gegenden kamen auch in den Bereich der Erscheinungen, die an den Tagen
vom 28. bis 30. Juli in Sachsen, Schlesien, Nordböhmen sowie in Salzburg und
Oberösterreich die verheerenden Ueberschwemmungen herbeiführten. Ganz be-
sonders bemerkenswerth sind die ungeheuren Niederschläge, die am 30. Juli im
Riesengebirge gemessen wurden: Schneekoppe 239 mm, . Prinz Heinrich - Baude
224 mm und Wang 220 mm. Ueber die allgemeineren atmosphärischen Vorgänge
dieser Tage ist bereits im Heft IX, 1897, dieser Zeitschrift berichtet worden.
Mit dem 2. August liefsen die Niederschläge wieder nach, und heiteres
Wetter trat ein. War im Juli Süddeutschland, so ist im Augusi Norddeutsch-
| and durch besseres Wetter bevorzugt gewesen. In Norddeutschland war es
erheblich wärmer als in Süddeutschland, dessen höhere Tagesmittel auch in der
ersten Hälfte des Monats mehr der größeren Wärme der Abend- und Nacht-
stunden als den hohen Mittagstemperaturen zuzuschreiben sind. Ferner setzte im
Süden Deutschlands schon am 15. August wieder regnerisches und kühleres
Wetter ein, während das heitere, trockenere und warme Wetter in Norddeutsch-
land bis zum 20. anhielt; dann ging auch da die Temperatur zurück, der Himmel
war dauernder bewölkt und die Regenfälle wurden häufiger und ergiebiger, Am
20. August fiel im bayerischen Gebirge Schnee.
Die an den letzten drei Augusttagen eintretende Erwärmung war nur von
kurzer Dauer und das Aufklaren am 1. September schnell vorübergehend. Schon
am 2. September stellten sich unter dem Einflufs einer das nördliche Europa
einnehmenden Depression, deren Minima in gröfserer Nähe von der deutschen
Küste vorüberzogen, wieder Regenfälle ein, und die alsdann einsetzenden nord-
westlichen Winde führten ein Sinken der Temperatur herbei, Am 9. September
durchzog wieder eine flache Depression Deutschland in der Richtung von West
nach Ost, begleitet von sehr ergiebigen Regenfällen über Süd- und Mittel-
deutschland,
Als datın am 11. September hoher Luftdruck sich über fast ganz Europa
ausgedehnt hatte mit einem Maximum über der Nordsee, heiterte sich in Nord-
deutschland das Wetter auf, doch stellten sich bereits Herbstnebel ein. Die
Niederschläge wurden zwar sehr viel geringer, hörten aber in Süd- und Mittel-
deutschland nicht ganz auf, trotzdem das Barometer daselbst einen Stand über
765, vielfach sogar über 770 mm hatte. Auch war die Sonnenwirkung selbst bei
dem heiteren Himmel Norddeutschlands nur eine sehr geringe, so dals eine Er-
wärmung überhaupt oder wenigstens höhere Mittagstemperaturen sich nicht ein-
stellten.
Die Einsenkung des Luftdruckes, welche längs einer Centraleuropa durch-
schneidenden Linie am 16. September sich entwickelte, brachte sofort über Nord-
deutschland erneute Trübung des Himmels und allgemeiner verbreitete Nieder-
schläge mit sich. Dies kühle, trübe, regunerische Wetter hielt dann über ganz
Deutschland bis zum 23. September an.
Von diesem Tage ab breitete sich von Südeuropa aus ein Hochdruckgebiet
nordwärts aus. Die letzte Septemherwoche brachte uns dementsprechend schöne,
warme und trockene Herbsttage mit allerdings weitverbreiteten Morgennebeln;
das Thermometer stieg im Binnenlande mittags vielfach über 20, selbst bis zu 25°.
Am 2. Oktober verschob sich wiederum eine von Nord nach Süd sich
erstreckende Einsenkung des Luftdruckes ostwärts über Deutschland und brachte
Trübung des Himmels, Regenfälle und Abkühlung mit sich. KEine sehr flache
und räumlich engbegrenzte Depression, welche nach ihr Deutschland in der
Richtung von Nordwest nach Südost durchzog, liefs die Niederschläge bis etwa
zum 5, Oktober anhalten; in Sachsen. und Schlesien sowie im Schwarzwald