Annalen der Hydrographie und Maritimen‘ Meteorologie, Februar 1898,
Urtheil über den wahrscheinlichen Verlauf der jeweiligen Witterung abzugeben.
Diese Einrichtung würde nicht allein praktisch von grofsem Nutzen sein, sondern
auch eine erziehende Wirkung auf das grofse Publikum haben.
Der Wetteratlas, wie ich ihn im Laufe der Zeit nach und nach in seinen
Grundzügen zusammengestellt habe, würde zunächst etwa 300 bis 400 Karten
‘mit ‚einer Reihe von Nebenkarten) enthalten und schon beim ersten Erscheinen
ziemlich vollständig sein. Im Laufe der Zeit würden sich‘ hier und dort KEr-
ränzungen oder Abänderungen als wünschenswerth erweisen, und diese könnten
ja leicht nachgeliefert werden,
Schon vor Jahrzehnten wurde diese Idee durch A. von Oetitingen an-
geregt und auch in Schweden wurde vor mehreren ‚Jahren auf Grundlage von
Isobarentypen nach dieser Richtung vorgegangen. An der Seewarte wurde Ende
der achtziger Jahre im Auftrage der Direktion vom Assistenten H. K. Seemann
ein Wetterlexikon aufgestellt, wodurch es ermöglicht wurde, analoge Wetterlagen
rasch aufzufinden. Der Herausgabe eines Wetteratlasses in der oben angegebenen
Weise wird die Direktion jedenfalls auf das Wärmste unterstützen und verwirk-
lichen, wenn hierzu die nöthigen Mittel und Arbeitskräfte vorhanden sein werden.
Da eine vollkommen befriedigende rationelle Methode zur Prüfung der
Sturmwarnungen bis jetzt noch aussteht, so kann ein genaues ziffernmäfsig fest-
gelegtes Urtheil über die Wirksamkeit des Sturmwarnungswesens nicht abgegeben
werden, indessen muls es als Thatsache angesehen werden, dafs im Laufe der
Jahre das Sturmwarnungswesen sich verhältnifsmäfsig erheblich vervollkommnet
hat, wenn auch allerdings auch jetzt noch zeitweise Mifserfolge unvermeidlich
sind, welche aber nach und nach mit fortschreitender Erfahrung immer mehr
beschränkt werden dürften.
Das Mittelwasser der Ostsee bei Kolbergermünde.
In der „Zeitschrift für Bauwesen“ (herausgegeben im preufsischen
Ministerium der öffentlichen Arbeiten, 1898, Bd. 48, Seite 94 bis 112) findet
sich darüber eine Mittheilung von Regierungs- und Baurath Anderson in
Danzig, die die Bearbeitung der Pegelaufzeichnuugen zu ’ravemünde und Swine-
münde durch Professor Seibt in willkommener Weise ergänzt. Das Ergebnifs
Jer 81jährigen Beobachtungsreihe 1816 bis 1896 ist: Mittelwasser 1,5290 m über
Jem Nullpunkt des (ideellen) Normalpegels, oder nach der Einfügung dieser
Pegelnull in das Nivellementssystem der Landesaufnahme:
Mittelwasser (1816 bis 1896) = 0,078 m unter N. N.
Leider enthält diese ausführliche Mittheilung aller Zahlen keinerlei
Diskussion; es sind nur aus den sämmtlichen vorhandenen Beobachtungen
(täglich um Mittag) die Monatssummen für jeden Monat, die Jahresmittel und
das Gesammtmittel gezogen. .
Nun sind aber vor Allem von Interesse die Fragen: V
1, mit welchem mittleren Fehler ist nun aus den vorhandenen (täglich
einmaligen, 81jährigen) Beobachtungen das Mittelwasser bestimmt?
wie lange müfsten diese Beobachtungen fortgesetzt werden, damit der
jetzt vorhandene mittlere Fehler auf einen bestimmten Betrag, z. B.
1 mm, herabgedrückt wird?
Solche Fragen, besonders die zweite, aufzuwerfen, sollte bei ähnlichen
Beobachtungsreihen nie unterlassen werden. Und da sich hier wieder einmal
an einer bestimmten technisch-geographischen Reihe Gelegenheit bietet, Einiges
über die mittleren Fehler aus Beobachtungsreihen mitzutheilen, so darf ich viel-
leicht jene beiden Fragen hier möglichst allgemein verständlich beantworten.
Die Definition des mittleren Fehlers einer Beobachtung in einer Reihe
gleichwerthiger Beobachtungen ist bekanntlich folgende. Haben n gleichwerthige
Beobachtungen einer zu bestimmenden Unbekannten die Ergebnisse 1,, 1, ....ln
geliefert, so ist als wahrscheinlichster Werth dieser Unbekannten aus den n
Messungen der Betrag
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