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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

van Bebber: Einiges über Wettervorhersage 
AO 
beide in derselben Weise wieder mit Nachbarstationen verbunden sind, über- 
nehmen würde, Auf diese Weise dürfte bei zweckmäfßigster Einrichtung eine 
Ueberraschung durch Sturm, äußerst selten sein. 
Für Fischerflotten, welche längere Zeit in gröfserer Ferne von der Küste 
zu verweilen gezwungen sind, erscheint es wünschenswerth, eine zeitweilige Ver- 
bindung mit der Küste zu unterhalten, um sich von den Windverhältnissen der 
weiteren Umgebung zu unterrichten. . 
5, Anbahnung eines besseren Verständnisses der Grundiehren 
der praktischen Wetterkunde beim Publikum, Ein weiteres, sehr wichtiges 
Moment für die gröfsere Wirksamkeit der Sturmwarnungen und der Wettervor- 
hersagungen überhaupt wäre ein besseres Verständnifs der Grundlehren der 
praktischen Witterungskunde beim größeren Publikum. Die wenigen allgemeinen 
Grundsätze, welche aus mehrjährigen Erfahrungen gesammelt wurden, haben für 
die Wettervorhersage eine so aufserordentlich grofse Tragweite gehabt, dafs sie 
eine vollständige Umwandlung in den meteorologischen Anschauungen hervor- 
riefen; ich meine hier das barische Windgesetz und seine weitere Anwendung 
auf Wind und Wetter, das Verhalten und die Fortpflanzung der barometrischen 
Minima und Maxima, ihren Einflußs auf den allgemeinen Witterungscharakter, 
alles dieses ist für das große Publikum nicht allein von grofsem Interesse, 
sondern auch von hoher praktischer Bedeutung. ; 
Ein solches Verständnifs wird am leichtesten und vollständigsten durch 
die täglichen Wetterkarten angebahnt, welche die jeweiligen Witterungszustände 
and ihren Kontinuirlichen Verlauf in übersichtlicher Weise veranschaulichen. 
Leider beschränkt sich die Verbreitung der Wetterkarten’ nur ‚auf ein verhältni(s- 
mäfsig kleines Publikum, und dann gelangen jene erst mit mehr oder weniger 
grofser Verspätung zu Händen der Interessenten, so dafs hierdurch der praktische 
Werth derselben doch sehr vermindert wird. 
6. Herausgabe eines Wetter- oder Sturmatlas und Mittheilung 
analoger Fälle an das Publikum. Durchblättern und vergleichen wir mit- 
einander die täglichen Wetterkarten irgend eines längeren Zeitraumes, so finden 
wir eine solche Mannigfaltigkeit in den Wetterlagen und in den Witterungsvor- 
gängen, dafs unter vielen Tausend Wetterkarten nicht eine der anderen voll- 
kommen gleicht; indessen lassen sich gewisse typische Wetterlagen unterscheiden, 
welche mit geringen Modifkationen häufig wiederkehren und welche ganz 
bestimmte Witterungscharaktere darstellen, so dafs es möglich ist, alle Wetter- 
karten nach bestimmten Gesichtspunkten in ein festes System einzuordnen, wobei 
auch die Umwandlung der einen Wetterlage in die andere berücksichtigt wird. 
Eine solche systematische. Sammlung von Wetterkarten (Wetteratlas) würde für 
den praktischen Gebrauch von grofsem Nutzen sein können; man braucht nur 
für die jeweilige Wetterkarte die analoge im Atlas aufzusuchen, hiermit die vor- 
hergehende und nachfolgende zu vergleichen, und man erhält dann sofort Anhalts- 
punkte für die Beurtheilung des demnächst zu erwartenden Wetters. 
Durch solcherlei Vergleichungen sowie durch Hinzuziehung von Lokal- 
beobachtungen .in Bezug auf die Aenderungen des Luftdruckes und des Windes, 
die Himmelsansicht u. dgl., könnte beurtheilt werden, ob sich die Wetterlage im 
derselben Weise umwandelt, wie es im Atlas angegeben ist, oder aber ob die 
Aenderungen in anderer Weise erfolgen, namentlich in Bezug auf die Depressionen, 
oder die Ausbildung und das Verhalten der Theilminima u. dgl. Nach und nach 
würde man im Gebrauche eines solchen Atlanten sich eine solche Uebung in der 
Beurtheilung des Witterungsverlaufes verschaffen, dals die Anwendung auf die 
Wettervorhersage, insbesondere aber auf das Sturmwarnungswesen mit Erfolg 
gemacht werden könnte. ; 
Die Wetterkarten der Seewarte kommen erst mit grofser Verspätung zu 
Händen der Interessenten, außer Hamburg überall. frühestens am Morgen des 
der Ausgabe folgenden Tages, theilweise am zweiten Tage. nach der Ausgabe. 
Es würde sich nun empfehlen, jede Wetterkarte mit einer Nummer zu versehen, 
welche mit der Nummer der analogen Karte im Wetteratlas (auch die Karten 
dieses Atlas müßten numerirt sein) übereinstimmte; ‚diese Nummer könnte nun 
spätestens um die Mittagszeit telegraphisch nach auswärts mitgetheilt werden, 
und so würde schon um diese Zeit die, Wetterlage, wie sie vor wenigen Stunden 
statt hatte, allgemein bekannt sein, und Jeder wäre in der Lage, ein gegründetes
	        
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