Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1898,
darauf hinzielt, eine ständige direkte telegraphische Verbindung zwischen den
Centralstellen unter sich beziehungsweise zwischen den Centralanstalten und den
Beobachtungsstationen herzustellen, um im Stande zu sein, sich jeder Zeit über
die auswärtigen Witterungsverhältnisse zu informiren, Zu diesem Zweck sollien
Specialdrähte die Registrirungen der meteorologischen Elemente, insbesondere
des Luftdruckes und des Windes, auf die Centralanstalten ununterbrochen über-
iragen. Eine solche ständige Registrirung wurde thatsächlich in den Nieder-
landen und Belgien sowie zwischen Brüssel und Paris hergestellt, und so die
Durchführbarkeit dieser Idee außer Frage gestellt. Durch eine solche Einrichtung
wäre man im Stande, in jedem beliebigen Augenblick sowohl bei Tag als auch
bei Nacht die Witterungsänderungen und, worauf es bei Sturmwarnungen und
Wettervorhersagen überhaupt besonders ankommt, die Aenderungstendenz des
Wetters ununterbrochen zu verfolgen.
Begnügen wir uns indessen mit einfacheren Mitteln, welche bereits olne
Weiteres benutzt werden können, so ist die Durchführung weniger schwierig.
Eine nicht geringe Anzahl Telegraphenleitungen wird zeitweise z. 5. in der Nacht
und an einigen Tagesstunden nicht oder doch wenig benutzt, und solche könnten
zu diesen Zeiten den Zwecken der Telemeteorographie dienen. Wäre man hierzu
geneigt, so würde es sich nur noch darum handeln, einfache, weniger kostspielige
Registrirapparate zu konstruiren, was grofse Schwierigkeiten nicht bereiten dürfte.
Aus dieser modificirten Einrichtung würde insbesondere das Sturmwarnungswesen
einen nicht unerheblichen Vortheil schöpfen können.
4. Depeschenaustausch zwischen benachbarten Signalstellen.
Nicht selten kommt es vor, daß unvermuthete Störungen ganze Küstenstrecken
überraschen, ohne dafs es möglich ist, diese vor der drohenden Gefahr noch
rechtzeitig zu warnen. Dieser Mifsstand konnte durch Kinführung des Nach-
mittags- und Abenddienstes neben dem Morgendienste nicht ganz gehoben werden,
zumal die Einsammlung und Verwerthung des am Morgen und Nachmittag ein-
laufenden Depeschenmaterials bei den jetzigen Einrichtungen erhebliche Ver-
spätungen erleidet.
Um nun die Küste vor solchen unvermutheten Ueberraschungen wenigstens
zum grofsen Theile zu schützen, dürfte die folgende Einrichtung dienen, -— Der
Küstenbevölkerung ist es von gröfster Wichtigkeit, zu wissen, wie die Wind-
verhältnisse in der nächsten Umgebung beschaffen sind, um hiernach ihre Dis-
positionen für ihre Unternehmungen zu treffen. Kine solche Information kann
yanz einfach in der Weise bewerkstelligt werden, dafs ein Depeschenaustausch
zwischen den einzelnen benachbarten Signalstellen stattfindet, und zwar regel-
mäfsig zu bestimmten Tagesstunden und bei besonderen Gelegenheiten, etwa bei
stark auffrischenden Winden oder bei Eintritt sieifer oder stürmischer Winde, bei
Aenderung der Richtung und des Charakters der Winde u. dgl. Im letzteren
Falle würden Flaggensignale am Platze sein.
Dahin zielende Einrichtungen sind bereits an einigen deutschen Küsten-
orten getroffen, so zu Neufahrwasser, Kolberg, Swinemünde, Cuxhaven, Weser-
Leuchtthurm, Bremen, Wilhelmshaven u, A., welche um 8 Uhr morgens Wetter-
telegramme von benachbarten Stationen erhalten, wobei zu Cuxhaven, Weser-
Leuchtthurm (Hohe Weg) und Hela Richtung und Stärke des Windes durch Signale
angezeigt werden. Diese Einrichtungen haben sich im grofsen Ganzen ganz gut
bewährt, indessen würden dieselben durch Hinzufügen eines zweiten Wetter-
telegrammes am Nachmittage event. noch eines dritten in den Abendstunden
and durch gelegentliche Mittheilungen gefahrdrohender Windverhältnisse in ihrer
Wirksamkeit sehr erheblich gesteigert werden können; KErsteres ist für Cuxhaven,
Hohe Weg-Leuchtthurm und Hela bereits durchgeführt worden.
Welcher Art im Binzelnen ein solches System eingerichtet werden müfste,
ergiebt sich aus den örtlichen Bedürfnissen von selbst; ein grofser Kostenaufwand
oder eine erhebliche Mehrbelastung der Telegraphenämter würden bei der Kürze
der Telegramme (ein Taxwort würde genügen) nicht hervorgerufen werden,
Denken wir uns beispielsweise, Travemünde erhält von Fehmarn und
Warnemünde täglich zwei Wetterdepeschen, eine am Morgen und eine in den
Nachmittagsstunden event. auch noch eine am Abend und außerdem noch Extra-
depeschen, wenn die Witterungsverhältnisse einen drohenden Charakter annehmen,
wobei Travemünde dieselben Leistungen für Fehmarn und Warnemünde, welche
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