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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

van Bebber: Einiges über Wettervorhersage, 
Kontinent zunächst noch nicht erreichbar zu sein, und daher dürfte es an- 
gemessen sein, sich zuvörderst. darauf zu beschränken, durch einen Versuch in 
kleinerem Mafsstabe zu zeigen, dafs einerseits dieses System sehr erhebliche 
Vortheile für.die rascheste.und allseitige Verbreitung von Witterungsnachrichten, 
Wetterprognosen und Sturmwarnungen bieten, und dafs andererseits dadurch der 
Telegraph bedeutend entlastet würde. 
Bei Gelegenheit der in Berlin vom 13. bis 17. Oktober 1897 tagenden 
Konferenz der Vorstände deutscher meteorologischer Centralstellen legte ich 
einen Entwurf eines Cirkularsystems für den täglichen Wetterdienst der Seewarte 
vor,!) welches System zunächst in Deutschland zur Anwendung kommen, dann 
aber auf die Nachbarländer ausgedehnt werden sollte. Insbesondere bei weiterer 
Ausbreitung dieses Systems, welche ja unschwer zu bewerkstelligen ist, würden 
die grofsen Vortheile desselben sich in hohem Mafse geltend machen. ‘ Das 
System sollte zunächst folgendermafsen eingerichtet sein: Die Wetterdepeschen 
durchlaufen zur genau festgesetzten Zeit und in bestimmter Reihenfolge kurz 
nach‘ der Beobachtung die Leitungen von Hamburg über Köln, Frankfurt a. M., 
Karlsruhe, Strafsburg i. E., Stuttgart, München, Chemnitz, Magdeburg, Berlin, 
Breslau, Königsberg, Danzig, Stettin zurück nach Hamburg, wobei an jedem der 
genannten Orten eine Abschrift der Wetterdepeschen genommen, sowie die 
eigenen und diejenigen der nahe gelegenen Station hinzugefügt werden. Bei 
dieser Anordnung würden nicht allein die Centralanstalt, sondern auch die oben 
benannten Orte in höchstens einer Stunde nach der Beobachtung im Besitze des 
Depeschenmaterials sein. 
Die allgemeine Durchführung des Cirkularsystems für ganz Europa ist mit 
viel geringeren Schwierigkeiten verknüpft, als man bisher anzunehmen geneigt 
war, nur ist hierbei der gute Wille der einzelnen Institute und der Telegraphen- 
behörden unbedingt erforderlich. Ich will mich darauf beschränken, hier nur 
die Grundzüge eines solchen Systems kurz anzudeuten. 
Als Centren und Beobachtungsstationen kämen hier in Betracht: 
London .... mit 9 Stationen 8. Hamburg ... mit 6 Stationen 
Parß >. x - 9. St. Petersburg „ 9 
Chistiania . .. 10. Wien ..... | 
Stockholm .. “1. Rom...... w 
Kopenhagen . 12. Lissabon ... x 
Brüssel .... 13. Madrid 
Utrecht .... » »” 
Bezüglich des obigen Entwurfes fafste die Konferenz einstimmig die 
folgende Resolution:*) 
„Die Konferenz sieht. in dem Rundlaufsystem das einzige 
Mittel, das Depeschenmaterial am raschesten und allseitigsten 
bekannt zu machen, und hält die baldige Durchführung desselben 
um so mehr für nothwendig, als hierdurch die Telegraphenleitungen 
erheblich entlastet werden.“ 
3. Häufigere Informationen. Um ein gegründetes Urtheil über den 
wahrscheinlichen Witterungsverlauf abgeben zu können, ist es vor Allem, ins- 
besondere aber im Interesse des Sturmwarnungswesens, nothwendig, mit Sicher- 
heit die Aenderungen und die Aenderungstendenz des Wetters in letztverflossener 
Zeit zu kennen. Dieses ist aber in einem Zeitintervall von 24 Stunden in vielen 
Fällen nicht möglich, und daher wurden in den meisten Staaten der Nachmittags- 
dienst und nachher an der deutschen Seewarte auch noch ein Abenddienst ein- 
geführt, welch letzterer nur den Interessen des Sturmwarnungswesens dient. 
Indessen kommt es noch sehr häufig vor, dafs die Küste in der Zwischen- 
zeit von Stürmen überrascht wird, welche von der Centralstelle nicht rechtzeitig 
vorher signalisirt werden können. Sehr wirkungsvoll würde die von. Buys- 
Ballot zuerst vorgeschlagene Einrichtung der „Telemeteorographie“ sein, welche 
6? 
9° 
1) „Entwurf eines Cirkular- (Rundlauf-) Systems für den täglichen Wetterdienst der Seewarte“, 
der Direktion der Seewarte vorgelegt von Prof, Dr. W. J. van Bebber, im Manuskript gedruckt. 
. 2) Siehe „Verhandlungen der Konferenz der Vorstände deutscher meteorologischer Central- 
stellen zu Berlin vom 13 bis 17. Oktober 1897“. Berlin. A. Asher & Co.. 1897.
	        
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