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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1898.
lich zu machen, so dafs dieses in Stand gesetzt würde, sich ein eigenes selbst-
ständiges Urtheil über den thbatsächlichen Zusammenhang der Witterungs-
erscheinungen und ihren wahrscheinlichen Verlauf zu bilden, Bestrebungen, welche
auch in anderen Ländern, beispielsweise in Frankreich, auf den britischen Inseln
und in Italien obwalteten, allerdings nach einer abweichenden Methode. Diese
umfangreichen Arbeiten habe ich hauptsächlich in den monatlichen Uebersichten
der Witterung in dem „Archiv der Seewarte“, in den „Annalen der Hydro-
graphie etc,“ und an anderen Orten veröffentlicht.)
Diese Untersuchungen führten zu einem übersichtlichen Schema zur Auf-
stellung von Wetterprognosen (wozu naturgemäfs noch die Sturmprognosen
gehören), welches in ausführlicher Weise in der monatlichen Uebersicht der
Witterung (1885), in den Annalen der Hydrographie ete. (1886), in meinem
Handbuche der ausübenden Witterungskunde (II. "Theil, 1886) sowie in
meiner Wettervorhersage (1891 und 1898) veröffentlicht ist. Dabei wurde auch
auf das vermuthliche Auftreten stürmischer Winde bei einer gegebenen Wetter-
lage Rücksicht genommen. Bei allen meteorologischen Elementen wurde die
Prozentzahl der Treffer angegeben, welche man durchschnittlich erwarten kann,
wenn man das Schema bei Aufstellung von Wetterprognosen verwendet. Zur
Vervollständigung wurden später noch die Hauptwetterlagen in Europa in An-
lehnung an die barometrischen Maxima und Minima übersichtlich zusammen-
gestellt und im Jahre 1897 im „Wetter“, in den Annalen der Hydrographie etc,
und in der Wettervorhersage (2. Aufl.) veröffentlicht. Hiernach dürfte ein-
leuchten, dafs eine Grundlage für die Wettervorbersage auch zur Nutzanwendung
beim grofsen Publikum wohl vorhanden ist. Es wird sich nur noch darum
handeln, dafs sich das Publikum mit dem ilm zugänglich gemachten Material
auch vertraut mache, dann würde die Nutzbarmachung der Wettervorhersage
schon erheblich erhöht werden und das Urtheil des Publikums über die Wirk-
samkeit der Wettervorhersage, insbesondere des Sturmwarnungswesens, ein anderes,
wenigstens ein gerechteres werden.
Dafs auch Bestrebungen geltend wurden, die bestehenden Einrichtungen,
namentlich bezüglich des Sturmwarnungswesens, möglichst zu verbessern, dürfte
als selbstverständlich angenommen werden, vielfach habe ich darauf hingewiesen.
Bei Gelegenheit der Naturforscherversammlung zu Lübeck im Jahre 1895
hielt ich einen Vortrag über „Das Sturmwarnungswesen an der deutschen Küste
und Vorschläge zur Verbesserung desselben“.”) Ich machte sechs Vorschläge mit
ausführlicher Begründung und zwar
1. Ausdehnung des wettertelegraphischen Netzes nach Westen
hin (auf den Atlantischen Ozean hinaus), telegraphische Verbindung der Far-Öer,
Islands (und Südgrönlands), sowie der Azoren (und der Bermuden) (Hoffmeyers
Projekt), ferner Wetterdienst auf dem östlichen Theile des Nordatlantischen Ozeans.
2. Beschleunigung des Depeschenverkehrs (Einführung des Cirkular-
oder Rundlaufsystems). Zur Durchführung dieses Systems mülßsten die tele-
graphischen Leitungen der meteorologischen Stationen und der Centralstelle kurz
nach der Beobachtung direkt in Verbindung gesetzt werden und die Abgabe der
Telegramme in ununterbrochener, im voraus bestimmter Reihenfolge geschehen,
so dafs die Centralstelle und gleichzeitig die wichtigsten Orte schon in höchstens
1*/2 Stunden nach der Beobachtung im Vollbesitz des ganzen wettertelegraphischen
Materials aus Europa wären. Dieses System wurde der Pariser internationalen
meteorologischen Konferenz (im September 1896) von den Direktionen der
Seewarte und des niederländischen meteorologischen Institutes vorgeschlagen,
indessen konnte eine Einigung nicht herbeigeführt werden.?)
Bei der gegenwärtigen Lage der Dinge schien die Durchführung eines
allgemeinen internationalen Cirkularsystemes für den ganzen europäischen
1) Siehe „Monatliche Uebersicht der Witterung“, Jahrg. V, 1880, VI 1881, VII 1882, X 1855
‚Anleitung zur Aufstellung von Wetterprognosen); vgl. auch Ann. d. Hydr. ete., Jahrg. 1896, aus
lem „Archiv der Seewarte“, Jahrg. V, 1883, IX 1856, XV 1892, XVIM 1895 (mit Köppen
zemeinsam). Ann. d, Hydrogr. etc, 1895 und 1897. Handbuch der ausübenden Witterungskunde bei
Enke, Stuttgart. Die Wettervorhersage ebenda.
2) Dieser Vortrag ist abgedruckt in „Annalen der Hydrugraphie ete.“, Septemberheft 1895,
5) Vgl. Bemerkungen und Vorschläge zum Programm für die internationale meteorologische
Konferenz in Paris im September dieses Jahres. „Deutsche Seewarte“, 1896.