30 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1898.
wieder aus der Strafse hinaustrieb. Erst am 28. April stand „Montana“ südlich
von der Strafse. In der Molukken-See wurde bei einem frischen Südwestwind süd-
wärts gekreuzt und am 5. Mai die Buton-Passage passirt, woselbst der Wind
eine mehr östliche Richtung annahm. In der Molukken-See beobachteten wir
eine Strömung von !/2 Knoten nach NNW; nachdem die Buton-Passage passirt
war, setzte der Strom anfangs nach SW, später nach W, mit einer Stärke von
1! bis 2 Knoten, Am 6. Mai durchsegelten wir bei frischem Südostwinde die Passage
zwischen der Insel Salager und der Gruppe der Tiger-Inseln. Durch die Flores-
See führte uns ein frischer Ostwind, unterstützt durch einen günstigen Strom von
1!/a Knoten, am 9. Mai in Sicht der Lombok-Strafse. Am Abend des 10. Mai
kreuzten wir gegen einen frischen Südwind in die Lombok-Strafse ein. Durch
ainen starken südlichen Strom wurde es möglich, in verhältnilsmäfsig kurzer Zeit
die Strafse zu durchkreuzen, und bereits am Mittag des 11. Mai stand „Montana“
aufserhalb der Strafse im Indischen Ozean. Die Reisedauer von Gorontalo bis
hierher hetrug 22 Tage.
Von den drei von „Montana“ besuchten Plätzen auf Celebes ist Kwan-
dang!) an der Nordküste auch für ein Segelschiff ein guter Hafen, insofern als
man hier auf 10,8 bis 27 m (6 bis 15 Faden) Tiefe einen bequemen Ankerplatz findet.
Außerdem wechseln Land- und Seewinde miteinander ab, so dafs ein Segelschiff
Jiesen Hafen ein- und aussegeln kann. Auf die in der Einfahrt liegenden beiden
Korallenbänke muß man gut achten, um sie zu vermeiden, besonders da die
Baken, welche sie nach der Karte*) bezeichneten, jetzt nicht mehr vorhanden
sind. In meiner Karte „Eastern Archipel, Eastern Portion“ ist Kwandang auf
122° 55‘ O-Lg niedergelegt, während seine Länge richtiger 10‘ westlicher,
122° 45' 0*) ist. Die von der Celebes-Küste vorhandenen Seekarten sind über-
haupt sehr mangelhaft,*) so dafs man sich nicht auf sie verlassen darf. Kwandang
ist nur ein kleines Malayendorf; aufser Geflügel und Fischen ist dort nichts für
den Schiffsbedarf zu haben.
Gorontalo,°) an der Nordküste des Golfs von Tomini, ist wegen seiner
zrofßen Wassertiefen ein schlechter Hafen. In der Bai ist nur aufserhalb des
Leuchtthurmes, nahe bei demselben, an ihrer Ostseite, und oberhalb des Leucht-
thurms an beiden Seiten, dicht unter Land auf einer Wassertiefe von 45 bis 54 m
’25 bis 30 Faden) Ankergrund zu finden. Zur Zeit des Westmonsuns, wenn fast
beständig ein starker Landwind weht und die Seebriese oftmals tagelang gar
nicht oder nur für einige Stunden leicht durchkommt, und dazu ein starker
Strom aus dem Flusse nach See setzt, ist die Einsegelung äußerst schwierig.
[st es einem Schiffe gelungen, sich mühsam bis zu dem äufseren Anker-
platz beim Leuchtthurm hinzuarbeiten, so sollte es, aulser vor Anker zu gehen,
mit einer Leine am Lande befestigt werden, denn der Grund ist steil abschüssig,
und bei einer frischen Landbriese würde der Anker allein nicht genügen. Von
diesem Ankerplatz läfst sich das Schiff alsdann vermittelst Warpen nach den
verschiedenen Ladeplätzen an der Flufsmündung bringen. Bei einem günstigen
Winde kann man ganz bis zum Ladeplatz hinaufsegeln; hat dann aber zwischen
dem Leuchtthurm und dem gegenüberliegenden Ufer die Mitte des Fahrwassers
zu halten, weil infolge der starken Strömung hier das Schiff leicht aus dem
Ruder läuft.
Der Ladeplatz der niederländischen Handelsvereinigung befindet sich an
der Westseite der Bai an einer Brücke. Der Ankergrund ist hier gut und besteht
aus weichem Mudd. Auf dem Ladeplatz der Molukken- Gesellschaft an der Ost-
seite der Bai ist ein schlechter Ankergrund, bei einer grofsen Wassertiefe von
63 bis 72 m (35 bis 40 Faden), vorhanden. Zur Zeit des Westmonsuns liegen
die Schiffe an ihren Ladeplätzen bei Gorontaln sehr gut. im Ostmonsun dabhin-
1) 8, Eastern Archipelago part. II S. 383 und Engl. Adm. Karte 2194 Sketch plans of
anchurages in the northern part of Celebes, D. R.
% Und nach der Segelanweisung s. a. a. O0. S. 383. D, R,
3) Auf der holländischen Karte: Oost-Indische Archipel, Oostblad v, VIEL. 97 liegt der Ort
Kwandang auf ungefähr 122° 58' O-Lg. Die Längenangaben der Karte sind auf die Länge von
Batavia (Üitkijk) bezogen, welche mit 106° 48‘ 37“ O angegeben ist im Gegensatz zu der Fufsnote
auf S. 95 des Eastern Archipelago part II, welche besagt, dafs die Holländer die Länge des Obser-
vatoriums zu Batavia zu 106° 48’ 25,5‘ O annehmen. D. R.
4) Ob dies Urtheil auch auf die erwähnte neueste Karte zutrifft, bleibt festzustellen, D. R,
7 S. ebenda 8. 368 und Engl. Adm. Karte 2195 Sketch plans of anchorages in the eastern part.