Von der Sunda-Strafse bis zum Indischen Ozean.
nördliche Wind durch NO nach O, und da gleichzeitig eine südwestliche Strömung
vorhanden war und diese Verhältnisse bis zum 15. Januar anhielten, so wurde
das Schiff ungefähr ebenso lange an dem Platze festgehalten. Am Nachmittag
des letztgenannten Tages kam in einer Regenböe eine starke südwestliche Briese
durch, die aber schon in der folgenden Nacht wieder abflaute, wobei jedoch die
Richtung des Windes aus dem westlichen Halbkreise verblieb. Am Abend des
16. Januar sichteten wir Rajo Imel und lagen darauf während der Nacht hei
schweren Gewitterböen mit Regen vor der Bai von Kwandang ab und an. Infolge
des westlichen Windes mulß sich der bis dahin westliche Strom in einen Ööst-
lichen verwandelt haben, und zwar in einen solchen von der doppelten Stärke;
denn am Mittag des 17. Januar fanden wir uns 45 Sm nach Osten versetzt. Es
wurden häufig starke Stromkabbelungen passirt, welche mit Brandungen zu ver-
gleichen waren, und in denen das Schiff trotz einer Fahrt von 3 Knoten nicht zu
steuern war. Bei dem sehr unbeständigen und böigen Südwestwinde liefs sich gegen
den starken östlichen Strom nicht wieder zurückarbeiten, vielmehr trieb das
Schiff immer weiter nach Osten. Am Mittag des 20. Januar peilte die Insel
Menado-Tua OzN 8 Sm entfernt; allein im letzten Etmal hatten wir eine Ver-
setzung von 61 Sm NOzO. Hier nahm der Strom eine mehr nördliche Richtung
an. Am Abend desselben Tages kam ein frischer Nordostwind durch, mit dem wir
wieder nach der Kwandang-Bai zurücksegeln konnten. Am 23. Januar kam
„Montana“ daselbst zu Anker.
Nach Einnahme von 70 Tonnen Eisenholz verliefsen wir am 2. Februar
Kwandang wieder, .um nach Pogo Jama’) am Golf von Tomini zu versegeln.
Da dieser Platz schwerlich ohne einen Lootsen aufzufinden ist, so sollte zwecks
Erlangung eines solchen zuvor Gorontalo angelaufen werden, Bei dem auf
See angetroffenen sehr unbeständigen Wetter mit heftigen Regenböen, östlicher
Mallung und einer Gegenströmung von 1 Knoten nahm die Reise einen so langsamen
Verlauf, daß „Montana“ sich erst am 19. Februar um Mittag in der Peilung
„Insel Talisse SO 10 Sm entfernt“ befand. Während dieser Zeit wurden häufig
mehrere Wasserhosen gleichzeitig um das Schiff herum beobachtet. Kine von
diesen passirte am 15, Februar recht über das Schiff hinweg, ohne jedoch dem-
selben einen nennenswerthen Schaden zuzufügen, denn die meisten Segel waren
rechtzeitig weggenommen. Am 20. Februar stellte sich bei beständigem Wetter
ein frischer Nordnordostwind ein, mit dem die Reise einen besseren Verlauf annahm.
Am Kap Flesko beobachteten wir einen starken nordöstlichen Strom und eine
schwere Stromkabbelung. Vor dem Golf von Tomini nahm der Wind eine nord-
westliche Richtung an, und war somit‘ dem Kurs des Schiffes entgegen. Krst
am 28. Februar, nach einer beschwerlichen Reise von 26 Tagen, langte „Montana“
in Gorontalo an. Nachdem ein Lootse an Bord gekommen war, traten wir am
2, März die Weiterreise nach Pogo Jama an derselben Küste an und erreichten
dessen Ankerplatz am 4. März mit der eben einsetzenden Seebriese.
Nachdem die für uns bestimmte Ladung in Pogo Juma eingenommen war,
verließen wir diesen Ort am 18. März wieder, um nach Gorontalo zurückzusegeln,
Da ausnahmsweise am 19. März ein frischer Seewind wehte, so gelang es uns,
noch an demselben Tage in Gorontalo einzulaufen und das Schiff am Ladeplatz
festzumachen.
Nach Vervollständigung der aus verschiedenen indischen Produkten be-
stehenden Ladung wurde am 19. April von Gorontalo die Heimreise nach Rotter-
dam angetreten. mit der Absicht, den Weg durch die Greyhound-Strafse ein-
zuschlagen. Im Golf von Tomini war der Ostmonsun noch nicht durchgedrungen,
vielmehr wehte hier ein von schönem Wetter begleiteter Westwind, der uns schon
am 22. vor die genannte Strafse führte. Hier aber holte der Wind südlich und
flaute zu einer leichten Briese ab, welche in der kommenden Nacht des öfteren
von Windstillen aufgehoben wurde. Da diese Windverhältnisse fortbestanden,
und außerdem in der Strafse ein nördlicher Strom vorhanden war, so gestaltete
sich das Kreuzen zu einer langwierigen Arbeit, bei der das Schiff mehrmals
59
ı) In der neuesten Ausgabe der holländischen Seekarte Oost-Indische Archipel, Oostblad 3,
v. August 1897, findet sich anstatt des Namens Poga Jama, wie ihn die Engl. Adm. Karte 942 A
Eastern Archipelago, Eastern Portion sh 1 — Tit. X, 151 — giebt, bezw. Pogu Yama im Eastern
Archipelago part. IL S. 368, der Name Belatu für diese Bucht. D. R.