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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Sao Francisko. 
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am Tage vor dem Auslaufen S. M. S. „Gneisenau“ in Rio de Janeiro ein- 
gegangenen Telegramm in der La Plata - Gegend geweht hat. Auf der Reise 
wurde Nordweststrom von 1 Sm stündlicher Geschwindigkeit beobachtet. 
Ueber die Ansteuerung von Sao Franecisko und die dortigen Verhältnisse 
berichtet der Kommandant: 
Beim Ansteuern von Sao Francisko wurde auf die Insel Graca Kurs 
gesetzt; dieselbe kam auf etwa 28 Sm in Sicht. Auf 20 Sm war das Haus 
neben dem das Feuer von Joao Diaz tragenden eisernen Gerüst zu sehen. Beim 
Näherkommen verschwand dasselbe hinter Bäumen. Man konnte nur noch das 
rothe Dach desselben ausmachen, bis auch dieses verschwand. Im Allgemeinen 
ist das Haus in westlicher und. nördlicher Richtung recht schlecht zu sehen. . Es 
wurde um die Graca-Inseln herumgedampft und zwischen der gröfsten derselben, 
Paz, und dem Kap Joao Diaz in der Nähe der Insel geankert, um die Ankunft 
eines Lootsen abzuwarten. Während aufserhalb der Inseln eine starke Dünung 
stand, war es innerhalb derselben vollkommen ruhig, was auch nachher beim 
Passiren der Barre der Fall war, wenigstens in geringerem Mafse. Es empfiehlt 
sich, den Lootsen vorher hierher zu bestellen, da sonst schwerlich einer zu 
bekommen sein dürfte. Hochwasser war an dem Tage um 9"45" a, während 
das Schiff um 2*45”p bei Graca zu Anker ging, in der Annahme, dafs ich nicht 
vor später Nachmittagsstunde bei steigendem Wasser die Barre passiren könnte. 
Der brasilianische Lootse erklärte jedoch, dafs um 4"p Hochwasser auf der 
Barre wäre und das Schiff gleich einlaufen könnte, da überall mindestens 24 Fuf[s*) 
(7,3 m) Wasser wäre, Wie ich nachher in Erfahrung gebracht habe, giebt es in 
Sao Francisko zur Zeit des halben Mondes vier Fluthen während 24 Stunden, 
wovon die zwischen den eigentlichen Fluthen liegenden, halbe Fluthen genannt 
werden und nicht ganz so hohes Wasser wie die ersteren haben. Um die Zeit 
von Vollmond und Neumond setzen dieselben jedoch aus. Mit einer solchen 
halben Fluth habe ich die Barre beim Binlaufen passirt. Es wurde mir dabei 
die in der englischen Segelanweisung verzeichnete Angabe bestätigt, dafs bei 
südlichen Winden mehr Wasser auf der Barre ist wie bei nördlichen. Zum 
Passiren der Barre wurde die südliche Einfahrt dicht bei Kap Jaoa Diaz vorbei 
gewählt, entgegen der englischen Segelanweisung, die das Einlaufen von Norden 
her vorschreibt. Die in No. 2510 des Jahrganges 1897 der „Nachrichten für 
Seefahrer“ eingetragenen Untiefen bei der Insel Oraringa sind richtig verzeichnet. 
Auch lagen die Bojen auf ihrer Position, Man darf nicht nördlich der schwarzen 
Bojen herumgehen, da auch hier Untiefen sind. Man vermeidet dieselben am 
besten, wenn man bei Oraringa die Mitte des Fahrwassers hält. Die im Hafen 
von Sao Franecisko liegenden Untiefen und die sie kenntlich machenden See- 
zeichen habe ich, so weit es sich bei der Kürze des Aufenthaltes feststellen lief, 
auf ihrer richtigen Position gefunden. , 
S. M. S. „Gneisenau“ fand einen guten Ankerplatz in der Peilung: Kirche 
803/40, Pedras Point NO’/sO. 
Ein die Navigirung erschwerender Umstand ist der, dafs die in der See- 
karte Titel VIII, No. 68, verzeichneten Inseln im Flusse nicht genau festgelegt 
sind. Auch die Positionen der Berge scheinen nicht genau zu stimmen, ; 
Anmerkung der Redaktion. Die Gezeitenverhältnisse im Sao Francisko- 
Fluß scheinen sehr verwickelte zu sein. Die „halben Fluthen“, welche nach 
dem Berichte S. M. S. „Gneisenau“ zur Zeit des halben Mondes eintreten 
(am 1. November war erstes Viertel), zeigen eine grofse Aehnlichkeit mit den 
von S. M. S. „Victoria“ beobachteten. Ueber diese heifst es in „Annalen der 
Hydrographie“ 1882, Seite 30: „In den ersten Tagen vor und nach Voll- 
und Neumond ... steigt beim Eintreten der Fluth das Wasser zuerst ziemlich 
schnell und bleibt dann ungefähr zwei Stunden stehen oder fällt um ein Geringes 
wieder; erst hierauf setzt die eigentliche Fluth ein. Die Bewohner nennen diese 
doppelte Strömung in der Fluthzeit die grofse und die kleine Fluth. An den 
übrigen Tagen des Monats treten zwei vollständige Ebben und Fluthen auf.“ 
Im „South America Pilot“, part I, Seite 194, heifst es: Zu Nippzeiten 
läuft der Strom aus dem Fluß 3 bis 4 Sm in der Stunde und wird nur durch 
Vol. „South America Pilot“, part I, S. 194. D.R
	        
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