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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

50 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1898. 
er eine Versandung der Anker und Ketten bewirkt. Es werden daher, um dieser 
Gefahr vorzubeugen, von den Dampfern, besonders in Itshang und Hankau, an 
welchen Orten die Strömung am stärksten auftritt, im Hochsommer nach Ablauf 
dreier Tage, stets die Anker gelichtet, um sie gleich wieder fallen zu lassen. 
Im Winter wird das zeitweise Lichten der Anker für kein Erfordernifs mehr 
yehalten, da der Grund an und für sich hart ist. 
Der Niveauunterschied vom höchsten zum niedrigsten Wasserstande ist 
örtlich verschieden und am ausgeprägtesten in Itshang und Hankau. Während 
er an diesen beiden Orten 30,5 m (100 Fufs) bezw. 15,2 m (50 Fufs) beträgt, 
beträgt er in Wuhu 7,6 m (25 Faufs) und in Tshinkiang nur noch 6,1 m (20 Fufs). 
3. Navigirung des Yangtse und Lootsenwesen. Was die Navigirung 
des Yangtse betrifft, so halte ich unbedingtes Vertrauen auf die Fahrwasser- 
kenntnifs der Lootsen für geboten. Wie ich mich überzeugen mufste, giebt die 
Karte durchaus unrichtige Bilder über die thatsächlichen Flußgestaltungen und 
Wassertiefen. Die auf der Karte angegebenen Seezeichen entsprechen infolge- 
dessen auch nicht den jeweiligen örtlichen Verhältnissen, so dafs eine sachgemäfße 
Kontrole des Lootsen völlig ausgeschlossen ist. Die Thatsache, dals Seezeichen, 
welche auf der Karte aufgezeichnet waren, fehlten, oder dafs solche an Stellen 
in Wirklichkeit vorhanden sind, an welchen die Karte keine aufweist, dal 
schließlich ganze Flußgebiete als solche in Wirklichkeit existiren, während auf 
der Karte noch Land verzeichnet ist, mufs die Navigirung ganz der Kenntnifs des 
Lootsen anvertrauen, Dazu kommt, dafs der hohe Wasserstand im Sommer zum 
Theil die Benutzung von Kanälen und Creeks gestattet, welche im Winter nur 
wenige Fuß Wasser haben. 
Jede Dampferkompagnie hat ihre eigenen Lootsen, und Letztere, welche 
nicht der Zollverwaltung unterstehen, auch keinem direkten Lootsenverbande 
angehören, verschaffen sich die Kenntnisse vom Fahrwasser durch gegenseitige 
Mittheilung untereinander. Lothwürfe, welche von den Dampfern aus durch 
lediglich dazu angenommene Persönlichkeiten gethan werden, geben den Lootsen 
Aufschlufs über die jeweilig bestehenden Tiefen. Wenn gröfsere Aenderungen 
in der Tiefengestaltung vermuthet werden, wie es bei Beginn des Sommers stets 
der Fall ist, so werden von den Dampferkompagnien Dampfboote gemiethet, 
welche das Fahrwasser auslothen und die neu ermittelten Fahrrinnen durch blaue 
und rothe Flaggen markiren. Die Zollverwaltung befafst sich mit der Vermessung 
des Fahrwassers direkt nicht, sie legt nur die Seezeichen aus nach den Angaben, 
welche ihr die Lootsen zukommen lassen und sorgt für Instandhaltung und Be- 
setzung der Leuchtfeuerstationen. Hierfür erhält die Verwaltung bestimmte Ab- 
gaben seitens der Dampfer, welche dem Tonnengehalt letzterer gemäß be- 
rechnet sind. 
Als die gefährlichste Stelle im Yangtse, welche steten Aenderungen unter- 
worfen sein soll, erscheint den Lootsen die Durchfahrt zwischen den Centaur- 
and Actaeon shoals. Sie passiren dieselbe nur bei Tage und gehen, um dies zu 
erreichen, gegebenenfalls vor der Stelle zu Anker. Ein günstiger Ankergrund 
bietet sich in der Nähe von North tree, woselbst alle flulsabwärts steuernden 
Dampfer abends ankern. 
Sag Francisko. © 
Aus dem Reisebericht S. M. S. „Gneisenau“, Kommandant Kapt. z. S. HOFMEIER. November 1897, 
S. M. S. „Gneisenau“ hatte am 1. November 1897 von Rio de Janeiro die 
Reise nach Sao Francisko angetreten. Auf der Reise wurde südöstlicher Wind, 
Stärke 3, und heftiger Seegang angetroffen, welch letzterer die Fahrt des 
Schiffes stark beeinträchtigte. Die hohe See ist nach Ansicht des Kommandanten 
durch einen Ausläufer eines heftigen Pamperos verursacht. welcher nach einem 
1) „South America Pilot“, part I, S. 192 ff. — B. VII, 4 —, D. A.-K. No. 35 — Tit. VII 
68 —, Engl.‘ Adm.-Karte No. 550. — „Annalen der Hydrographie und Maritimen Metenrologie“ 
[8892. &. 30 ff: 1889. S. 383 #£. D. R.
	        
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