Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1896.
strecken der 2, und 3. und theilweise auch der 4, für die Nordsee, der 9. für
die mittlere Ostsee, der 19, für die Ostsee westlich von der Oder, der 20, für
die Nordsee und der 30. und 31. für die preufsische Küste, Gewitter wurden
beobachtet in der Nacht vom 8, zum 9, an der Nordsee. ;
Von den Windrichtungen wurden zu Zeiten der Terminbeobachtungen
meist die Richtungen S und SSW, zum Theil auch SW am häufigsten beobachtet;
relativ häufig und von den übrigen Stationen abweichend traten in Wilhelms-
haven Nordost- und in Keitum Nordwestwinde ebenfalls durch Häufigkeit hervor.
Nachdem eine am 1. über Centraleuropa ausgebreitete umfangreiche De-
pression mit einem durch die südliche Ostsee ostwärts fortschreitenden und an
der Ostseeküste am 1. stürmische Südwestwinde hervorrufenden Minimum durch
hohen Luftdruck, von Westen her vordringend, nach Osten gedrängt worden
war, bildete sich zunächst ein am 3. und 4. über die Mitte Europas NO — SW
yestreckter Rücken hohen Luftdruckes, nördliche bis östliche Winde und damit
kühleres Wetter an der Küste bedingend. Als dann am 5. und 6. ein Hoch-
druckgebiet fast den ganzen Erdtheil mit Ausnahme der Britischen Inseln be-
deckte, das seinen Kern von Skandinavien nach Westrussland verlagerte, herrschten
an der Küste bei wenig veränderter Temperatur östliche bis südöstliche Winde.
Durch Ausbreitung einer Depression im Nordwesten über ganz Europa am
7. bis 9. wurden südwestliche bis südliche Winde herbeigeführt, die in der Nacht
vom 7. zum 8. an der Nordsee und westlichen Ostsee, am 8. an der ganzen
Küste und am 9, an der Nordsee stürmisch auftraten, in diesem letzteren Falle
bedingt durch das Steigen des Luftdruckes über Südwesteuropa; im Gefolge der
für die Nordsee ozeanischen Winde trat hier wärmere Witterung ein.
Am 10, bis 13. schritt ein Minimum über Irland, Jütland und die südliche
Ostsee nach den russischen Ostseeprovinzen, für die Küste zunächst ein Krimpen
und sodann recht drehende Winde aus südlichen Richtungen bedingend. Während
dieses Minimum über der Ostsee lag, gewann bereits ein neues Minimum im
Westen über dem Ozean Einflufs auf Europa, dessen Westhälfte vom 13. bis 16.
seinem Depressionsgebiete angehörte, so dafs die Winde an der Küste aus SO
bis S wehten. *
Eine starke Drehung der Winde erfolgte in den Tagen vom 17. bis 20.,
als das über dem Ozean liegende Minimum über Nordskandinavien und Finnland
nach Südrussland schritt, während hoher Luftdruck gleichzeitig von Russland her
über Südeuropa, die Britischen Inseln und schliefslich Skandinavien vordrang;
die Winde drehten an der Küste von SW über NW nach NO und wehten am
20. ostwärts der Oder stürmisch aus NO.
Zum zweiten Male im Monat bedeckte ein Hochdruckgebiet fast ganz Europa
vom 21. bis 25.; nur zeitweise beeinflufsten Minima über Finnland das Ostsee-
gebiet. Bei der Lage des höchsten Druckes über Centraleuropa und späterhin
über Südosteuropa blieben ozeanische Winde ganz ausgeschlossen, so dafs die
durch die Nordostwinde herbeigeführte kühle Witterung bei meist veränderlichen
leichten Winden bestehen blieb.
Vom 26. bis 31. lag ein Minimum im Nordwesten über dem Ozean gegen-
über hohem Luftdruck über Südeuropa, das seinen Einflußs am 26. und 27. lang-
zam südostwärts über die Britischen Inseln und Skandinavien ausdehnte; hierbei
trat ein Steigen des Luftdruckes über dem Osten des kontinentalen Europas ein
und rief am 26. an der Ostseeküste östlich von der Oder im Bereich einer mit
ihrem Centrum über Finnland liegenden Depression stürmische Winde aus WSW
bis SW hervor. Dann breitete sich die Depression im Nordwesten über ganz
Europa aus, wobei die meist südwestlichen Winde am 27. und 28. an der nörd-
lichen Nordsee, am 29. an der Nordsee und westlichen Ostsee und am 30. an
der nördlichen Nordsee vielfach stürmisch auftraten und für die Küste wärmere
Witterung bedingten. Als die Stärke der Winde jedoch etwas nachliefs und
diese mehr nach Süd und im Osten nach Südost drehten, trat am Schlusse des
Monats meist wieder etwas Abkühlung ein.
Berichtigung.
In dem Aufsatz: „Gleichzeitige Heimreisen deutscher Segler von der Westküste Südamerikas“
— Heft XII 1897 dieser Annalen — findet sich auf Seite 529, Zeile 4 von oben, ein sinnentstellender
Druckfehler. Es mufs anstatt westlich östlich heifsen. D. R.