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Die Küste von Kap Roca bis Kap Raso
gemacht. Der Dampfer führt einen gelben Stander mit grünem Rand, in
dessen Mitte die Buchstaben S, M. stehen.
Als Quarantäneanstalt dient das Lazareto am Südufer des Tejo, gegenüber
Belem. Nachts einlaufende Schiffe müssen unterhalb Belem ankern, am Tage ein-
laufende Schiffe stoppen. Der Ankergrund ist gut, doch muß wegen des Stromes
reichlich Kette ausgesteckt werden. Die Untersuchung ist sehr strenge.
Ein Gesundheitspafs wird ständig verlangt. Von Brasilien kommende
Schiffe erhalten für Schiff und Ladung Quarantäne; sie müssen auf dem Quaran-
tänegrund vor dem Lazareto ankern, die Ladung wird in Leichter gelöscht und
in diesen in einem der Quarantänehäfen während der vorgeschriebenen Zeit auf-
bewahrt. Nachts darf nicht gelöscht und auch nicht gekohlt werden. Besatzung
und Passagiere sind von der Quarantäne frei und können mit dem Lande ver-
kehren, wenn nicht ein Gelbfiebertodesfall an Bord vorgekommen ist, in welchem
Fall auch sie sieben Tage Quarantäne erhalten und in dem Lazareto unter-
gebracht werden. Die Expedition des Schiffes wird durch die Quarantäne nicht
aufgehalten. Im Lazareto befindet sich auch eine Desinfizirungs-Anstalt.
Zollamtliche Behandlung. Eben innerhalb von Belem liegt ein Hulk ver-
ankert, welcher als Zollwachtschiff dient. Von hier kommt beim KEinlaufen
ein Zollbeamter an Bord, welcher während des Aufenthaltes des Schiffes im
Hafen an Bord bleibt und beim Auslaufen vom Schiff wieder beim Zollwacht-
schiff abgesetzt wird. Hier findet auch beim Auslaufen polizeiliche Unter-
suchung statt. Es werden verlangt: genaue Proviantliste, Ladungsmanifest,
Passagierliste mit Gepäckverzeichnife, vom Portugiesischen Konsul unterzeichnetes
Verzeichnifs über Tabak im Tvansit. Cigarren und Tabak an Bord werden
meistens von der Zollbehörde unter Siegel genommen. Bei Belem mufs auch
Munition, soweit sie 25 kg übersteigt, abgegeben werden während des Auf-
enthaltes im Hafen.
Das Hauptzollamt Alfadenga liegt am Platz do Commercio in Lissabon,
Anmusterung. Beim Anmustern von portugiesischen, militärpflichtigen
Landesangehörigen mufs eine Verpflichtungsurkunde unterschrieben werden, wo-
durch sich der Schiffsführer verpflichtet, den Angemusterten wieder nach Lissabon
zurückzubefördern. Die wissentliche Beförderung der Auswanderung militär-
pflichtiger Portugiesen ist vom Gesetz mit hohen Strafen bedroht.
Rettungsstationen für Schiffbrüchige befinden sich bei Cascaes an der
Nordküste der Bucht, in der Flußsmündung auf dem Thurm Bugio und der Feste
S, Juliäo, und bei Paco de Arcos, 2 Sm innerhalb der Flufsmündung.
Die Küste von Kap Roca bis Kap Raso
Kap Roca, der westlichste Punkt Portugals, in ungefähr 38° 46,8‘ N-Br
und 9° 29,8‘ W-Lg, ist auch gleichzeitig der westliche Ausläufer des Gebirgszuges
von Cintra, welcher in einem wenig vorspringenden, aber steil und schroff in das
Meer abstürzenden Haupt endet. Das Kap
liegt 170 m über dem Meer und bildet eine
der von Fischern und Seeleuten am meisten
benutzten Landmarken. Der Fufs des Kaps
ist von mehreren Felsen umgeben, welche
sich bis auf !/2 Sm weit ins Meer hinaus
erstrecken. Unter ihnen ist ein kleines
Inselchen besonders bemerkenswerth, das
seinen Namen Pedra das Geivotas(Möven-
fels) davon herleitet, daß es als Sammelplatz der Möven dient; es liegt S32°W
3,5 Kblg. vom Kap. In der Richtung N41° W 4 Kblg. vom Kap befindet sich
ein spitzer Felsen, Pedra da Arca oder Boroeira, über welchem bei Niedrig-
wasser-Springzeit 2m Wasser sind und auf welchem es bei nur einigem Seegang
stets brandet. Aufserhalb_dieses Felsens sind 40 m Wasser.
Der Gebirgszug von Cintra steigt vom Kap Roca aus nach Osten zu-
nächst allmälich an, erhebt sich dann aber sehr steil und bildet eine stark
Fig. 1.