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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Lissabon 
Allgemeines 
Lissabon, die Hauptstadt des Königreiches Portugal, liegt am rechten 
Ufer des Tejo, dort, wo er aus der seeartigen Erweiterung des Mar de Palha 
in den Mündungskanal übergeht, etwa 7 Sm von der See entfernt, amphitheatralisch 
auf sieben Hügeln in reizvoller Gegend, 
Der breite Mündungskanal des Tejo, dem eine. Barre vorgelagert ist, 
welche zweifellos als die beste der Iberischen Halbinsel gelten darf, bietet un- 
mittelbar vor der Stadt einen geräumigen und sicheren Hafen. Von hier. segelte 
im Jahre 1497 Vasco de Gama zu seiner Ruhmesfahrt aus, 
Die Stadt mit 308 000 Einwohnern wird in vier Distrikte eingetheilt, von 
denen S, Jorge, der östliche, der älteste ist. Der westlich sich anschliefsende, 
der durch das Erdbeben von 1755 am härtesten mitgenommene, zeigt jetzt die 
schönsten, geraden, rechtwinklig sich kreuzenden Strafsen, deren Nord—Süd 
laufende auf den unmittelbar am Flufßs gelegenen prächtigen Praca de Com- 
mercio ausmünden. Im Osten wird der Platz durch das Hauptzollamt, Alfandega, 
im Westen durch das Marinearsenal und Kolonialmuseum begrenzt, im Norden 
liegen die Bank und die Bibliothek, während das Flufsufer durch die monumen- 
talen Anlegetreppen, Caes de Columna, abgeschlossen wird. Auf dem Platz 
steht das Denkmal Dom Joses I. 
Die übrigen Theile der Stadt haben enge, zum Theil sehr steile St rafsen 
Nach Westen schliefsen sich an die Stadt die Vorstädte Alcantara und Belem 
an. In Alcantara liegt das Königliche Palais, das Necessidades, die ständige 
Residenz der Königlichen Familie; auf einer Anhöhe landeinwärts von Belem 
der imposante Königliche Marmorpalast, Paco real de Ajuda, in der Nähe des 
Strandes das Königliche Lustschlofs Quinta de Baixa und nördlich davon 
Quinta de Cima. 
Eine Anzahl von Kirchen, mehrere werthvolle Bibliotheken, zahlreiche 
Museen und Bildergalerien zeugen von der Pflege von Kunst und Wissenschaft, 
während mehrere Theater und eine Arena für Stiergefechte der Unterhaltung 
dienen. Auf den Ufermauern ziehen sich schattige Promenaden hin. Die Wasser- 
versorgung der Stadt ist ausgezeichnet, die Wasserleitung ein Kunstwerk, das 
viele öffentliche Brunnen, chafarizas, speist. . 
Die Blüthezeit Lissabons beginnt im 15. Jahrhundert, als der beharrliche 
Infant Dom Enrique, Heinrich der Seefahrer, seine Portugiesen über das be- 
rüchtigte Kap Bojador hinausbrachte, 1498 der Seeweg nach Östindien, 1500 die 
Küsten Brasiliens entdeckt wurden. Das 16. Jahrhundert sah Lissabon als Sitz 
eines unermefslichen Waarenumsatzes, die Niederlage und den Stapelplatz 
mehrerer Welttheile, Die Vereinigung Portugals mit Spanien brachte einen 
verhängnifsyollen Niedergang, der zu Ende des 17, Jahrhunderts durch die Er- 
schliefsung Brasiliens zwar zeitweilig gehemmt wurde, aber durch die Folgen 
des 1703 mit England geschlossenen Methuen-Vertrages noch jetzt nicht aus- 
geglichen ist. Die Losreifsung Brasiliens 1822 brachte einen neuen Schlag, der 
erst seit einigen Jahren durch den gesteigerten Verkehr, welchen die Erschließung 
der afrikanischen Kolonien mit sich bringt, gut gemacht wird. ; 
Handel und Verkehr. Durch seine Lage an mehreren Hauptwelthandels- 
strafsen ist Lissabon sehr begünstigt und Portugals erster Hafenplatz, es ver- 
mittelt gut die Hälfte des Verkehrs des Königreiches und den ganzen Waaren- 
umsatz nach seinen Kolonien. 
Hauptausfuhrgegenstände sind: Wein, Kork und Korkwaaren, Kartoffeln, 
Gemüse, Südfrüchte Salz, Schwefel, Fische, Holz, Metall, Erz. “ 
Haupteinfuhrgegenstände . sind: Nahrungs- und Genufsmittel, Bau- 
materiahen.
	        
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