Unterströmungen in der Siırafse von Bab-el-Mandeb,
521
Tabelle 1 giebt die Ergebnisse der Strommessungen, "Tabelle 2 giebt die
Öberflächenströmung, bezogen auf die höhere Tide, welche in dieser. Jahreszeit
die Vormittagstide ist. Es-lassen sich daher für andere Jahreszeiten abweichende
Ergebnisse erwarten. Die Gezeitenströmungen scheinen, so weit die kurze Zeit
der Beobachtungen einen Schlufs zuläfst, von 6" vor bis 6* nach Hochwasser in
die Strafßse hineinzusetzen.
Tabelle 2.
Ergebnifs der Oberflächenstrom- Beobachtungen, ausgeführt von I. B. M. Schiff
„Stork‘‘ in der grofsen Bab-el-Mandeb-Strafse im Januar 1898, -
Geschwin-
digkeit
Sm
(1b vor H, W.
LO
9h %®: |
ww
}
"
»
ch »”
Hochwasser
NV 44° W
N 54° W
N 44° W
47° W
145° W
152° W
756° W
147° W
51° W
[51° W
52° W
N 59° W
1/4
11/2
12%
1° 4
4 Ay
Qt
21/5
bh nach H. W.
X
x
u
'h
ah
I
12h
2
a
N 49° W 21/2
N 46° W 21/2
N 50° W >
N 49° W 2
N 48° W 11/4
[48° W A
N 50° W 8/4
N 59° W 1%
Sehr schwach und unregel-
mäfsig, von SO umlaufend
äiber Nord nach WzN
40°W | 2/5
Lieutenant und Commander H. Gedge bemerkt zu Tabelle 2, dafs die
dort gegebenen Zahlen für die Stromstärke nicht genau stimmen, sondern zu
gering sind, und daß bei Geschwindigkeiten von etwa 2 Sm die wirkliche Strom-
stärke mindestens !/s bis %/ Knoten mehr beträgt. Es wurde nämlich festgestellt,
dafs das Stromlog durch das Kielwasser des Schiffes wesentlich beeinflußt wurde.
Man warf an jeder Schiffsseite so weit als möglich querab ein Holzscheit und
gleichzeitig eins recht achteraus über Bord, welches schnell von den beiden im
freien Strom schwimmenden überholt wurde, aber mit dem Stromlog gleichen
Schritt hielt,
Beim Ein- und Auslaufen in den Hafen von Perim wurde beobachtet, dafs,
während der Gezeitenstrom in der Straße stark nach Norden setzte, in etwa
3/4 Sm Abstand von der Insel ein stärkerer Neerstrom nach Süden lief,
Die Grenzlinie dieser beiden Strömungen markirte sich sehr scharf, „Stork“
nahm trotz der im Neerstrom herrschenden unangenehmen durcheinander laufenden
See den Vortheil, den dieser beim Einlaufen bot, wahr, da das Schiff kaum gegen
den starken Wind und die Tide weiter draufsen andampfen konnte, obwohl dort
die See viel ruhiger war. Beim Einlaufen am 23, Januar war die Geschwindigkeit
des Neerstromes unter Land nach Schätzung mindestens 3 Sm in der Stunde. —
Diese Erfahrung verdient in der Zeit des Nordostmonsuns Beachtung.
Nach Tabelle 1 und 2 setzte die Oberflächenströmung mit etwa 1,4 Sın stünd-
licher Geschwindigkeit, die Strömung in 9m (5 Faden) Tiefe mit nahezu 2 Sm
in der Stunde; nach den Untersuchungen des Lieutenants und Commanders
H, J. Gedge läuft die Oberflächenströmung mindestens !/a bis %/4 Sm stärker, als
das Log ergab, also mit mindestens 2 Sm in der Stunde. Die Angabe des „Red
Sea and Gulf of Aden Pilot“, 1892 — B. IX, 3 —, Seite 35, wonach man während
der Stärke des Nordostmonsuns in der grofßsen Strafe von Bab-el-Mandeb einen
mit 40 Sm täglich in’ das Rothe Meer hineinsetzenden Strom erwarten kaun,
findet also nicht nur volle Bestätigung, sondern die zu erwartende Stromversetzung
beträgt nahezu 50 Sm in 24 Stunden. ;
Sehr lehrreich für die Untersuchung der Geschwindigkeit von Oberflächen-
strömungen ist die Erfahrung des Lieutenants Gedge, dafs die Stromstärke sich
durch Loggen im Kielwasser des verankerten Schiffes nicht in ihrem richtigen
Werth feststellen läfst, so dafs das Regelingslog, wenn anwendbar, genauere Er-
gebnisse liefern wird, ; M.
Ann, d, Hydr. etc., 18598, Heft XI