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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1898.
Inzwischen bot der Tiefsee-Strommesser, ') der ursprünglich von Lieutenant
Pilsbury der Vereinigten Staaten - Flotte erfunden und von Kapt. Usborne
Moore auf Grund einer Reihe von Versuchen im Englischen und Far Oer-Kanal
wesentlich geändert war, eine neue Möglichkeit des Erfolges.
Der Kommandant I. B. M. Vermessungsschiffes „Stork“, Lieutenant und
Commander Gedge, wurde daher beauftragt, mit diesem neuen Instrument Beob-
achtungen in der Strafse von Bab-el-Mandeb anzustellen, welche er bewunderns-
werth und höchst erfolgreich durchführte.
Der „Stork“ wurde am 19. Januar 1898 etwa 7Sm SWzW von der Insel Perim
in 216 m (118 Faden) verankert und blieb hier vier Tage liegen, bis ihn der Bruch
des Kabels zwang, die tagsüber unausgesetzt angestellten Beobachtungen abzubrechen.
Wäre der Wind nicht so leicht, Stärke 3 bis 6, gewesen, so würden wahrscheinlich
die Beobachtungen nicht einmal so lange haben fortgesetzt werden können.
Das Ergebnifs der Beobachtungen ist kurz zusammengefafst folgendes:
Ein ständiger Oberflächenstrom setzte in das Rothe Meer hinein mit einer
stündlichen Geschwindigkeit von etwa 1'/2 Sm.
In 192 m (105 Faden) Tiefe lief ein ständiger Strom mit etwa gleicher
Geschwindigkeit aus.
Der Gezeitenstrom hatte etwa 1!/4 Sm gröfste stündliche Geschwindigkeit
und lief nach jeder Richtung ungefähr 12 Stunden, wie sich dies nicht anders
erwarten liefs, in einer Gegend mit eintägigen Tiden. Dieser Gezeitenstrom
herrscht mit wechselnder Geschwindigkeit bis zum Meeresboden vor.
In einer Tiefe von ungefähr 137 m (75 Faden) liegt die Grenzlinie zwischen
den beiden ständigen Gegenströmen; zur genaueren Feststellung dieser Linie würde
eine längere Beobachtungsreihe erforderlich sein.
Soweit die Ausführungen Sir William Whartons; der angefügte Bericht des
Lieutenants und Commanders H. J. Gedge führt aus, dafs I. B. M. Schiff „Stork“ in
216 m (118 Faden) Wasser mit einem 300 kg schweren Stromanker verankert wurde,
an dem zunächst 6 Längen Stromankerkette von 19 mm (%/4”), dann eine 201 m
(110 Faden) lange, 6,3 cm (2!/2”) starke Stahldrahttrofs und schließlich 6 Längen
der Bugankerkette befestigt waren. Das Schiff lag auf 12° 34%/4' N-Br. und
43° 17%4' O-Lg., nachdem es vor dem Anker aufgedreht war, wurden am Heck 201 m
(110 Faden) Wasser gelothet. Die Beobachtungen waren erfolgreich, ohne dafs
Verluste von Drähten oder Beschädigungen des Pilsbury-Strommessers vorkamen.
Gleichzeitig wurden auch mittelst einer an Bord hergestellten Schöpfflasche
Wasserproben in Tiefen von 10 zu 10 Faden bis 100 Faden entnommen und ihr
specifisches Gewicht festgestellt; die Wassertemperaturen in gleichen Tiefen wurden
miteinem gewöhnlichen Tiefseethermometer gemessen, dessen Korrektion bekannt war.
Die Wasserproben aus Tiefen von 45 bis 183 m (25 bis 100 Faden) zeigten
eine goldgelbe Farbe, während das Oberflächenwasser vollständig farblos war.
Tabelle 1.
Ergebnifs der Beobachtungen I. B. M. Vermessungsschiff „Stork“ im Januar 1898
über die Gezeitenerscheinungen in der grofsen Strafse von Bab-el-Mandeb.
Stunde der
Tide
bei Perim
Hochwasser
Ih nach H. W
2b
33h,
ha
ah
-h
sh
9h
LO
Im
i2h
ah,
An der
Oberfläche
Ge-
+ ‚schwin-
| Richtung 'digkei t
Sm
NW1W
NW1/2W
NW
NW1/2W
NW
NW
NW1/2W
NW1/2W
WNW |
WNW
NNW
7
NW
NW-ZR
21/4
28/4
73/4
09
» ‘4
4
Ed
In Im
(5 Faden)
, Ge-
| Richtung Thrben)
Sm
NWZW
NSW
NW
NWzZN
NWYN
NzW
NW1/2N
NW
8W1/2W
WNW
SE
74
31/a
3
9
;
A
In 44 m
(25 Faden)
In 91m ]
(50 Faden)
In 137m
(75 Faden)
In 192 m
(105 Faden)
Ge- ; Ge- | Ge- | Ge-
x schwin-| pn. schwin-|m.. schwin-| : ‚schwin-
Richtung digkeit Richtung |; win] Richtung digkeit Richtung | ai okeit
g 8 | g 5
Sm I! Sm Sm Sm
NW
NW /
NNW1AW! 2
NW3LW 1
NNW
Stillwasser
DzN
so |
NWzN | &
Stillwasser
Szo
NWZW
NWzN |
NW |
NNO
DzS
W
Ss
381
LM
1! 5
14
123
19
U
Veränderlich
NNW |
NO
NzO1/20
SSo
S0zo |
So
3801/20
A788
LE
1
3/4
28
Ul/z
Ih
Di
SzW /
SzW |
S
S0148S |
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ıhe „Annalen der Hydrusranhie und Maritimen Metearalocrie*. 1897. Seite 396