304 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1898.
gerathen, den Aequator im März und April in 27° bis 26° W-Lg — in der öst-
licheren Länge in dem späteren Monat — und 10° S-Br nicht westlicher als in
31° W-Lg zu schneiden. Die Ueberzeugung, dafs es möglich ist, den angegebenen
Schnittpunkt der Linie auf der vorher empfohlenen Route ohne Schwierigkeit zu
erreichen, gründet sich auf eine Untersuchung von 352 Reisen deutscher Segel-
schiffe, in welcher für jeden Monat festgestellt wurde, um wie viele Längengrade
die südwärts bestimmten Schiffe zwischen dem Parallel von 5° Nord und der
Linie, sowie ferner zwischen der Linie und 5° S-Br durch den Südostpassat und
die Strömung im Mittel und in äußersten Fällen nach Westen gedrängt worden
waren. Der Betrag ergab sich für die Schiffe, welche die Linie überschritten,
im Monat
März zu . .
April zu .
Im Mittel Aller zwischen
5° N-Br und |! 0%°und | 5° N-Br und
0° Br 5° S-Br 5° S-Br
0° 20 W
09° 00: W
1° 49 W
92° 17 W
2° 09 W
99 176 W
Im Mittel derjenigen 200% der
Schiffe, die am weitesten nach
Lee gedrängt wurden, zwischen
5° N-Br und | 0° und
0° Br 5° S-Br
1° 39‘ W
0° 34' W
|
2° 52 W
30 31! W
Daraus wurde weiter gefolgert, dafs ein Schiff, um auch bei ungewöhnlich
schralem Winde anf einem Bug 30 Sm östlich von Fernando Naronha passiren
zu können, 5° N-Br im März und April nicht westlicher als in 28° 40‘ W-Lg und
die Linie im März nicht westlicher als in 29° 10‘, im April nicht westlicher als
in 28° 40‘ W-Lg schneiden müsse. Bei mittleren Verhältnissen sollte im März
und April noch ein Schnittpunkt der Linie in 31° W-Lg ein Schiff, ohne dafs es
zu wenden brauchte, 30 Sm frei von Kap St. Augustin führen.
Ein kürzlich vorgekommener Fall zeigt, dafs die hier abgeleiteten Vor-
aussetzungen doch nicht immer zutreffen, und dafß es, wenigstens im April, vor-
sichtiger gehandelt ist, wenn man der Möglichkeit, im Süden der Linie auf einen
westlicheren Kurs gedrängt zu werden, Rechnung trägt und schon auf nördlicher
Breite durch zweckmäfsige Malsregeln dafür sorgt, dafs der empfohlene Schnitt-
punkt der Linie in 26° W-Lg eingehalten wird.
Die Bark „Marco Polo“, Kapt. P. Schönwandt, passirte auf ihrer Reise
von Licata, Sieilien, mit Schwefelladung nach San Francisco, Californien, am
15. März 1898 die Straße von Gibraltar. Sie hatte den Wind frisch aus Ost bis
ONO und setzte damit ihren Kurs nach der Westseite der Kap Verden, wurde
aber durch veränderliche Winde aus West und SW, die nach zweitägiger Stille
und Mallung in 25° N-Br einsetzten und bis 19° N-Br anhielten, von ihrer Route
ab und nach der Ostseite der Inseln gedrängt. Von diesen aus steuerte die Bark
mit dem in 18,5° N-Br wieder einsetzenden nordöstlichen Winde, der Segel-
anweisung folgend, nach 5° N-Br und 26° W-Lg. Sie schnitt diesen Parallel
sogar noch etwas östlicher, in 25,8° W-Lg und den von 3° N-Br, bis zu welchem
der zuletzt leicht und unbeständig wehende Nordostpassat anhielt, noch etwas
östlicher, in 25,2° W-Lg. „Marco Polo“ erreichte 3° N-Br am 5. April. Trotz
ihrer östlichen Stellung wurde die Bark doch noch nach einem zu westlichen
Schnittpunkte der Linie geführt. Der Südostpassat, der — ungewöhnlich für die
Jahreszeit — schon in 3° N-Br einsetzte, hatte fortwährend eine so südliche
Sz0- bis SSO - Richtung, daß der Kurs immer westlich von Südwest ging und
bis zur Linie mit den drei Breitengraden 3,3° Länge gemacht wurden. Als die
Bark zwei Tage später, am 7. April. den Aequator überschritt, war ihre Länge
28,5° West.
Für April war dieser Schnittpunkt auch noch keinenfalls sehr westlich;
aber da der Wind anhaltend aus hoch südlicher Richtung blieb, wurde „Marco
Polo“ so weit nach Westen gedrängt, dafs er der Küste von Brasilien zu nahe
kam und, um diese zu klaren, für sechs Wachen auf St. B.-Halsen segeln mußte.
Statt im Mittel 2,3° W-Lg, war in diesem Falle zwischen 5° N-Br und 5° S-Br
7,8° W-Lg gemacht worden, und zwar von 5° bis 0° Breite 3,3° und von 0° bis
5° S-Br. 4,5° W-Lg. Zu der durch das Kreuzen verursachten Verzögerung kam
dann auch noch ein dreitägiger Aufenthalt durch Windstille und Mallung im
Süden von Fernando Noronha, welche Insel die Bark am 10. April in Sichtnähe