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Full text: 26, 1898

502 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1898. 
Aenderung der Richtung des Windes, und für Fischerflotten, die sich für längere 
Zeit von der Küste entfernen, zeitweilige Verbindung mit dieser. Es darf auch 
nicht vergessen werden, dafs die Fortpflanzung solcher Erscheinungen in sehr 
mannigfaltiger Weise und keineswegs immer so stetig, wie in diesem Falle, ge- 
schieht, dafs daher in nicht wenigen Fällen die Vorsicht sich als unnöthig er- 
weisen wird. Die Unvollkommenheiten der menschlichen Natur werden sich ge- 
rade bei solchen gelegentlichen Nachrichten, wo keine Gewöhnung stützend ein- 
greift, bei Absendern wie bei Empfängern derselben besonders störend bemerkbar 
machen und das best-ersonnene System lahm legen. 
Eine sehr beachtenswerthe Warnung wurde in Memel selbst schon seit 
dem Morgen gut beobachtet. Der Beobachter meldete nämlich, wie aus dem 
Wetterbericht der Seewarte zu sehen ist, sowohl von 8°a als von 2"p Zug der 
oberen Wolken (Cir-str) aus NNW bezw. NW. Eine solche Bewegung der 
hohen Federwolken aus NW über einem südlichen Unterwinde ist ein charakte- 
ristisches Kennzeichen dafür, dafs man sich auf der Vorderseite eines fort- 
schreitenden Gebietes niedrigen Druckes befindet, das bald eine Verschlechterung 
des Wetters und westliche Winde herbeiführen dürfte. Die Seewarte hat 
wiederholt diese Thatsache betont. So z. B. in ihrem Beitrag zu dem vom 
Reichs - Marine - Amt herausgegebenen „Segel- Handbuch für die Ostsee“, wo 
es auf Seite 6 heifßst: „Bei Annäherung der Depression geht der Wind ... nach 
Südost um und dreht unter Auffrischen nach Süd, später nach Südwest. Bald 
darauf erscheinen im Westen langgestreckte Fäden, Cirrusstreifen (Federwolken) 
HH 
60, 
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760 
20. September 1898 8 Uhr morgens. 
oder ein zarter Cirrusschleier, welcher langsam zum Zenit heraufzieht. Das sind 
die Vorboten des schlechten Wetters, welches im Westen bereits zur Herrschaft 
zelangt ist, und die mehr oder weniger massenhafte Entwickelung und die 
Geschwindigkeit dieser Wolkenform deutet in der Regel schon auf die geringere 
oder gröfsere Intensität der herannahenden Depression. Die oberen Wolken 
haben in diesem Falle (auf der Vorderseite) nicht die Zugrichtung wie der 
Unterwind, sondern beide Richtungen kreuzen sich... fast unter einem rechten 
Winkel.“ Dafs also der leichte Südwind, bei dem die Fischer ausliefen, keinen 
Bestand haben würde, sondern von westlichen Winden und schlechterem Wetter 
gefolgt sein werde, war nach den Erscheinungen am Orte selbst wahrscheinlich. 
Wie stark aber diese westlichen Winde und wie „schlecht“ dieses Wetter
	        
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