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Full text: 26, 1898

Sturm in der Nacht vom 19. zum 20. September d. J. an der ostpreufsischen Küste. 501 
bisherigen allgemeinen Normen der Seewarte zu behandeln seien, ob nicht der 
Ball, der in diesem Falle mit einer Flagge zu verbinden wäre, als Zeichen allein 
für die Fischerei und Küstenschiffahrt zu bezeichnen sei. Denn die grofse 
Schiffahrt zu warnen, wenn man vermuthen muß, dafs die Windstärke kaum 
über 7 steigt, ist entschieden unzweckmäflsig. 
Ferner kann dieser Fall Veranlassung geben, öfter als bisher in Fällen 
wie der vorliegende in das Hafentelegramm eine Andeutung über das bevor- 
stehende Wetter aufzunehmen, wenn auch unter Umständen der Telegraph da- 
durch um einige Worte mehr belastet wird; im vorliegenden Falle z. B. in der 
Form: „westdeutsche Küste böige westliche bis nordwestliche Winde, deren Fort- 
pflanzung nach Osten zu erwarten ist, wo noch leichte südöstliche herrschen.“ 
Es ist dann .den Fischern solcher Orte, wie Memel, wo diese Telegramme täglich 
hinkommen, leichter gemacht, . diese . Warnung aus dem Hafentelegramm heraus- 
zulesen, falls sie mit der Abfahrt bis zu dessen Einlauf warten wollen. Daß 
dieser Einlauf erst am Nachmittage stattfindet, ist eine bedauerliche Folge der 
ganzen ungünstigen Lage der Wettertelegraphie in Europa. 
Da der Nordwestwind in Pillau volle 10 Stunden früher eintrat und dort 
sowie auf Brüsterort 8 bis 9 Stunden früher zu heftigen Böen anwuchs als in 
Memel, so hätte eine direkte Warnung von Signalstelle zu Signalstelle und eine 
Weitergabe der Signale an die Betheiligten durch semaphorische oder sonstige 
Signale in diesem Falle Unheil verhüten können, vorausgesetzt, dafs diese Be- 
theiligten erreichbar waren. 
T—m 
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19. September 1898 8 Uhr abends. 
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752. 
Diesen direkten Depeschenaustausch hat die Seewarte an einigen Stellen 
schon vorgefunden, auch in ihr Programm von vornherein aufgenommen und weiter 
entwickelt. Nähere Angaben darüber findet man in diesen Annalen, im Februar- 
heft dieses Jahres, auf Seite 68. Zur Zeit empfangen Neufahrwasser, Hela, 
Kolberg, Swinemünde, Cuxhaven, Hoheweg-Leuchtthurm, Bremen und Wilhelms- 
haven solche Depeschen von benachbarten Stationen, und zwar Cuxhaven, Hohe- 
weg-Leuchtthurm und Hela jetzt dreimal am Tage, die übrigen Orte einmal. Für 
Memel würden wohl Brüsterort und Pillau in Betracht kommen. Im vorliegenden 
Falle hätte die Einrichtung allerdings erst von Bedeutung werden können, wenn 
die ferneren, a. a. O. angedeuteten Erweiterungen derselben durchgeführt gewesen 
wären, nämlich Extratelegramme beim Eintritt steifen Windes oder bei rascher
	        
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