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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

196 . Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1898, 
Nordkurs durchsegelt wurde, Die letzten 20° bis zur Linie legte „Potosi“ in 
Dur fünf Tagen zurück. Sie überschritt den Aequator in 282° W-Lg am 
29. September. Mit ihrer Fahrt von 19 Tagen von Kap Horn nach der Linie 
hatte sie das Beste geleistet, was in den Journalen der Seewarte aufgeführt ist.') 
Auf dem letzten, nördlich der Linie gelegenen Wegesabschnitt ging es 
zunächst nur langsam voran. Der Südostpassat wurde bald flau, es folgte sehr 
wenig Südwestmonsun, dagegen viel Stille und Mallung, und in Folge dessen 
nahm die nur 720 Sm lange Strecke bis 12° N-Br und 27° W-Lg, wo der Nord- 
ostpassat einsetzte, volle 8 Tage in Anspruch. Der Passat, der bis 30° N-Br 
und 38° W-Lg anhielt, gab bessere Fahrt, die das Schiff schon am 14. Oktober 
in nur 7 Tagen nach dem erwähnten Orte brachte. „Potosi“ traf es auch 
weiter insofern nicht ungünstig, als sie bald, nachdem sie die polare Passat- 
grenze überschritten, südwestlichen Wind erhielt, mit dem zunächst, um den 
Abstand vom Maximum des Hochdruckgebiets zu vergröfsern, ein gut nördlicher 
Kurs gesteuert wurde, doch blieb der Wind mehrere Tage sehr flau, und auch 
der folgende nordwestliche Wind, mit dem man von ungefähr 39° N-Br und 33,5° 
W-Lg einen östlicheren Kurs hielt, hatte meistens nicht die gewünschte Stärke, 
Immerhin konnte „Potosi“ mit von Neuem einsetzenden südwestlichen Winde 
Lizard am 27, Oktober erreichen und damit die nordatlantische Strecke in der 
für die Jahreszeit noch ziemlich kurzen Zeit von 28 Tagen zurücklegen. Die 
Fahrt war immer noch 8,7 Tage kürzer, als das Mittel ergiebt. 
Auf der ganzen Reise von Caleta Buena nach Lizard, die „Potosi“ in 70 Tagen 
machte, hatte der Fünfmaster, wie schon erwähnt, 32 Tage gegen das Mittel gewonnen. 
Ueber den Sturm in der Nacht vom 19. zum 20. September d. J. 
an der ostpreufsischen Küste. 
In der Nacht vom 19. zum 20. September d. J. hat ein plötzlich aus- 
brechender Sturm bei Memel einer Anzahl von Fischern das Leben gekostet. 
Es handelt sich dabei um einen sehr typischen „Ausschießer“, der seit 
dem Abend des 18. stetig längs der deutschen Küste von Westen her fort- 
geschritten war, ohne erhebliche Stärke zu erreichen, nun aber seinen Charakter 
änderte, stürmische Kraft erhielt und in eine, wenn auch ziemlich unklare, Ver- 
bindung mit einem in Ausfüllung begriffenen Wirbel über Russland trat. 
Die folgende Tabelle zeigt das allmähliche Fortschreiten dieses Ausschießers 
deutlich, Von Hamburg bis Pillau trat er in derselben Form des Ersatzes schwacher 
südlicher — Südost- bis Südsüdwest- — Winde durch auffrischende Winde aus 
West und NW auf, *) die ihre gröfste Stärke in Hamburg 13, in Kiel und Wustrow 
12, in Swinemünde 11 und in Pillau 9 Stunden nach ihrem Eintreten erlangten. 
Ihr erstes Eintreten aber pflanzte sich mit einer Geschwindigkeit fort, die von 
Hamburg bis Swinemünde etwa 37 km, von da bis Memel etwa 26 km in der Stunde 
betrug, weniger, als bei solchen Randerscheinungen von Cyklonen die Regel ist. 
Windrichtung und stündliche Mittel der Windgeschwindigkeit der vorhergehenden 
Stunde am 18. bis 20. September 1898, 
unkorrigirt (dreifache Schalengeschwindigkeit} 
En 
Datum nael 
Borkum 
Keitum 
Hamburce 
Kiel 
a 
Wustrow 
Pillan 
Memel 
180ORQ 
Swine- 
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1) Die kürzeste Fahrt auf dieser Strecke auf früheren Reisen war 20 Tage im August. Die 
mittlere Dauer im September ist 34,8 Tage. 
2) Von den Signalstellen meldet den genauen Zeitpunkt dieses Umspringens nur Stralsund 
mit 51/gb a, was sich gut zwischen die Anemometer-Aufzeichnungen von Wustrow und Swinemünde 
(vgl. Tabelle) einordnet.
	        
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