Dinklager: Reise.der „Potosi“ nach der Westküste Südamerikas. . 495
nach Nordost wieder fortgesetzt werden konnte... Eine lebhafte Schilderung der
Situation, in welche „Potosi“ durch das Wetter verseizt wurde, giebt der
Kapitän in seinem Journale. Er schreibt: „Sept. 17 (auf 39,0° S-Br und 34,9°
W-Lg) nachmittags schnell zunehmender Wind aus Nordost, erst langsam, dann
schneller raumend. Um 2 Uhr kommt dicke Luft auf mit Regen, worauf der
Wind schnell nach NNW .holt. Um 31% Uhr kKklart es auf von Nordwesten,
nachher steife Böen von Stärke 8 bis 9 aus NWzN. Nachts Sturm aus NW
mit harten Böen, Luft zeitweilig klar, aber dunstig, die See nimmt zu. Nach
Mitternacht schnell zum schweren Sturme — NWzW 10 bis 11 — anwachsend,
mit orkanartigen Böen und‘ sehr hoher See, Um Mitternacht legten wir, nach-
dem wir bis dahin NO gesteuert hatten, das Schiff an den Wind, da. es mehr
unter als über dem Wasser. war. Das Wetter wird immer toller. Wind NWzW 11,
Vier Marssegel, vier Stagsegel und der Besan sind schon zerrissen und zum
Theil! fortgeflogen, die Besangaffel ist zerbrochen; acht Leute der‘ Mannschaft
sind beschädigt, viele haben Angst. Das Schiff arbeitet in unheimlicher Weise,
and das Wasser fliegt bis an die Marsraaen. Dabei fällt das Barometer noch
immer, aber es stehen nur noch vier Segel auf dem Schiffe, und so ganz schlimm
kann es nicht mehr werden. Um 11 Uhr vorgnittags kommt das Barometer zum
Stehen (Stand ungefähr 744 mm red.) und beginnt bald darauf zu. :steigen. Um
Mittag (Position 36,7° S-Br und 33,5° W-Lg) nehmen Sturm und Scegang ab,
um 1] Uhr nachmittags holt der Wind nach .SW 10 bis 9. Um 2 Uhr hielten
ab und steuerten Kurs. — Der überstandene Sturm war sehr heftig und machte
sich uns und dem Schiffe sehr fühlbar. Ich erwartete wohl Sturm, doch als der
Wind nach Nordwest holte, sah die Luft gar nicht so drohend aus. Die schon
erreichte verhältnifsmäfsig niedrige Breite und unsere schnelle Fahrt nach. Nord-
ost‘ liefen ‘mich ein baldiges Entfernen vom Minimum erwarten, döch als das
Barometer kurz vor Mitternacht wieder zu fallen begann, wurde mir die Sache
bedenklich. Auch konnte die „Potosi“ unter dem Segeldruck sich nicht mehr
vor dem Wasser bergen.‘ Ich ließ deshalb Segel einnehmen und das ‚Schiff bei-
drehen, Das schnelle Zunehmen des Sturmes, die fürchterlichen Böen und die
sich hoch aufthürmende See, in der das Schiff so zu sagen begraben wurde,
erschwerten die Arbeit dermafsen, dafs schliefslich die meisten Segel zerrissen.
Da nun aufserdem acht Leute zu Schaden gekommen waren und wohl alle eine
Masse Seewasser geschluckt hatten, wurde vielen die Sache unheimlich, und
dies war auch eigentlich nicht zu verwundern, denn die Seen brachen fort-
während glatt über das Schiff hinweg. Es wurde Oel gebraucht; ich bin für
dessen Verwendung sonst nicht sehr eingenommen, mufs aber gestehen, dafs die
Wirkung desselben, als wir nur wenig Fahrt machten, nicht zu verkennen war.
Es waren stramme 24 Stunden, welche die eine Wache gänzlich, die andere
20 Stunden lang auf Deck und im Topp durchzuarbeiten hatten, und doch sieht
die „Potosi“ auch jetzt, nun das Unwetter vorüber, noch recht flügellahm aus.
Um.8 Uhr abends noch (am 18. September), als wir schon sechs Stunden lang
inseren Kurs wieder‘ verfolgt haben, stehen die Segel darauf, als wenn sie
yesichtet wären. Im Vortopp steht nur die Fock ‚und diese hat auch noch ein
Loch, im Grofstopp stehen drei, im Mitteltopp sogar vier Segel, d.h. nicht in
einer Reihenfolge übereinander, sondern mit Unterbrechungen; der Kreuztopp
mufs sich mit uur einem Segel begnügen. Wenn nur erst das laufende Gut
alles wieder zu Platze gebracht ist, kann das Anschlagen anderer Segel beginnen,
und dann wird wohl Alles wieder einigermafßsen in Ordnung kommen. . Mehr
Stürme von dieser Sorte werden wir ja wohl nicht bekommen.“ Kapt. Hilgen-
dorf behielt in seiner Muthmafsung, dafs so schlechtes Wetter auf der Reise
nicht mehr vorkommen würde, Recht. Die weitere Fahrt wurde auch noch in-
sofern vom Glück begünstigt, als die hartnäckigen nördlichen Winde, welche
zwischen 30° und 20° S-Br den Schiffen so oft langen Aufenthalt bereiten, aus-
blieben, vielmehr nach dem Vorübergange des Sturmes südliche Winde eintraten,
erst aus Südost, dann aus Südwest und darauf wieder aus Südost, die das Schiff
ohne Weiteres in das Südostpassatgebiet hinein geleiteten. „Potosi“ kam auch
auf dieser Strecke oft auf 9 bis 10 und zeitweilig selbst auf 11 bis 12 Knoten
Fahrt; verhältnifsmäfsig noch rascher durcheilte sie jedoch den Gürtel des stetig
frischen :Südostpassats, dessen Südgrenze am 23. September auf 23° S-Br und
26.5° W-Lg überschritten und der dann mit dem Winde raum von hinten auf