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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1898
Nachträge zur Segelanweisung für den Hafen von Lissabon
(Heft IV 1898 dieser Annalen).
Nach dem Fragebogen-Bericht des Kaiserlich dentschen General-Konsuls Daehnhardt. Juni 1598.
Deckblätter zum Einkleben an den betreffenden Seiten Heft IV 1898 sind
diesem Hefte beigefügt.
Beitrag zum Bericht über den Oststurm in der Nordsee vom
15. bis zum 20. Oktober 1898.
Von dem schweren anhaltenden Oststurm, welcher in der zweiten Hälfte des
Oktober d. J. den Kanal und die Nordsee heimsuchte und viele Schiffe, besonders
an der Küste von Schottland und Nordengland, zum Uniergang oder zu Schaden
brachte, wurde auch das Vollschiff „Roland“, Kapt. F. Kammrad, betroffen,
dessen kürzlich eingegangenes Journal einige hier wiederzugebende Mittheilungen
von Interesse über jenen Sturm enthält. Nach den täglichen Wetterberichten
erschien die barometrische Depression, mit der der Oststurm einsetzte, am
15. Oktober südlich von Irland und bewegte sich dann ganz langsam nordost-
und nordwärts, wobei sie am 18. und 19. über England lagerte. Vom letzteren
Tage an zog sie rascher nach Nordnordwest, Der „Roland“ befand sich zur
Zeit auf der Reise von New Orleans nach Bremen. Das Schiff war am 11. Ok-
tober mit frischem Nordwinde in den Kanal gekommen und hatte am 12. Oktober
vormittags bei leichter gewordener nördlicher Briese und diesiger Luft St. Catha-
rine’s-Spitze passirt. Mit dem folgenden südöstlichen Winde gelangte es durch
die Strafse von Dover und die Hoofden glücklicherweise so weit, dafs es bei
dem nun beginnenden schweren Oststurm Raum genug hatte, um auf St. B.-Halsen
klar von der Ostküste Englands und den vorliegenden Bänken nach Norden
treiben zu können. Und es trieb ungewöhnlich weit, so weit, wie es wohl noch
sehr selten vorgekommen ist. Als endlich am 22. Oktober der Sturm, der sich
allmählich nach Südost und Südsüdost gedreht hatte, mit seinem dicken Regen-
wetter, das jede astronomische Beobachtung unmöglich machte, zu Ende gekommen
und frischer westlicher Wind mit hellem Sonnenschein eingetreten war, fand
man sich auf 59° 07‘ N-Br und 2° 20‘ O-Lg, am nördlichsten Ende der Nordsee,
auf der Breite der Orkney-Inseln. Die Loggerechnung ergab für dieselbe Zeit
58° 16’ N-Br und 5° 08‘ O-Lg; aufßser der gerechneten Trift hatte „Roland“ also
seit dem 15. Oktober, dem Tage der letzten Besteckkontrole, eine Versetzung
nach N 60° W von 101 Sm gehabt. Das Schiff hatte dann noch drei Tage mit
günstigem Winde zu segeln, ehe es am Nachmittage des 26. Oktober nach der
Weser gelangte. Von einem zweiten Schiffe, „Ben Voirlich“, welches, durch den
Kanal kommend und nach Hamburg bestimmt, ebenfalls durch den Sturm aus
Ost und Südost weit nach Norden vertrieben wurde und in Bergen, Norwegen,
Schutz suchend einlief, ist das Journal noch nicht eingegangen. Uebrigens be-
richten die Zeitungen über verschiedene Fälle solcher weiten Vertreibungen durch
den anhaltenden Sturm.
In den folgenden Notirungen von Kapt. Kammrad gelten die Ortsangaben
und die Barometerstände, wenn nicht anders bemerkt, für 8 Uhr morgens.
Datum
1898
Oktober 13
N-Br |! O-Lg
Varne-Feuer-
'schiffin0S01 40
la, K., 6 Sm Abst,
1529381 13° 16
54° 00° 4° 29'
54° 838 4°32'
14
‘5
(6
Bar.
mm
750,0
759,5
740 4}
745,0
Bemerkungen
Leichte umspringende Briese, zu Zeiten Nebel.
Frische Südostbriese, etwas schauerig, hohe nordöstliche See,
Zunehmender stürmischer Ostwind mit starken Böcn, dicht be-
wülkt, diesige Luft,
Harter Sturm aus Ost bis EzS, anhaltender Staubregen, hohe
wilde See.