0 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 18598.
besteht hier also eine Wechselbeziehung, indem der Seewind die Regenarmuth
und damit die Hitze des Landes veranlalst.....“ In dem Wüstengürtel, der
zwischen dem Gebirge und dem Meere liegt, giebt es zwar des Nachts starken
Thau, aber dieser verdunstet nach Sonnenaufgang schnell wieder im sengeunden
Sonnenschein.
Im Weiteren bespricht Herr Gessert die Möglichkeit, durch grof[sartige
Bewässerungsanlagen nicht nur die Kultur Südwestafrikas zu heben, sondern sogar
sein Klima zu verändern. Er glaubt, daß sich durch Ablenkung des Oranje-
fAAusses und des Kunene der Seewind abschwächen und der Regenreichthum des
Landes heben lasse, scheint aber dabei die Wirkung dessen, was durch Menschenhand
erreichbar ist, weit zu überschätzen — selbst in Ländern mit hoher Kultur, ge-
schweige denn in Südafrika. Denn das Klima wird von den grofsen Zügen der
Erdoberfläche beherrscht und durch lokale Wasseransammlungen nur sehr wenig
beeinflufst. So grofse Wasserflächen, wie das Kaspische Meer und der Victoria
Nyanza, wirken wohl hier und da als Regenlieferer für ihre Nachbarschaft, doch
auch das nur auf ihrer Leeseite und wenn Gebirge da sind; die Ostküste des
Kaspischen Meeres und die ganzen Umgebungen des Aralsees sind öde Wüsten.
Und der Temperaturgegensatz zwischen dem Innern von Afrika und der kalten
Meeresströmung im Westen würde auch durch die gröfsten Kulturen in Busch-
mannland und Amboland kaum merklich beeinflufst werden. Wo, wie in Persien
— und auch in Südrussland — starke Winde die Kultur erschweren, wirkt
freilich eine Anpflanzung als Schutz für die andere, die mittlere Windstärke wird
mit steigender Kultur für die unterste Luftschicht, aber nur bis zur Höhe von
wenigen Metern, verringert und manche neue Kultur dadurch möglich gemacht
werden, ohne doch die grofsen Phänomene der Lufteirkulation irgend merklich zu
ändern.
Aus der oben mitgetheilten Beschreibung geht hervor, dafs der Südwest-
wind in Südwestafrika in seinem Auftreten auffallend mit dem Sommer-Pampero
Argentiniens und dem „southerly burster‘“ des südöstlichen Australiens überein-
stimmt und durch eine „bogenförmige Böe“ eingeleitet wird; man vergleiche
hierzu das Segelhandbuch vom Stillen Ocean, S. 87.
Darwins Theorie der Korallenbauten.
Von WıLLI ULE.
Als Charles Darwin auf seiner bekannten Reise um die Erde die zahl-
reichen Koralleninseln der Südsee kennen lernte, schilderte er in seinem Tage-
buch den Eindruck, welchen diese Werke organischer Lebewesen auf ihn machten,
mit folgenden seine hohe Auffassung von der Grofsartigkeit der Natur kenn-
zeichnenden Worten: „Wir sind erstaunt, wenn Reisende uns von den gewaltigen
Gröfsenverhältnissen der Pyramiden und anderer grofser Ruinen erzählen, aber
wie vollkommen geringfügig sind die gröfsten derselben, wenn wir sie mit diesen
Bergen aus Stein vergleichen, die durch die Thätigkeit verschiedener winziger
und zarter Thiere angehäuft worden sind! Dies ist ein Wunder, das nicht auf
den ersten Blick das körperliche Auge, sondern, nachdem wir darüber nach-
gedacht, das geistige ergreift.“
Charles Darwin hat ernstlich und eingehend darüber nachgedacht und
hat auf Grund seiner Wahrnehmungen an Ort und Stelle und auf Grund logisch
richtiger Folgerungen eine Theorie über die Wunderbauten der Korallen erdacht,
die zwar von anderen Naturforschern vielfach angegriffen ist, aber nach den
Ergebnissen neuerer Untersuchungen doch als die allein richtige sich zu er-
weisen scheint.
Darwins Theorie ging von der allerdings damals noch nicht erwiesenen,
sondern nur vermutheten T’hatsache aus, dafs jene steil aus dem Meeresboden
aufragenden Inseln und Riffe ganz aus Korallen aufgebaut seien. Da nun aber
4) Mit gütiger Erlaubnifs der Redaktion und des Herrn Verfassers aus „Die Natur*, heraus
gegeben von Professor Dr. Willi Ule, No. 52 vom 26. Dezember 1897 entnommen. D, R.