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Full text: 26, 1898

Der Seewind in Deutsch-Südwestafrika, 
Der Seewind in Deutsch-Südwestafrika. 
Wir entnehmen einem Aufsatze von Herrn Ferd. Gessert in Inakhab, 
der im „Globus“ vom 20. November d. J. erschienen ist, die folgende lehrreiche 
Schilderung des täglichen Auftretens der Seewinde im Namalande, besonders in 
dessen südwestlichem Theile, 
„Vom Frühjahr bis zum Herbst bildet sich fast regelmäfsig nachmittags 
am südwestlichen Horizont ein Wolkenstreifen, in der Richtung von NW nach 
SO gezogen. Derselbe steht also senkrecht zum Zuge des südwestlichen See- 
windes, der, hervorgerufen durch den Temperaturunterschied der am Lande nord- 
wärts ziehenden kalten Polarströmung und der heifsen Steppe, an der Küste be- 
reits vormittags beginnt. Dafs der Wolkenstreifen mit dem Seewinde in Ver- 
bindung steht, wird dadurch zur Gewifsheit, dafs man nach einigen Beobach- 
tungen aus dem Auftreten des Wolkenstreifens mit ziemlicher Genauigkeit die 
Zeit ablesen kann, in welcher der im Sommer vorherrschende nördliche Wind 
vom Südweststurm abgelöst wird. Dieser Wolkenstreifen nimmt schnell an Dicke 
zu. Schwere Gewitterwolken ballen sich zusammen und entladen sich in heftigen 
Unwettern, Dieselben sind aber von kürzester Dauer, indem der vielfach orkan- 
artig auftretende Wind sie in gröfster Hast nordostwärts führt. Diese Wolken- 
bildung tritt nur an der vordersten Grenze des Seewindes auf, während sofort 
nach Vorbeiflug des Unwetters wieder heiterster Himmel herrscht. Häufig ist 
zu beobachten, dafs der Regen, den der Wolkenstreifen spendet, vom unteren, 
verhältnifsmäfsig trockenen Luftstrom aufgesogen wird, bevor er den Boden er- 
reicht, dafs der Regenbogen folglich auch nur unvollkommen, fufslos, keine Leiter 
bildet zwischen Himmel und Erde, Dieser Wolkenstreifen tritt besonders dann 
auf, wenn Nordwind herrscht und sich durch den Ascensionsstrom Gewitterwolken 
bilden. Einem Ascensionsstrom verdankt auch der Wolkenstreifen offenbar sein 
Entstehen. So vorübergehend auch die vom Seewind getragenen Gewitter sind, 
zuweilen sind sie doch so heftig, dafs die Flüsse laufen, Tritt der Südwest be- 
sonders stark auf, so jagt er die Unwetter weit über das Land bis in die 
Kalahari hinein, doch meist sind diese Regen auf einen breiten Landstreifen be- 
schränkt, der an den Wüstengürtel grenzt.“ 
„Es liefse sich hier eine besondere Regenprovinz unterscheiden. Der 
Uebergang zur Zone mit vorherrschenden, durch gewöhnlichen Ascensionsstrom 
gebildeten Gewittern ist, wie gesagt, sehr allmählich. Es kommt nicht selten 
vor, daß ein Gewitter bei Nordwind beginnt und durch den Südwestwind zurück- 
geworfen wird, wodurch es vielfach verstärkt wird. Wenn man daraus, dass es 
im Ambolande stark regnet, schliefsen kann, dafs es- bald auch im Damara- 
lande und demnächst auch im Namalande gut regnen wird, so gilt dies 
zwar auch für die südwestliche Provinz, aber nicht unbedingt. Umgekehrt 
kommt es vor, dafs in Jahren, in welchen in nördlichen Strichen wenig 
Regen fällt, in dieser Klimaprovinz verhältnifsmäfsig ergiebige Niederschläge er- 
folgen, indeın die heiße Steppe jede Wolkenbildung rückgängig macht und erst 
die energischere Ascensionswirkung des Seewindes die Kondensation bis zum 
Regenfall durchsetzt. Diese Provinz deckt sich etwa mit der Kapitänschaft 
Bethanien, soweit dieselbe nicht dem Wüstengürtel angehört.!) Im vorigen Jahre 
war hier die Dürre nicht so ausgesprochen, wie in östlich und nördlich gelegenen 
Landschaften, z. B. im Kreise Gibeon. Dafs hart an den Wüstengürtel (der 
Küste) eine Zone mit verhältnilsmäßig gutem Regenfall grenzt, bewirkt aufser 
den Seewinden das schnelle Ansteigen der Wüstenlandschaft zu den die innere 
Hochebene abschliefsenden Randgebirgen. In diesen ‚dringen auch die Winter- 
regen bekanntlich vor. Hier liegt die Berührung mit der südlichen Regen- 
provinz.... Die Wüste nimmt nur nach den seltenen Gewitter- und Winter- 
regen — der letzteren entbehrt der nördliche Strich ganz — ein etwas grüneres, 
freundlicheres Aussehen an. Der Seewind erhält hier seine ungewöhnliche Hef- 
tigkeit durch die selten grofse Temperaturdifferenz von Land und Meer. Es 
) An späterer Stelle sagt der Verf., der Seewind erzeuge den vor ihm hereilenden Wolken- 
streifen meist erst östlich der Randgebirge, die sich, Wüste von Steppe scheidend, etwa 700 m über 
das innere Hochplateau erheben.
	        
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