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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1898.
Schouwen-Bank und der Nord-Hinder-Bank vorhanden sind, nur dafs auf der
letzteren die Richtung des stärksten Stromes etwas nördlicher liegt als bei West:
Hinder. Auch bei Terschelling finden wir dieselben Verhältnisse. wieder, nur
ist hier — entsprechend der veränderten Fortpflanzungsrichtung der Fluthwelle —
die Richtung des stärksten Stromes nach ONO bezw, WSW gerichtet,
Alles dies ist in vollkommenem Einklange mit der Theorie einer Welle,
welche längs der niederländischen Küste läuft und eine andere Welle, die sich
nahezu senkrecht auf die Küste zu bewegt, durchkreuzt. Ebenso sind die Er-
scheinungen an der englischen Küste in vollkommenem Einklange mit einer von
roh Nord nach Süd fortschreitenden Welle. Wir finden ein regelmäßiges Fort-
schreiten des Gebietes der Stromstille von Nord nach Süd, und liegt dasselbe
immer da, wo 3 Stunden vorher Hoch- oder Niedrigwasser war, nur aus der
Nähe der Themse-Mündung bis etwa Yarmouth finden wir ähnliche Modifikationen
wie in dem mittleren Theile des Kanals, die hier durch den schwachen Zweig
der Kanalwelle hervorgebracht werden, der sich nach der Ostküste Englands
wendet.
In Vorstehendem sind nahezu alle Erscheinungen der Gezeiten im Gebiete
les Kanals besprochen und nach den von Airy aufgestellten Gesichtspunkten zu
arklären versucht worden.
Notizen.
Die wirthschaftliche Bedeutung eines Grofsschiffahrtsweges
zwischen Berlin und der unteren Oder. Von Dr. Martin Kriele, Sekretär
der Kaufmannschaft in Berlin. Auf Veranlassung des Vereinigten Ausschusses
für den Grofsschiffahrtsweg Berlin— Stettin als Manuskript gedruckt. Berlin 1898.
Siemenroth & Troschel. 2858. 8%, mit mehreren Tabellen. Preis Mk. 1. —
Mit grofsem Fleifse sind in dieser Broschüre alle Angaben gesammelt und ge-
zichtet, die auf den Verkehr, wie er wahrscheinlich auf der Strecke zwischen
Berlin und Stettin zu Wasser besteht, einiges Licht werfen. Der Verfasser
betont offen die Schwierigkeiten, die einer genaueren Schätzung im Wege stehen.
So ist zunächst der Flufsverkehr an der Oder-Mündung nicht genau anzugeben;
als Ersatz dafür wird der Güterverkehr zur See in Stettin (und Swinemünde)
angenommen. Ferner ist unbekannt, welcher Theil des Flufsverkehrs von Stettin
nach der oberen Oder (Breslau) u. s. w. und welcher in der Richtung nach
Berlin geht. Endlich ist bei dem Durchgangsverkehr des Finow-Kanals un-
bekannt, welcher Antheil auf den Warthe-Verkehr entfällt, welcher auf den der
anteren Oder. Als Endergebnifßs findet der Verfasser, dafs der Verkehr zwischen
Berlin und Stettin, verglichen mit dem Verkehr Stettin—See und Stettin— Oder
a. Ss. W., über Gebühr zurückgeblieben ist, und sieht den Grund in den un-
genügenden Abmessungen der jetzigen Wasserstrafse, des Finow-Kanals und der
oberen Havel, deren Ausbau für Schiffe von 600 Tonnen Tragfähigkeit (statt
der bisherigen 150 Tonnen) demgemäfs anempfohlen wird. Im Einzelnen wird
dann noch für 15 Industriestädte an oder in der Nähe dieses vorgeschlagenen
Grofsschiffahrtsweges (Westprojekt) seine Bedeutung für den Verkehr zahlen-
mäfsig hervorgehoben und zum Schlusse auch der Vorschlag eines neuen Grofs-
schiffahrtsweges in der Richtung Köpenick — Oderbruch — Oder (Ostprojekt) er-
wähnt, der, rückwärts über Teltow verlängert, nördlich von Potsdam in die Havel
münden soll und von anderer Seite befürwortet wird. Zur Beurtheilung des
Westprojekts in wirthschaftlicher Hinsicht liefert die Abhandlung jedenfalls einen
sehr dankenswerthen Beitrag.
Eingänge von meteorologischen Tagebüchern bei der Deutschen
Seewarte im Monat September 1898.
Von Schiffen der Kaiserlichen Marine.
S. M. Schiffe und Fahrzeuge:
„Cormoran“, Kommandanten Korv. - Kapts. Brinkmann und Brussatis,
Geführt auf der Ostasiatischen Station.
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