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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Börgen: Ueber die Gezeitenerscheinungen in dem Englischen Kanal. 
dieses Gebietes seinen Maximalwerth mit 5%, nimmt wieder ab, erreicht bei 
Hastings den Normalwerth 3" und nimmt von hier aus weiter ab, bis es bei der 
Themse-Mündung-—Nieuport mit 0!/s* bis 1* sein Minimum erreicht, von wo aus 
nach den Beobachtungen des Feuerschiffes „West - Hinder“ wieder ein Wachsen 
konstatirt werden kann, Ganz das Gleiche finden wir bezüglich der Nordsee- 
stromscheide, wenn wir von Spurn Point ausgehen, 
Was die Entstehung der grofsen Gebiete gleichzeitigen Stromwechsels südlich 
von der Insel Wight und nördlich von 52° N-Br, innerhalb welcher die Hoch- 
wasserzeit um mehrere Stunden verschieden ist, genügt es, eine Zusatzhypothese 
aufzustellen, welche gewifßs nicht als unwahrscheinlich bezeichnet werden kann, 
nämlich, dafs innerhalb dieser Gebiete die Aenderung der Hochwasserzeit von 
Ort zu Ort gleich der Aenderung des Intervalls zwischen Stromwechsel und nach- 
folgender Extremphase ist und dasselbe Vorzeichen habe wie diese, Es sei t die 
Hochwasserzeit an einem Orte, t' die Zeit des Stromwechsels an demselben, 
t + x die Hochwasserzeit an einem zweiten Orte und t“ die Zeit des Strom- 
wechsels an diesem, dannn ist das Zeitintervall zwischen Stromwechsel und nach- 
folgendem Hochwasser an dem ersten Punkte = t— 1 und an dem zweiten 
=i+x-—-W"=t—V+-y,So daß also y die Aenderung des genannten Zeit- 
intervalls von dem einen Orte zum anderen bedeutet, Aus t-+x-—*=t—t+y 
folgt t** = 1 | x —y, und hieraus folgt, dafs t’ = t‘ ist, oder dafs beide Orte 
gleichzeitig Stromwechsel haben, wenn x==y ist, d.h. wenn die Aenderung der 
Hochwasserzeit der Aenderung des Zeitintervalls zwischen Stromwechsel und 
nachfolgender Extremphase gleich ist. In den in Frage stehenden Gebieten 
wächst die Hochwasserzeit von West nach Ost bezw. von Nord nach Süd, und 
in derselben Richtung wächst das Intervall zwischen Stromwechsel und folgender 
Kxtremphase, weil der Phasenunterschied der Wellen innerhalb der betreffenden 
Gebiete zwischen 90° und 270° liegt. Hiermit ist demnach das gleiche Vor- 
zeichen der beiden Aenderungen nachgewiesen, und es bedarf nur noch der An- 
nahme, dafs dieselben auch der Größe nach gleich seien, um die Entstehung 
grofser Gebiete, innerhalb welcher, trotz grofser Verschiedenheit der Hochwasser- 
zeiten, gleichzeitig Stromwechsel stattündet, zu erklären. 
Man wird auch leicht einsehen, dafs die Gleichzeitigkeit des Stromwechsels 
räumlich dadurch begrenzt wird, dafs, wie oben unter 5 dargelegt wurde, das 
Intervall zwischen Stromwechsel und folgender Extremphase ein Maximum er- 
reicht, um bei weiterem Fortschreiten in der Richtung der gröfseren Welle wieder 
abzunehmen. Im Englischen Kanal ist, wie oft hervorgehoben, die Kanalwelle 
höher als die Nordseewelle, es mufs daher zwischen den Orten mit den Phasen- 
unterschieden 180° und 0°, d. h. zwischen St. Albans Head und Hastings (um 
nur die englischen Punkte zu bezeichnen), einen Punkt geben, wo das Intervall 
zwischen Stromwechsel und Extremphase vom Wachsen wieder ins Abnehmen 
übergeht, und da die Hochwasserzeit ziemlich stetig, wenn auch mit abnehmender 
Geschwindigkeit zu wachsen fortfährt, so mufs das Gebiet gleichen Stromwechsels 
schon vorher seine östliche Grenze erreichen. Ganz ähnliche Schlüsse gelten für 
die westliche Grenze des Gebietes und für die südliche Nordsee, so daß wir 
demnach behaupten können, dafs auch die räumliche Ausdehnung des. Gebietes 
gleichzeitigen Stromwechsels in völligem Einklang mit der Theorie steht. 
Wenn man nach Mafsgabe der Wassertiefe die Fortpflanzungsgeschwindigkeit 
der Wellen im Kanal und in der Nordsee von Hastings und Great Yarmouth aus 
berechnet, so findet man, daß die Wellen vor der Themse - Mündung mit einem 
Phasenunterschied von 270° zusammentreffen, und da ihre Fortpflanzungsrichtungen 
einen rechten Winkel mit einander bilden, und wie wir oben auseinandergesetzt 
haben, ihre Höhen einander gleich sind, so sind die Bedingungen für den Fall, 
dafs die Zeit des Stromwechsels unbestinmt wird, erfüllt, und in der "hat haben 
wir schon oben erwähnt, dafs in der Themse - Mündung ein Punkt oder. ein be- 
grenztes kleines Gebiet vorhanden ist, wo der übrigens schwache Strom ohne 
Aenderung der Stärke nach und nach aus allen Kompafsrichtungen kommt. 
Ist der Phasenunterschied 180°, die anderen Bedingungen aber dieselben, 
so sollte kräftiger Strom aus zwei entgegengesetzten Richtungen, aber kein Fluth- 
wechsel stattfinden. Der Punkt, an welchem Kapt. Hewett diese Verhältnisse 
feststellte, liegt nahe in der Mitte zwischen England, und Holland und nur wenig 
südlich von der Linie Yarmouth — Texel, wo wir einen Phasenunterschied von 
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