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Full text: 26, 1898

470 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1898. 
den Linien St. Albans Head—Alderney und Great Yarmouth— Texel mit entgegen- 
gesetzten Phasen zusammentreffen, denn wir finden auf der erstgenannten Linie 
die höchsten, auf den beiden anderen die niedrigsten Fluthwechsel in den 
betreffenden Gegenden. Weitere Anschwellungen des Fluthwechsels haben wir 
westlich etwa bei Falmouth und im Norden an der englischen Ostküste bei 
Spurn Point zu konstatiren. Nebenher sei bemerkt, dafs die Entfernungen dieser 
Linien voneinander recht gut mit denjenigen stimmen, welche sich aus den der 
Wassertiefe entsprechenden Wellenlängen berechnen lassen, doch kann hierauf 
nicht näher eingegangen werden. 
Ebenso stimmt die abwechselnd stärkere und schwächere Strömung voll- 
kommen mit den theoretisch geforderten Verhältnissen überein: stärkster Fluth- 
wechsel — schwächster Strom und schwächster Fluthwechsel — stärkster Strom. 
Unter 8 wurde gesagt, dafs das Fortschreiten der Hochwasserzeit von Ort 
zu Ort (oder der Hafenzeiten als Zeit des Hochwassers am Tage von Neu- oder 
Vollmond) bedingt werde durch das Fortschreiten der höheren Welle und dafs 
dasselbe aufhöre, d, h. die Hafenzeit ein Maximum erreiche, wenn die Höhen 
der Wellen einander gleich sind. Nach dem, was soeben über die Höhenver- 
hältnisse der beiden sich krenzenden Wellen gesagt wurde, mufßs man genau das 
erwarten, was beobachtet wird: Fortschreiten der Hafenzeiten im Englischen 
Kanal und an der belgisch - niederländischen Küste von West nach Ost, an der 
englischen Ostküste von Nord nach Süd bis zu dem Punkte, wo die Höhen beider 
Wellen einander gleich sind, was in der Themse-Mündung der Fall sein dürfte. 
Es ist demnach nicht, wie man früher durchweg annahm, die Enge der Strafse 
von Dover, welche diese Verhältnisse hervorruft, sondern sie richten sich nach 
dem Punkte, wo die beiden Wellen gleiche Höhen erreichen, und in der That 
sehen wir auch die Hafenzeiten über die Strafse von Dover hinaus wachsen bis 
etwa zur Themse - Mündung, wo das Maximum erreicht wird. Dieselbe Ursache 
bewirkt auch, nach unserer Auffassung, das langsame Wachsen der Hafenzeit an 
der Südküste Englands von Selsea Bill bis Dover, weil hier, wie oben dargelegt 
wurde, die Nordseewelle, durch die reflektirte Kanalwelle verstärkt, der Kanal- 
weile an Höhe nahe, wenn auch nicht ganz gleich werden dürfte. Ohne auf 
mathematische Untersuchungen einzugehen, ist es nicht wohl möglich, hier nach- 
zuweisen, dafs auch die Verschiedenheit der Geschwindigkeit, mit welcher sich 
die Hochwasserzeit an anderen Stellen des Gebietes von Ort zu Ort fortpflanzt, 
auf die eingangs aufmerksam gemacht wurde, durch die eben vorgetragene Auf- 
fassung über die Höhen und die Phasenverhältnisse der beiden Wellen voll- 
kommen erklärt werden könne, 
Es erübrigt noch zu zeigen, dafs auch die noch nicht erwähnten Eigen- 
thümlichkeiten der Strömungen, welche wir oben nach den auf Beobachtungen 
beruhenden Seemannschen Karten dargelegt haben, durch das Vorhandensein 
zweier sich kreuzenden Wellen erklärt werden können. 
Zu dem Zwecke müssen wir uns erinnern, dafs die Wellen auf den Linien 
Falmouth—L’Abervrach und Hastings—Treport mit gleichen und auf den Linien 
St. Albans Head—Alderney und Yarmouth—"Texel mit entgegengesetzten Phasen 
zusammentreffen. Die Wellen haben daher auf der Linie Falmouth—L’Abervrach 
den Phasenunterschied 0° bei St. Albans Head 180°, bei Hastings — Treport 
wieder 0° und bei Texel 180°, und da die höhere Welle von West nach Ost 
fortschreitet, so liegt der Phasenunterschied von Falmouth bis St. Albans zwischen 
0° und 180°, von St. Albans bis Hastings zwischen 180° und 360° und endlich 
von Hastings bis Texel zwischen 0° und 180°. Ebenso haben wir gezeigt, dafs 
die Wellen bei Spurn Point mit gleichen und bei Yarmouth mit entgegengesetzten 
Phasen zusammentreffen; der Phasenunterschied wächst demnach, da hier die 
höhere Welle von Nord nach Süd läuft, von Spurn Point aus von 0° durch 180° 
bei Yarmouth bis 360° bei Hastings. 
Behalten wir dies im Auge, so sieht man, dafs die in Tabelle III gegebenen 
Zeitintervalle zwischen Stromstille und der nachfolgenden Extremphase vollständig 
im Einklang sind mit dem, was oben unter 5 als Folgerung aus der Theorie 
zweier sich kreuzenden Wellen aufgestellt worden ist, Ausgehend von dem 
Phasenunterschied 0° (bei Falmouth), wo das Intervall 3" beträgt, nimmt dasselbe 
bis zu 1%4" an der westlichen Grenze des Gebietes der Stromstille südlich von 
der Insel Wight ab, wächst darauf wieder und erreicht an der östlichen Grenze
	        
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