accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Börgen: Ueber die Gezeitenerscheinungen in dem Englischen Kanal. 469 
Schottland in‘ der Richtung NW — SO in die Nordsee eindringt. Die Boden- 
gestaltung der Nordsee, welche eine nach Süden schmäler werdende tiefere Rinne 
längs der schottisch-englischen Küste aufweist, bringt es mit sich, dafs die Welle 
mit wachsender Höhe. sich schneller längs dieser Küste nach Süden bewegt als 
in dem übrigen Theile der Nordsee. Für unsern Fall. hat nur dieser Theil der 
Welle Interesse; wir verfolgen deshalb nur diesen. Bei Yarmouth tritt die 
Welle in das zwischen der englischen und niederländischen Küste liegende breite, 
yleichmäfsig. tiefe Becken ein und erreicht die genannte Küste, wie sich mit 
grofser Sicherhsit annehmen läfst, in ihrer ganzen Ausdehnung zu nahe derselben 
Zeit, die Inseln der Provinz Zeeland vielleicht etwas später als einerseits Ost- 
ende, andererseits Texel. Von der belgischen Küste sowohl wie von derjenigen 
der Provinz Holland wird die Welle zurückgeworfen, wodurch sie hier nahezu 
auf ihre doppelte Höhe aufgestaut wird. Die reflektirte Welle geht nun nach 
der englischen Küste hinüber, und da sie dort mit. der von Norden kommenden 
ursprünglichen Welle je nach.der Entfernung der. gegenüberliegenden Küste mit 
einem zwischen 1 und 3 Stunden schwankenden Phasenunterschied (30° bis 90° 
in Winkelmaß) zusammentrifft, so. wird diese Reflexwelle auch an der englischen 
Küste zur Erhöhung der von Norden kommenden Welle (welche Nordseewelle 
genannt werden möge) beitragen. Durch die Stralse von Dover tritt nun die 
Nordseewelle in den Englischen Kanal ein, und zwar wird sie entsprechend ihrer 
ursprünglichen Fortpflanzungsrichtung von Nord nach Süd und der Richtung der 
Straße von Dover in erster Linie auf die französische Küste treffen, wo sie ohne 
Zweifel dazu beiträgt, an dieser Küste den im Allgemeinen höheren Fluthwechsel 
als an der englischen hervorzubringen. ; 
Nach dem Passiren der Strafse von Dover vereinigt sich die Nordseewelle 
mit demjenigen Zweige der Kanalwelle, welcher, wie oben erwähnt, von der fast 
Nord — Süd streichenden Küste des Departements Pas de Calais unter einem 
Kinfallswinkel von etwa 20° nach der ‚englischen. Südküste hinüber reflektirt 
wird, wodurch bewirkt wird,. dafs an dieser Küste Kanalwelle und Nordseewelle 
+ reflektirte Kanalwelle in. Höhe ‘ziemlich nahe: gleich ‘sind, wenn: auch die 
erstere: immer noch etwas höher bleibt als die beiden letzteren, 
Die Höhe der Nordseewelle. betreffend, ist zu schließen, dafs dieselbe im 
Allgemeinen erheblich niedriger ist als die.Kanalwelle im Bereich des Englischen 
Kanals, weil sie sich in einem viel weiteren Bette fortpflanzt. und deshalb weniger 
durch die Begrenzung desselben beeinflufst wird als diese, wenn auch die Wasser- 
tiefe, welche in der Nordsee im Allgemeinen geringer ist als im Kanal, eine etwas 
stärkere Beeinflussung der Höhe der Welle infolge der Tiefenverhältnisse be- 
dingen wird. Im südlichen Theile der Nordsee. jedoch, wo einerseits die Nordsee- 
welle durch die von der belgisch - holländischen Küste zurückgeworfene Welle 
wesentlich verstärkt wird, andererseits die Kanalwelle infolge der plötzlichen 
Erweiterung ihres Bettes, .wie schon oben gesagt wurde, an der englischen Küste 
an Höhe erheblich einbüfst, während sie 'an der belgisch - holländischen Küste 
ihre ursprüngliche Höhe nahezu beibehält, werden wir folgende Verhältnisse an- 
nehmen dürfen: Die Kanalwelle ist in der Straße von Dover und längs der 
belgisch - niederländischen Küste höher. als die Nordseewelle auch nach ihrer 
Verstärkung durch die Reflexion von der letztgenannten Küste, während anderer- 
seits von Norden her bis etwa zur Themse - Mündung die durch die Reflexwelle 
verstärkte Nordseewelle die. seitliche Ausbreitung der Kanalwelle an Höhe über- 
trifft. Hiernach mul es eine Linie ‚geben, welche, ausgehend . von der Themse- 
Mündung, vermuthlich ziemlich in der Mitte zwischen beiden Küsten verläuft, 
auf welcher die Höhen beider Wellen einander gleich. sind, 
_ Werden diese Verhältnisse und das, was oben unter 5 bis 7 über die beim 
Kreuzen zweier. Wellen sich ergebenden . theoretischen Ergebnisse auseinander- 
gesetzt worden ist, beachtet, so ergiebt sich, daß alle Erscheinungen, welche sich 
nicht durch die lokalen Verhältnisse erklären Jassen,. als Folgen des Kreuzens 
zweier Wellen nachgewiesen werden ‚können, - : 
Zunächst ergiebt sich das abwechselnde An- und Abschwellen des Fluth- 
wechsels, welches wir überall konstatirt haben, als einfache Folge des Umstandes, 
daß die beiden. Wellen an. verschiedenen Orten mit verschiedenem Phasen- 
unterschied zusammentreffen. Nach ‚den. Beobachtungen dürfen wir annehmen, 
das die beiden Wellen:etwa. auf der Linie Hastings—Treport..mit gleichen, auf
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.