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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1898. 
gewissen Entfernung vom Ausgangspunkte, welche von dem Verhältnifs der 
Höhe der beiden Wellen und dem Winkel, unter welchem sie sich kreuzen, ab- 
hängt, ein Minimum erreicht wird. In gröfserer Entfernung vom Ausgangspunkte 
wird das genannte Intervall wieder größer und beträgt im Abstande einer halben 
Wellenlänge (wo also der Phasenunterschied = 180° ist, oder wo Hochwasser 
der einen Welle und Niedrigwasser der anderen zusammentreffen) wiederum eine 
Viertelperiode, wächst bei weiterem Fortschreiten über diesen Betrag hinaus bis 
zu einem Maximum, welches ebenso viel gröfser als eine Viertelperiode ist, wie 
das Minimum kleiner war, um von hier ab wieder kleiner zu werden und endlich 
in der Entfernung von einer ganzen Wellenlänge — wo der Phasenunterschied 
wieder Null wird oder Hochwasser mit Hochwasser zusammenfällt —- wieder auf 
eine Viertelperiode zurück zu kommen, worauf der eben geschilderte Vorgang 
sich wiederholt. 
Die Gröfse dieser Schwankung des Intervalls um den Mittelwerth einer 
Viertelperiode hängt sehr wesentlich von dem Unterschiede in der Höhe der 
veiden Wellen ab, und sie wird gleich Null, wenn beide Höhen einander gleich 
sind, d. h. in diesem Falle fällt Hoch- oder Niedrigwasser mit dem Stromwechsel 
zusammen. Verschwindet die eine Welle ganz, so beträgt natürlich das Intervall 
zwischen Stromwechsel und Extremphase überall eine Viertelperiode, weil wir es 
dann nur mit einer einfachen Welle zu thun haben. 
Wenn 1. die Höhen der beiden sich kreuzenden Wellen einander gleich 
sind, 2. der Phasenunterschied derselben = 90° (oder 270°) ist, und 3. die 
Wellen sich unter einem Winkel von 90° kreuzen, so wird das Intervall zwischen 
Stromwechsel und Extremphasen unbestimmt, d, h. es findet zu jeder Zeit Strom 
statt, der mit gleicher Stärke aus verschiedener Richtung kommt. 
Ist die erste und dritte Bedingung erfüllt, aber der Phasenunterschied 
der Wellen nicht 90°, sondern 180°, so findet Strom mit regelmäfsigem Wechsel 
aus einer Richtung in die entgegengesetzte mit dazwischen liegender Stromstille 
statt; dagegen ist der Fluthwechsel = 0. 
6. Trifft eine Welle auf eine geradlinige Wand oder im Falle der Natur 
auf eine derartige Küstenstrecke, so wird dieselbe unter demselben Winkel zu- 
rückgeworfen, unter dem sie auf die Wand trifft. Die Interferenz der reflektirten 
mit der ursprünglichen Welle hat natürlich die gleiche Erscheinung zur Folge, 
welche wir bei der Kreuzung zweier ungleicher Wellen kennen gelernt haben; 
da aber hier die Höhen der reflektirten und die der ursprünglichen Welle gleich 
sind, so wird gemäfs dem Schlusse des vorigen Abschnittes die Beziehung zwischen 
Hochwasser und Stromwechsel dahin geändert, dals beide zusammenfallen. 
7. Ueber die Richtung, in welcher die Zeit des Hochwassers wächst, 
wenn sich zwei Wellen von verschiedener Höhe kreuzen, ergiebt die Theorie, 
Jafs hierfür die Fortpflanzungsrichtung der höheren Welle mafsgebend ist. Sind 
die Höhen einander gleich, so hört das Fortschreiten der Hochwasserzeiten auf. 
8. Wenn eine Welle aus einem weiten Becken durch eine enge Oeffnung 
in ein zweites weites Becken tritt, so breitet sie sich in diesem fächerförmig in 
der Weise aus, dafs der mittlere Theil der Welle die ursprüngliche Höhe bei- 
behält, dafs sie aber nach den Seiten je weiter von der Mitte entfernt desto 
niedriger ist. — Dies ist nicht eigentlich ein Ergebnißs theoretischer Unter- 
suchung, sondern der Beobachtung, welche man in jedem Teiche, in dem sich 
ein unterbrochenes Wehr befindet, bestätigt sehen kann. — 
Es liegt nahe, anzunehmen, dafs wir es hier mit einem Gebiete zu thun 
haben, in welchem sich zwei in entgegengesetzter Richtung laufende Wellen, 
von denen die eine aus dem Kanal, die andere aus der Nordsee kommt, kreuzen, 
und dafs man daher berechtigt sein würde, im Sinne der im Art. 311 ff, der 
„Tides and waves“ behandelten Aufgabe das Gebiet als einen Kanal anzusehen, 
welcher an beiden Enden mit einem gezeitenführenden Meere kommunicire,*!) 
Wenn man jedoch der Lösung dieser Aufgabe näher tritt, so ergiebt sich, dafs, 
trotzdem manche Ergebnisse der theoretischen Untersuchung mit den beobachteten 
1) Dies scheint nach „Tides and waves“ Art. 522 die Ansicht von Airy gewesen zu sein. 
Der Fehler dieser Ansicht liegt darin, dafs die Grundvoraussetzung der Airyschen Theorie (enger 
Kanal, welcher ein Kreuzen der Wellen nur in einer Richtung erlaubt), hier nicht zutrifft, dafs man 
vielmehr eine Kreuzung der Wellen in beliebiger Richtung zulassen muls.
	        
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