accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 26, 1898

164 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1898, 
blicke, wo das Wasser sein mittleres Niveau passirt, und zwar strömt das Wasser 
nach vorwärts, so lange der Wasserstand höher ist wie Mittelwasser, nach rück- 
wärts, ‚so lange derselbe niedriger ist. Bezogen auf Hoch- und Niedrigwasser 
können wir das Vorhergehende auch so aussprechen: Der Uebergang des Fluth- 
stromes in Ebbestrom (der Vorwärts- in die Rückwärtsbewegung) findet 3 Stunden 
6 Minuten (eine Viertelperiode) nach Hochwasser und der Uebergang von Ebbe- 
strom in Fluthstrom (der Rückwärts- in die Vorwärtsbewegung) um ebenso viel 
nach Niedrigwasser statt, Dies ist so ziemlich das Gegentheil von der gewöhn- 
lichen Vorstellung, nach welcher der Stromwechsel mit Hoch- und Niedrigwasser 
zusammenfallen soll und jede Abweichung hiervon als Ausnahme betrachtet wird; 
wir werden gleich sehen, dafs diese Auffassung auch für beinahe alle Fälle, die 
gewöhnlich zur Beobachtung kommen, ihre Berechtigung hat. 
3. Das Vorhergehende bezieht sich nämlich auf solche Wellen, welche in 
ihrer Bewegung und Fortpflanzung keine Hindernisse finden. Jedes Hindernifs 
bringt Modifikationen in der Gestalt der Welle sowohl wie in der Bewegung der 
einzelnen Wassertheilchen hervor, von denen natürlich die ersten (Aenderungen 
der Gestalt der Welle) eine Folge der Aenderungen der Bewegung der Wasser- 
partikel sind. Diese Modifikationen bestehen darin, dafs die vorher symmetrische 
Welle (symmetrisch mit Bezug auf eine durch ihren höchsten Punkt gedachte 
Vertikale) nun unsymmetrisch, nämlich an der voranschreitenden oder vorderen 
Seite steiler, auf der hinteren flacher wird, Die Folge ist, dafs bei ungeänderter 
Periode das Steigen des Wassers kürzere Zeit, das Fallen längere Zeit in An- 
spruch nimmt als in der ungestörten Welle, wo Beides gleich lange dauerte, 
Gleichzeitig wird die Welle höher und nimmt mit der Steigerung der Hindernisse 
an Höhe immer mehr zu. Ist die Beeinflussung der Welle durch die Fortpflanzungs- 
hindernisse stark, so kann der Fall eintreten, dafs zu irgend einer Zeit während 
des Verlaufes der Gezeit die gerade stattfindende Bewegung des Wassers (Steigen, 
Fallen oder Stillstand bei Hoch- oder Niedrigwasser) sich umkehrt, so dafs z. B. 
während des Steigens des Wassers dieses eine Zeit lang aufhört und vielleicht 
in ein geringes Fallen übergeht, worauf nach einiger Zeit das Wasser seine 
steigende Bewegung wieder aufnimmt. Oder das Wasser fällt, nachdem es rasch 
seinen höchsten Stand erreicht hat, einige Centimeter, beginnt dann wieder zu 
ateigen und erreicht ein zweites Hochwasser, worauf es schnell zum Niedrigwasser 
abfällt. Tritt kein oder nur ein unmerkliches Fallen des Wassers zwischen den 
beiden Hochwassern ein, so erscheint die Dauer des Hochwassers mehr oder 
minder stark verlängert. Endlich verkleinert sich das Zeitintervall zwischen dem 
Augenblick, wo die Wassertheilchen ihre Bewegung umkehren (die Zeit des 
Stromwechsels), und dem Augenblicke des vorhergehenden Hoch- oder Niedrig- 
wassers mit steigenden Hindernissen mehr und mehr und kann in gewissen Fällen 
gleich Null werden. Letzteres, das Zusammentreffen von Hochwasser und Strom- 
wechsel, tritt dann ein, wenn die Welle auf eine feste Schranke trifft. Dies ist 
der Fall bei allen Küsten, welche von der Fluthwelle senkrecht oder beinahe 
senkrecht getroffen werden, und da, wie wir sehen werden, ein allmählich zur 
Küste ansteigender Meeresboden auch eine parallel mit der Küste fortschreitende 
Welle so beeinflufst, daß das Wasser schon aus gewisser Entfernung senkrecht 
auf das Ufer zuströmt, so ist dies der Fall, den wir an allen Küsten beobachten, 
und so erklärt sich die oben erwähnte weit verbreitete Ansicht, dafs Hochwasser 
und Stillwasser überall zusammenfallen müssen, von selbst. Entfernt von der 
Küste sollten wir aber in größerer oder geringerer Reinheit das Gesetz der un- 
gestörten Welle finden, je nach dem Grade der Beeinflussung, welche sie durch 
die Begrenzung ihres Bettes erfahren hat. 
Wenn eine Welle in einen Kanal eindringt, welcher an seinem inneren 
Ende geschlossen ist, wächst die Höhe der Welle von der Mündung bis zum 
Grunde und kann hier sehr hoch werden, wenn die Länge des Kanals nicht viel 
von !/4 Wellenlänge verschieden ist. Die Hochwasserzeit wächst sehr langsam 
vom Eingang des Kanals bis zum Grunde, d. h. es ist in der ganzen Länge des 
Kanals ziemlich gleichzeitig Hochwasser, im Innern desselben aber etwas später 
als an der Mündung. Der Stromwechsel fällt mit Hoch- und Niedrigwasser zu- 
sammen, wenn man den Einfluß der Reibung nicht berücksichtigt; es ergiebt sich 
aber, daß er etwas später eintritt als die Extremphasen, wenn Reibung vor- 
anden ist.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.