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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologig November 1898.
zurücklegte, während gleichzeitig „D. H. Wätjen“ bei schwachem Westwinde
nur 97 Sm gut machen konnte. „Selene“, die den Kanal am 7. März erreichte,
hatte bis dahin 37 Tage in nördlicher Breite zugebracht. „D. H. Wätjen“
gelangte nach Queenstown am 15. März, 41 Tage später, nachdem der Aequator
verlassen worden war. .
Zum Schlusse möge hier noch eine kurze Uebersicht des weiteren Ver-
laufes der Reisen (von der Linie ab) der beiden Mitsegler „Peter Rickmers“ und
„Columbus“ folgen. Die Ueberschreitung des Stillengürtels, welcher, was für
die Monate Februar und März ja nicht ungewöhnlich ist, von „Peter Rickmers“
in südlicher Breite angetroffen wurde, erforderte eine ungewöhnlich lange Zeit.
Erst in 5,5° S-Br und 26° W-Lg wurde am 11. März der später auch nur sehr
schwach und unbeständig wehende Südostpassat erreicht. Seine südliche Grenze
wurde am 21. März in 27,5° S-Br und 30,5° W-Lg überschritten und dann bis
zum 3. April zum Meridian von Greenwich in 41° S-Br gesegelt. Beim Ablaufen
der Länge hielt sich „Peter Rickmers“ anfänglich in der Nähe von 45° S-Br.
Als das Schiff dort aber am 11. April in 44,5° S-Br und 25° O-Lg in Sicht von
einer großen Zahl von Eisbergen kam, wurde ein nördlicher Kurs gesteuert, bis
man wieder in die Nähe von 41° S-Br gelangt war. Am 23. April erblickte
man die Insel St. Paul, am 4. Mai wurde bei 30° S-Br und 105° O-Lg das
Gebiet des Südostpassates erreicht und am 12, Mai die Sunda-Stralße betreten.
Es waren bis dahin nur 83 Tage seit der Abfahrt von 50° N-Br vergangen. Die
ab Scilly rund 12 300 Sm grofse Strecke war mit einer mittleren Schnelligkeit
von 6,2 Knoten zurückgelegt worden. Am 22. Mai, nach 93tägiger Reise von
50° N-Br, ankerte „Peter Rickmers“ auf der Rhede von Singapore. Ein Jahr
vorher hatte dieses mit Kohlen tief beladene Schiff, ‚auch damals unter Führung
des Kapt. Berg, die Reise Scilly — Singapore sogar in 81 Tagen vollendet,
sine Reise, die, nach der im Tagebuche mitgetheilten Aussage des englischen
Hafenmeisters von Singapore, die kürzeste sein soll, die jemals von Nordeuropa
nach diesem Hafen von einem Segelschiffe gemacht worden ist. Auf ihr hatte
der „Peter Rickmers“ 50° N-Br am 23. Februar 1894 verlassen. Am 1. März
vefand sich das anfänglich durch heftige Gegenwinde zurückgehaltene Schiff noch
in 46° N-Br und 15° W-Lg; am 16. März wurde aber schon die Linie in 27° W-Lg
überschritten und am 8. Mai die Sunda-Strafse erreicht. Um zu ihr von 46° N-Br
aus zu gelangen, waren nur 68 Tage erforderlich gewesen. „Columbus“, welcher
den Aequator am 8. März 1895 verlassen, den ersten Meridian in 42° S-Br am
3. April überschritten hatte, von dem die Länge in der Nähe von 43° S-Br zu-
rückgelegt und 80° O-Lg in 43° S-Br am 29. April gekreuzt worden war, erreichte
die Sunda - Strafse am 17. Mai. Es waren dann 95 Tage seit der Abreise von
50° N-Br verflossen. Auf der Rhede von Singapore ankerte „Columbus“ am 26. Mai.
Ueber die Gezeitenerscheinungen in dem Englischen Kanal und
dem südwestlichen Theile der Nordsee,
Professor Dr. C. BORGEN, Wilhelmshaven.
(Fortsetzung.,)
Nachdem wir im vorigen Hefte so ziemlich alle Besonderheiten kennen
gelernt haben, welche den Gezeiten im Englischen Kanal und im südwestlichen
Theile der Nordsee eigen sind, wollen wir nun zu einer Erklärung derselben auf
Grund der Airyschen Wellentheorie übergehen und zeigen, dafs alle beobachteten
Erscheinungen einfache Folgen sind einestheils von lokalen Verhältnissen, anderen-
theils des Umstandes, dafs wir es hier mit zwei sich kreuzenden Wellen zu
hun haben. !)
X) In dem Jahrgang 1880 dieser Annalen, Seite 1 u. ff., ist vom Verfasser dieses ein Er-
klärungsversuch der Strömungserscheinungen in dem hier in Frage kommenden Gebiete veröffentlicht
worden, welcher jetzt als yerfehlt bezeichnet und daher ausdrücklich zurückgenommen werden muß