Haltermann:.Ueber die südöstlich von den Azoren auftretenden Tiefdruckgebiete, 461
davon lief der kräftige. Wind bald nach NW und blieb so für mehrere Tage,
während gleichzeitig der Luftdruck langsam ‚abnahm. Diese Vorgänge zeigten
an, dafs das Schiff sich im südwestlichen Viertel einer südöstlich von den Azoren
liegenden Depression befand. Ein auf die Kanaren gerichteter Kurs, auf dem
„Parchim“ wahrscheinlich den südöstlichen Quadranten mit seinen südwestlichen
Winden erreicht haben würde, wäre jetzt wohl empfehlenswerth gewesen, Durch
den in Wirklichkeit gesteuerten nördlichen Kurs gelangte das Schiff am
26. Januar nach 31° N-Br in 29,4° W-Lg, wo der beobachtete niedrigste Luft-
druck von 757,2.mm andeutete, dafs „Parchim“ jetzt im Begriff war, vom süd-
westlichen in den nordwestlichen Quadranten des Tiefdruckgebietes überzugehen.
Der Wind lief demzufolge östlich, und da er auch bald stürmisch wurde, folgte
eine lange, Schiff und Mannschaft aufserordentlich anstrengende Verzögerung der
Reise. Dieser Ostwind scheint nicht die Folge einer und derselben ungestörten
Wetterlage gewesen zu sein. Es bewegten sich damals wahrscheinlich mehrere
Depressionen südlich vom Schiffe nach Südosten, denn auf kurze Unterbrechungen
des Ostwindes durch schwache günstige Winde ‚folgten stets wieder stürmische,
aus hoch südlicher Richtung beginnende, später nach Ost umlaufende Winde,
Hier war wirklich das alte Wort bezüglich des wohl ewig dauernden Ostwindes,
der durch Süd gedreht hat, zutreffend. In den oft orkanartig wehenden Stürmen
zerrissen dem Schiffe viele Segel, und verloren durch Brechseen mehrere See-
leute ihr Leben. Der sonst sehr segelfähige „Parchim“ konnte hier so wenig
aufarbeiten, . daß, nachdem er sich am 13. Februar schon in 49,3° N-Br und
13° W-Lg befunden hatte, er 12 Tage später noch in 48° N-Br und 13,5° W-Lg
stand. Erst der am 1. März einsetzende frische Nordwind führte das Schiff am
2. März zur Kanalmündung, Die Zurücklegung der Strecke Linie—Lizard hatte
nicht weniger als 50 Tage erfordert. ;
Das zweite Schiff dieser Gruppe, die Bark „Selene“, welche den Aequator
in 27,2° W-Lg am 29. Januar verlassen hatte, verlor zunächst im Stillengürtel
fast eine volle Woche. Erst am 5. Februar gelang es ibr, in 4,3° N-Br und
29° W-Lg den Nordostpassat zu erreichen, dessen Gebiet sich auch nicht weiter
als bis nach 20,8° N-Br in 36° W-Lg ausdehnte, Nördlich von diesem Punkte
gerieth auch dieses Schiff in das südwestliche Viertel jenes so oft erwähnten,
fast stationären Tiefdruckgebietes, denn auch bei ihm waren die dort beobachteten
Winde vorherrschend nordwestliche, und der Luftdruck nahm ab, sowie weiter
nordwärts gesegelt wurde. Der niedrigste Barometerstand wurde mit 741,6 mm
am 19. Februar bei 30,5° N-Br und 335° W-Lg abgelesen. Die nordwestlichen
Winde hielten dann noch einige Tage an, bis sich „Selene“ am 22. Februar in
33,2° N-Br und 30° W-Lg befand. Als dort der Wind nach NO drehte, wurde
mit St. B.-Halsen gesegelt. Am 22, Februar stand der dritte Mitsegler dieser
Gruppe, der „D. H, Wätjen“, welcher den Aequator in 27,2° W-Lg am 2, Februar
und die polare Passatgrenze in 21° N-Br und 29,5° W-Lg am 15. Februar ver-
lassen hatte, in 29° N-Br und 30,5° W-Lg, also etwa vier Breitengrade fast recht
Süd von „Selene“. Noch für längere Zeit begünstigt von nordwestlichen Winden,
segelte „D. H. Wätjen“ mit B. B.-Halsen ‚weiter, bis am 2. März 35,6° N-Br in
19° W-Lg erreicht worden war. Schon am 28, Februar hatte, nach Ausweis der
kleinen für diesen Tag geltenden Karte, das Schiff sich nicht weit entfernt vom
Mittelpunkte der Depression befunden. Und es hätte damals vielleicht nur der
Zurücklegung einer kurzen Strecke nach Osten hin bedurft, um das Schiff in den
südöstlichen Quadranten des Tiefdruckgebietes zu bringen, wo südliche Winde
noch für längere Zeit einen direkten Kurs auf Lizard erlaubt und vielleicht eine
Verkürzung der Reise bewirkt haben würden. Nach dem 2, März fand indessen
eine Veränderung der Wetterlage statt, welche den so lange Zeit herrschenden
Zuständen ein Ende machte und die vorherzusehen unmöglich: war. Es ’nahte
sich nämlich von Westen her ziemlich rasch ein Rücken hohen Luftdruckes, wo-
mit sich bei der am 2. März in 43,5° N-Br und 80° W-Lg stehenden „Selene“*
ein günstiger Wind, bei dem: sich 10 Breitengrade südlicher befindlichen
„D. H. Wätjen“ aber Nordostwind einstellte. Dadurch wurde „Selene“ schon
sehr begünstigt. In noch gröfserem Male war dies aber der Fall, als sich bei
ihr zwei Tage später die Anzeichen ‚einer. von Westen heranziehenden Depression
zeigten, während beim „D. H. Wätjen“ das Hochdruckgebiet anhielt. Die Folge
davon war, daß jenes Schiff am. 5. März bei stürmischem Südwestwinde. 230. Sm