460 Annalen .der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1898
gebietes bemerkbar, welches „Melpomene“ mäfsige und beständige Nordwinde
brachte. Aus diesem Nordwinde entwickelte sich später, der Wetterlage ent-
sprechend, fast ohne vorhergehende Störung am 4. März in der Nähe von
28,5° N-Br und 20,5° W-Lg der Nordostpassat, bei welchem bis zum 14. März
zu der in 25,4° W-Lg üüberschrittenen Linie gesegelt werden konnte. KEinen
eigentlichen Stillengürtel hatte das Schiff gar nicht angetroffen, doch war der
Ostwind, den man während der letzten 36 in nördlicher Breite zugebrachten
Stunden beobachtete, nur sehr schwach gewesen. "Trotzdem war die zwischen
50° N-Br und Aequator liegende Strecke in der ungewöhnlich kurzen Zeit von
16 Tagen und 20 Stunden zurückgelegt worden.
Von den drei westwärts bestimmten Schiffen der Tabelle war „Wilhelm“
vom Kanal nach New York, „Baltimore“ von Gibraltar nach Barbados und
„August“ von Gibraltar nach New York bestimmt. „August“, welcher schon am
24. Dezember 1894 von Marseille aus in See gegangen, war schon im Mittel-
meere durch westliche Stürme in solcher Weise zurückgehalten worden, dafs
erst am 1. Februar, gleichzeitig mit der am 22. Januar von Port de Bouc ab-
gegangenen „Baltimore“, die Strafse von Gibraltar durchsegelt werden konnte.
Der Ostwind, bei dem dies geschah, war, wie es hier so oft der Fall ist, nur
von kurzer Dauer, und anhaltende westliche Winde von oft grofser Stärke traten
im offenen Ozean bald an seine Stelle. Als „Wilhelm“ am 16. Februar den
Meridian von Lizard bei stürmischem Südostwinde überschritt, befand sich
„Baltimore“ noch in 36,7° N-Br und 17° W-Lg und „August“ in 31,5° N-Br und
12° W-Lg. Der direkt für die westlichste Insel der Azoren steuernde, ununter-
brochen von heftigen, theils stark stürmenden Ostwinden begünstigte „Wilhelm“
konnte dann während der nächsten Tage solchen Fortgang erzielen, dafs schon
am 23. Februar Flores gesichtet wurde. Gleichzeitig standen die beiden Mit-
segler, welche noch immer gegen die in der südlichen Hälfte der Depression
wehenden Südwestwinde kämpfen mufsten, „Baltimore“ in 30° N-Br und 20° W-Lg
und „August“ in 29,8° N-Br und 18° W-Lg. Als der vom Kanal her ungestört
wehende Wind bei „Wilhelm“ am 25. Februar endete, befand sich das 9 Tage
vorher von Lizard abgegangene Schiff in 36° N-Br und 37° W-Lg. Der noch
übrige Theil der Länge wurde später zum gröfsten Theil in der Nähe von
29° N-Br abgelaufen bei vorherrschend aus östlicher Richtung wehenden Winden,
70° W-Lg wurde am 14. März in 32° N-Br überschritten, und nachdem in geringer
Entfernung von 35° N-Br und 74° W-Lg noch ein vier Tage dauernder Nord-
weststurm überstanden worden war, wurde am 25. März nach 37tägiger Reise
von Lizard im Hafen von New York geankert. Kapt. Wilmsen bemerkt zum
Schlusse dieser vortrefflich ausgeführten Reise, dafs eine größere Anzahl von
nach ihm in New York anlangenden Schiffen, welche die Passatroute eingehalten,
bedeutend längere Reisen, als seine war, gemacht hätten. Nachdem „Baltimore“
am 28, Februar bei 20,5° N-Br und 22° W-Lg endlich den Passat gefunden hatte,
nahm auch die Reise dieses Schiffes einen befriedigenden Verlauf. Als am
13. März auf der Rhede von Barbados geankert wurde, waren 40 Tage seit der
Abreise von Gibraltar verflossen. „August“ überschritt die in 25,5° N-Br und
18° W-Lg liegende polare Passatgrenze am 1. März, und indem das Schiff sich
später in der Nähe von 20° N-Br hielt, konnte es ebenfalls bei dem dort wehenden
kräftigen Passat raschen Fortgang erzielen. Am 21. März wurde die in 23° N-Br
und 65° W-Lg liegende nördliche Passatgrenze wieder gekreuzt und auch der
noch übrige Theil der Reise schliefslich unter ziemlich günstigen Verhältnissen
vollendet. Nachdem eine in der Nähe des Bestimmungsplatzes stattfindende,
durch zwei Tage anhaltende stürmische Nordwestwinde verursachte Verzögerung
ein Ende genommen hatte, wurde am 5. April der Hafen von New York erreicht.
Es waren dann nicht weniger als 102 Tage seit der Abreise von Marseille ver-
flossen. Die Reise Gibraltar—New York hatte 63 Tage gedauert.
Die letzten drei in der Tabelle angeführten Mitsegler „Parchim“, „Selene“
und „D. H. Wätjen“ waren auf der Heimreise begriffene Schiffe, die unter den
Folgen des ostwärts von den Azoren gelagerten Tiefdruckgebietes schwer zu
leiden hatten. „Parchim“, das erste von ihnen, erreichte nördliche Breite in
26,5° W-Lg am 11. Januar, Es segelte, nachdem vier "Tage später in 5,3° N-Br
und 27,8° W-Lg der frische Nordostpassat eingesetzt hatte, bis zum 22. Januar
zu der in 22° N-Br und 34,5° W-Lg liegenden polaren Passatgrenze. Nördlich