Haltermann: Ueber die südöstlich von den Azoren auftretenden Tiefdruckgebiete, 450
führte. Unweit dieses Punktes,‘ wo der Luftdruck mit 744,5 mm seinen niedrigsten
Stand erreicht hatte,. nahm der Wind bis zum leisen Zuge ab und. veränderte
sich bald darauf nach . westlicher Richtung. Da er jedoch nach dieser Ver-
änderung .raum genug. wehte, um bei ihm einen Südkurs einhalten zu können,
blieb. der weitere Verlauf der Reise ein guter. Am 25. Februar wurde 30° N-Br
in 24,8° W-Lg gekreuzt und am 28, Februar in 20,5° N-Br und 24° W-Lg der
später ungestört bis zur Linie herrschende Passat angetroffen.
Am 18. Februar, nur einen Tag später, nachdem Cardiff verlassen worden
war, überschritt das mit 4400 Tonnen Kohlen beladene Viermastvollschiff „Peter
Rickmers“ bei stürmischem Ostsüdostwinde den Parallel von 50°.N. Wie die für
den folgenden Tag gezeichnete kleine synoptische Karte zeigt, lag damals südlich
vom Schiffe, zwischen den Azoren und den Kanaren, ein Tiefdruckgebiet, gegen dessen
westliche Winde mehrere der vorerwähnten, weit südlicher stehenden Mitsegler schon
kämpften. Als der Führer des „Peter Rickmers“ am nächsten Tage an dem zum
Sturme zunehmenden krimpenden Winde und dem abnehmenden Luftdrucke die Wetter-
lage erkannte, unter deren Einfluß -er sich befand, hielt er voll weg nach
Westen. . Er gelangte dadurch bald in den nordwestlichen Quadranten der
Depression, .der Wind drehte dementsprechend zuerst nach NO, und schliefslich
war seine Richtung, als „Peter Rickmers“ sich am 22. Februar in Sicht von der
Insel St. Miguel befand, Nord.-- Dort wurde gleichzeitig mit 750,6 mm auch der
niedrigste Barometerstand beobachtet. Das Schiff ging dann ohne Störung vom
Nordwestquadranten des Tiefdruckgebietes in den Südwestquadranten über, wo
der bald . westlich laufende Wind raum genug blieb, um bei ihm auch ferner
jasch nach Süden vorrücken zu können. „Peter Rickmers“, welcher diese Reise
angetreten hatte, ohne dafs der Boden des Schiffes vorher neu angestrichen
worden war, hatte die zwischen 50° N-Br und St. Miguel liegende, 1095 Sm
große Strecke in vier Tagen mit einer mittleren Schnelligkeit von 11,3 Knoten
zurückgelegt. Eine vortreffliche Leistung, die das Resultat der Vereinigung von
Theorie und Praxis war, von dem, was Maury „The head.of the master and
the heels of the ship“ genannt hat. Nachdem „Peter Rickmers“ mit der auf
St. Miguel befindlichen Signalstation Signale gewechselt hatte, wurde die Reise
fortgesetzt und am 25. Februar bei frischem Nordwestwinde 30° N-Br in 26,5° W-Lg
geschnitten. In geringer Entfernung von 25° N-Br lief der Wind doch noch
südwestlich, und der Kapitän drückte im Tagebuche die Befürchtung aus, dafs
auch ‚er noch trotz seiner vorher so westlichen Stellung gezwungen sein würde;
östlich von den Kap Verden nach Süden zu segeln. Dies geschah indessen nicht,
der Wind lief bald wieder raumer.. Am 28. Februar wurde bei 19,8° N-Br in
26° W-Lg das Passatgebiet betreten und am 8. März in 26,7° W-Lg der Aequator
erreicht. Der Nordostpassat war leider während der letzten drei Tage seiner
Dauer nur sehr flau gewesen, und einen halben Tag hatte das Schiff auch im
Stillengürtel verloren; trotzdem war diese .Jlehrreiche Reise von 50° N-Br zur
Linie in 17 Tagen und 16° Stunden vollendet worden. „Nymphe“ hatte die
nördliche Halbkugel in 27° W-Lg am 1. März nach 32 Tagen, „Polymnia“ in
23° W-Lg am 7. März nach 30 Tagen von Lizard und „Columbus“ in 25° W-Lg
am .8.. März nach 25 Tagen ab 50° N-Br verlassen. Dies letzte Schiff sprach
am 10, März in 2° S-Br und 25° W-Lg' die auf einer Reise von Liverpool nach
Port. Adelaide begriffene deutsche Bark „Kiandra“, welche schon 40 Tage in
See war, an. A ;
Unter noch günstigeren Umständen und in noch kürzerer Zeit, als „Peter
Rickmers“ es that, legte bald darauf der Mitsegler „Melpomene“ die Reise zur
Linie zurück. Als dieses ebenfalls vom Bristol-Kanal kommende Schiff am
25. Februar in 50° N-Br stand, lag südlich von‘ ihm noch immer das in den drei
Februarkarten angegebene Tiefdruckgebiet. Von dessen stürmischen Nordost-
winden begünstigt, rückte „Melpomene“ rasch nach Süden vor. Der krimpende
Wind und das fallende Barometer deuteten auch bei ihr darauf hin, da(s später
noch südwestliche Winde zu erwarten sein würden. Als aber am 28, Februar
bei 40° N-Br und 20° W-Lg-der Luftdruck. auf 756,5 mm gesunken war, raumte
der Ostwind wieder, und das Barometer begann zu steigen. Die so lange
herrschende Depression hatte ‚sich dann in ähnlicher Weise, wie es in Karte IV
angedeutet ist, nach Osten über Südspanien zum Mittelmeere verschoben, und im
offenen. Ozean machte sich nun: von Westen her der Einflufs eines Hochdruck-