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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1898, 
vor allen Dingen in möglichst rascher Fahrt Länge abgelaufen werden. Denn 
es ist in solchem Falle fast sicher darauf zu rechnen, dafs, wenn dies nicht 
geschieht und das Schiff die südliche Hälfte des Depressionsgebietes erreicht, 
bevor es nicht dessen östliche Hälfte verlassen hat, es durch die im südöstlichen 
Quadranten herrschenden südwestlichen Winde längere Zeit wird zurückgehalten 
werden. Erreicht dagegen das Schiff schon in verhältnilsmäfsig hoher Breite 
einen gut westlich gelegenen Standpunkt, so kann erwarteß werden, dort im 
nordwestlichen und später im südwestlichen Quadranten der Depression nordöstliche 
und nordwestliche Winde anzutreffen und bei diesen letzteren später ohne vor- 
hergehende Störung das Passatgebiet zu erreichen. Es kann freilich auch vor- 
kommen, dafs ein Schiff, welches, wenn der Ostwind zu krimpen, das Barometer 
zu fallen beginnt, nicht voller weghält nach Westen, sondern dafür den gewöhn- 
lichen auf 30° N-Br und 20° W-Lg gerichteten Kurs einhält, eine derartige 
Wetterlage antrifft, wie sie die Karte IV enthält, welche zeigt, dafs das Tief- 
druckgebiet sich während der Zeit, in welcher das Schiff nach Süden vorrückte, 
30 weit nach Osten verschoben hat, dafs der südöstliche Quadrant mit seinen 
südwestlichen Winden vom Schiffe gar nicht berührt wird. In einem solchen 
Falle würde das Schiff auf dem Wege zum Passatgebiete, nachdem der Luftdruck 
seinen niedrigsten Stand erreicht hat, wohl ein Umlaufen des Windes nach NW, 
aber doch keine Unterbrechung des günstigen Windes beobachten. Aber ein solcher 
Fall bildet die Ausnahme vom gewöhnlichen Verlaufe, den diese Depressionen 
1ehmen, und wenn dies auch stattfindet, so ist ein frühzeitig erreichter, gut 
westlich gelegener Schiffsort zur Winterszeit für ein südwärts bestimmtes Schiff 
immer vortheilhaft. 
Das entschlossene Vollweghalten nach Westen kann trotz schweren Sturmes 
aus SO, trotz niedrigen Luftdruckes und anderer drohender Anzeichen bei den 
hier in Betracht kommenden Tiefdruckgebieten auch mit geringerer Furcht vor 
einer, durch den plötzlich nach SW oder gar nach NW ausschiefsenden Wind 
geschaffenen Gefahr eher gewagt werden als in irgendwo sonst auftretenden 
Depressionen, Denn die fast stets nur langsam erfolgende Fortbewegung der 
Erscheinung macht eben ein plötzliches Ausschiefsen des Windes unwahrschein- 
licher, als es z. B. der Fall sein würde, wenn die Depression, wie es im west- 
lichen Theile des Atlantischen Ozeans über dem Golfstrom meistens geschieht, 
mit grofser Geschwindigkeit nach Osten zöge. Seemännische Vorsicht ist freilich, 
wenn bei schwerem Südoststurme nach Westen gelenzt wird, stets zu beobachten, 
Aber die aus den meteorologischen Tagebüchern gewonnene Erfahrung zeigt, 
daß noch immer manche Kapitäne, sei es aus Furchisamkeit, sei es aus Unkenntnis, 
Jiese seltene günstige Gelegenheit nicht voll und richtig ausnutzen, dafs sie in- 
folgedessen ihre Reisen bedeutend verlängern, während kühnere Mitsegler raschen 
Fortgang erzielen. Siehe die im „Segelhandbuch für den Atlantischen Ozean“ an- 
geführten Beispiele auf Seite 381 und 405. 
Was für die vom Kanal zur Linie steuernden Schiffe gilt, das gilt auch 
für alle im Winter von Lizard nach Westen bestimmten Schiffe, möge nun Nord- 
amerika oder Westindien ihr Ziel sein. Besonders erscheint es für die Nord- 
amerikafahrer gerathen, was übrigens auch schon Maury empfohlen hat zu thun, 
vom Kanal aus zunächst die direkte Route zum Ziel einzuschlagen und in dieser 
Weise den günstigen Wind bestmöglichst auszunutzen, so lange er anhält. Endet 
er und treten stürmische Gegenwinde an seine Stelle, so kann dann noch immer, 
wenn Neigung zur Einhaltung einer südlichen Route vorhanden ist, eine Solche 
aufgesucht werden, Ungewifsheit bietet dann nur noch die Frage, ob es 
empfehlenswerth ist, wenn etwa die Hälfte des Weges über den Ozean schon 
zurückgelegt worden ist, noch ganz zum Passatgebiete nach 25° oder 20° N-Br 
abzuhalten oder zu versuchen, zwischen 30° bis 35° N-Br den Rest der Länge gut- 
zumachen. Am richtigsten wird es auch da vielleicht sein, sich nicht zu lange 
mit Kreuzen gegen widrige Winde in derselben Breite aufzuhalten, vielmehr, 
wenn solche angetroffen werden, frühzeitig südlicher zu segeln auf der Suche 
nach günstigeren Winden. Der Erfolg wird dabei freilich stets ein ungewisser 
sein. Der Westindienfahrer wird ebenfalls am besten tfhun, wenn er bei günstigem 
Winde von Lizard aus zunächst den kürzesten Weg zum Bestimmungshafen, der 
für ihn ungefähr über die Azoren führt, einschlägt und ihn so lange einhält, 
wie es der Wind erlaubt. Ohne etwas von den Gesetzen, welchen die Winde
	        
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