152
Antıklen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1898,
sich von in anderen Theilen dieses Meeres vorkommenden ähnlichen Bildungen
mehrfach unterscheiden. Die besonderen Merkmale sind ihre lange Dauer, ihre
langsame Fortbewegung auf der vorherrschend nach Ost und SO gerichteten
Bahn und die Häufigkeit der sie begleitenden elektrischen Erscheinungen. Da
zur Zeit ihres Auftretens über Nordwesteuropa meistens ein Hochdruckgebiet
liegt, wehen dann im Kanal und im Busen von Biscaya frische oder stürmische
Ostwinde, und die in der südlichen Hälfte des Tiefdruckgebietes herrschenden
westlichen und südwestlichen Winde dehnen sich nicht selten bis weit in das
eigentliche Passatgebiet, bis zu den Kap Verden, aus. Nirgendwo sonst giebt
es Tiefdruckgebiete, in welchen der Schiffsführer mit mehr Aussicht auf Erfolg,
die Veränderung der Wetterlage vorherbestimmen, den günstigen Wind aufsuchen
kann als in diesen. Die Seewarte kann aus den in ihrem Besitze befindlichen
Wetterbüchern eine große Zahl von Beispielen anführen, in denen der mit diesen
Verhältnissen bekannte und danach richtig handelnde Kapitän eines langsam
segelnden Schiffes dem weniger unterrichteten, rascheren Mitsegler gegenüber
eine sehr kurze Reise zur Linie vollendete. Es kommt nicht ganz selten vor,
daß der Mittelpunkt eines dieser Tiefdruckgebiete sich von Tag zu Tag nach
verschiedenen Richtungun hin nur um ein Geringes verlegt, dafs aber dabei
wochenlang die eigentliche Wetterlage eine fast unveränderte bleibt. Zuerst
nur flache Gradienten besitzend, vertiefen sie sich meistens erst, nachdem ihr
Mittelpunkt östlich von den Azoren gekommen ist. Der niedrigste in ihnen beob-
achtete Luftdruck scheint 718 mm zu sein. Manche füllen sich schliefslich aus,
ohne weiter zu ziehen; einige bewegen sich indessen über Südspanien hinweg zum
Mittelmeere und verursachen dort schwere Stürme, während gleichzeitig in
Deutschland bei verhältnifsmäßig gutem Wetter östliche Winde herrschen. Die
unten folgenden vier Kärtchen, welche nach den gröfseren synoptischen Karten
der Seewarte gezeichnet sind, geben Darstellungen von Tiefdruckgebieten
dieser Art.
Karte I giebt das Bild einer sehr regelmäfsig gebildeten Depression mit
heftig stürmenden Winden, die am 12. November 18585 über dem zwischen den
Azoren und der Straße von Gibraltar liegenden Meerestheile lagerte. Dieses
Tiefdruckgebiet, welches sich am 9. November unweit 40° N-Br und 25° W-Lg
gebildet zu haben scheint, lag später für längere Zeit und unter wechselnder
Gestalt nahezu still. Nachdem sein Mittelpunkt sich am 19. November zum Busen
von Biscaya verlegt hatte, verschwand es schliefslich. Ueber Nordeuropa herrschte
während seiner Dauer ein Hochdruckgebiet, im Kanal wehten Ostwinde, die zeit-
weise heftig stürmten, und bei Madeira Südwestwinde von gleicher Stärke. Das
Tiefdruckgebiet der Karte II vom 19. Dezember 1886 bildete sich ebenfalls erst
östlich von den Azoren an der Südostseite eines grofsen, sich in südwestlicher
Richtung über den ganzen Nordatlantischen Ozean vom Polar- bis zum Wende-
kreise ausdehnenden Hochdruckgebietes, Dies Tiefdruckgebiet nahm rasch an
Tiefe zu, füllte sich aber ebenso schnell wieder aus und verschwand, nachdem
es vier Tage angehalten hatte. Abweichend von dem gewöhnlichen Zustande
herrschte damals über Europa nur geringer Luftdruck. Dagegen lag während
der Zeit, als die in Karte III angegebene Depression vom 30. Dezember 1890
dauerte, über Nordeuropa ein Gebiet hohen Luftdruckes, welches im Kanal
mehrere Tage anhaltende stürmische Ostwinde verursachte. Dies Tiefdruckgebiet,
in welchem sich keine steilen Gradienten bildeten, bewegte sich langsam nach SO
und Ost und füllte sich aus, nachdem es Spanien erreicht hatte. Es läfst sich
in den betreffenden synoptischen Karten während etwa sechs Tage verfolgen.
Das Tiefdruckgebiet der Karte IV endlich, vom 6. Januar 1891, gehört zur
Klasse jener Depressionen, die sich auf ihrer ostwärts gerichteten Bahn vom
offenen Ozean her über Südspanien hinweg zum Mittelneere fortpflanzen, die sich
dort dann meistens noch mehr vertiefen und schwere Stürme hervorrufen, Kin
solcher Wirbel war auch jener in den „Annalen der Hydrographie“ für 1895
erwähnte, welcher dem spanischen Kriegsschiff „Reina Regente“ mit seiner ganzen
Besatzung den Untergang brachte. Ueber Nordwesteuropa und dem Meere
zwischen Island und Grofsbritannien lag am 4, Januar 1891 ein Hochdruckgebiet,
südwestlich von welchem inmitten des Ozeans das betreffende Tiefdruckgebiet
entstand. Zwei Tage später hatte es schon, begleitet von in seiner nördlichen
Hälfte über dem Busen von Biscaya und im Kanal wehenden stürmischen Ost-