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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Meufs: Örkanartiger Sturm bei Kap Horn am 20. bis 22. April 1896, 451 
„21. Gegen 5ha nrkanartiger Sturm, hohe wilde See, die beiden Rettungsboote und Gig 
werden zertrümmert, Vorback schlägt ein, Nähte im Deck öffnen und schliefsen sich an B,B., Von 
Sb a bis 11bp liegt das Schiff bis ans Luk im Wasser, Deck gleicht einer Brandung, Verkehr fast 
unmöglich, können kein Feuer halten. Ruderkasten schlägt ein, viele lose Gegenstände gehen über 
Bord, Segel wehen aus den Zeisings. Mastkragen springen von der ungeheunren Erschütterung. Im 
Raum kommt die Ladung los. Die Diagonalschienen am Fockmast sind verbogen, zwei Stützen an 
Vorkante vom Fockmast ausgerissen, eine Menge Decks- und Zwischendecksbalken, da, wo die 
Laschen an Bord angebracht sind, in der Schweifsung eingerissen. Der ganze Bug an St. B. jst ein- 
gedrückt, Oberverschauzung und Wasserbrecher gelöst und verbogen, St. B.-Feuerthurm, Schirm und 
Glas fort u. s. w. mehr. Es war ein schauderhaftes Wetter. Schiff dicht. Oelbeutel im Gange, 
Da wir gerade in der Linie von Diego Ramirez umd Kap St, John waren, mufs uns wohl eine 
Fluthwelle getroffen haben, die all das Unheil angerichtet hat.“ 
Außer „Artemis“ gebrauchte noch „Susanna“ Oel zur Beruhigung der See. 
Dafs unter den geschilderten Verhältnissen die zwölf deutschen Schiffe im 
Wesentlichen nur geringe Beschädigungen erlitten, stellt der Schiffsführung das 
beste Zeugnifs aus. Meulfs. 
Einige Angaben über die im Spätherbst und Winter südöstlich 
von den Azoren auftretenden Tiefdruckgebiete und deren Bedeutung 
für die Schiffahrt. 
Von HERM. HALTERMANN, Assistent der Scewarte. 
Die maritimen meteorologischen Verhältnisse sind in ihren‘ Hauptzügen 
denjenigen Seeleuten, welche den Arbeiten der Seewarte mit Aufmerksamkeit 
folgen, hinreichend bekannt‘ geworden. Wie die in den meteorologischen Tage- 
büchern nicht selten vorkommenden Bemerkungen zeigen, wird die zur Zeit 
herrschende Wetterlage von den Schiffsführern, so weit dies möglich ist, meistens 
yanz richtig beurtheilt; nicht selten erscheinen die ausgesprochenen Ansichten 
sogar zu sanguinisch. Denn immer wird es in vielen Fällen für den einsam auf 
seinem Schiffe weilenden, nur auf sich und seine Beobachtungen angewiesenen, 
seinen Ort von Tag zu Tag verändernden Seemann ein unsicheres Ding bleiben, 
den während der nächsten Tage zu erwartenden Wind im Voraus zu bestimmen, 
Annehmen, es liefse sich dies für alle Fälle mit Sicherheit thun, würde bedeuten, 
dafs die Wetterprognose, welche den mit allen Hülfsmitteln ausgerüsteten Land- 
instituten Schwierigkeiten bereitet, vom Seemanne könne erfolgreicher ausgeführt 
werden.‘ Der theoretisch gebildete Kapitän wird sich ebenso wie der ungebildete 
in vielen Fällen damit begnügen müssen, das zu erwartende Wetter oder den für 
ihn ja nur .in Betracht kommenden Wind nach früher beobachteten ähnlichen 
Wetterlagen, nach der Erfahrung, zu beurtheilen. Wie für sichere Reisen die 
alten Hülfsmittel der Schiffahrt, der Gebrauch des Lothes, des Ausgucks und der 
Logge, gegenüber den oft überschätzten, so leicht zum gefährlichen Sicherheits- 
gefühl verleitenden Hülfsmitteln der Neuzeit nichts von ihrer Wichtigkeit ver- 
loren haben, so ist tüchtige Seemannschaft in Verbindung mit energischer, nie 
ermüdender Ausnutzung der gegebenen Verhältnisse nach wie vor die wichtigste 
Eigenschaft zur Erzielung rascher Reisen. Aber zur jetzigen Zeit können und 
müssen doch auch die Jedem so leicht zugänglichen theoretischen Kenntnisse vom 
Kapitän verlangt werden, Denn der allseitig unterrichtete Schiffsführer wird bei 
sonst gleichen Eigenschaften dem ununterrichteten. weit überlegen sein. Es giebt 
Wetterlagen, deren richtige. Ausnutzung nur dem theoretisch gebildeten Schiffs- 
führer gelingen wird. Von einer solchen, die, bevor die Seewarte ihre Arbeiten 
begann, unbekannt war, welche der Verfasser dieser Abhandlung ihrem Wesen 
nach zuerst erkannte, und auf welche er die Seeleute in den Reiseberichten des 
„Piloten“ möglichst oft und nachdrücklich aufmerksam machte, soll in der folgenden 
Arbeit gesprochen werden, In dem von der Seewarte herausgegebenen „Segel- 
handbuch des Atlantischen Ozeans“ befindet sich darüber Seite 204 ebenfalls 
eine eingehende Beschreibung. . 
Im Spätherbst und Winter, besonders während der Monate November’, 
Dezember und Januar, treten im östlichen Theile des Nordatlantischen Ozeans, 
welcher‘ zwischen den Azoren. und Portugal liegt, oft Tiefdruckgebiete auf, die
	        
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