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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1898.
Auf der rechts auf der Vorderseite befßndlichen „Nymphe“ tritt 2 Stunden
vor dem niedrigsten Stand des Glases totale Stille ein, dann 2'/ Stunden lang flauer
Ostwind, dem ein plötzliches Umspringen in orkanartiger Stärke auf WSW folgt.
Die übrigen Schiffe haben bei dem tiefsten Barometerstand vollen Orkan,
sechs verzeichnen Windstärke 12, je zwei 11 bis 12 und 11. Die Winde in
Orkanstärke treten schon bei fallendem Glase auf, im Allgemeinen ist ihre Dauer
nach dem tiefsten Stand länger als vor demselben. „Flottbeck“ und „Artemis“
machen hierin eine Ausnahme.
Die durchschnittliche Dauer des Sturmes mit Windstärken 8 und darüber
beträgt 24 Stunden, was mit der Zeitdauer genau übereinstimmt, welche zwischen
dem Vorübergang des Wirbels an dem westlichsten und dem östlichsten Schiffe liegt.
Die nebenstehende Gegenüber-
stellung der Dauer des Sturmes und der
Zeit, während welcher in ihm orkanartige
Windstärken beobachtet wurden, zeigt,
dafs ungewöhnlich steile Gradienten in
der Nähe des Centrums vorhanden waren,
die Zahlen in der dritten Spalte, dafs sie
am steilsten in der hinteren Hälfte waren.
Elektrische Erscheinungen wurden
nur auf den Schiffen der östlichen Gruppe
beobachtet am 20. um Mitternacht auf
„Poncho“, „Prompt“, „Meridian“, „Arte-
mis“, bei Allen als Vorläufer des in
Orkanstärke hereinbrechenden Windes.
„Flottbeck“ sah am 21. 2"a einige sehr
harte Blitze und beobachtete Donner-
schläge, gegen 4*a vollen Orkan.
Hagel fiel in einer furchtbaren
Böe aus WNW am 21. 1 30” a auf
„Prompt“ vor dem Herannahen des Wir-
belcentrums, auf „Pera“ und „Palmyra“
nach dessen Vorübergang.
Auf „Klio“ fiel das Thermometer, das am 20. Mittag 14,5° zeigte, bis 4" p
auf 8,7° und stieg dann allmählich wieder bis 21. Mittag auf 10°; eine vorüber-
gehende Abnahme auf 4,5° bis 4° der durchschnittlich 6° betragenden Luftwärme
beobachteten: „Helicon“ vom 20. Mitternacht bis 21. 4 a, „Palmyra“ und „Pera“
vom 21. Mittag bis 8% p, „Poncho“ vom 21. 8"p bis Mitternacht bei steigendem
Barometer und westlichem Winde nach Vorübergang der Depression. „Nymphe“,
„Flottbeck“, „Dione“, „Artemis“, „Prompt“ hatten keine Temperaturänderung;
„Susanna“ und „Meridian“ haben keine Ablesungen des Thermometers eingetragen.
Der Seegang wird von allen Beobachtern als furchtbar hoch, wild durch-
einander laufend geschildert, die Luft war zeitweise ganz mit Gischt erfüllt,
Wir theilen zum Schlufs noch einige Angaben aus den Journalen mit.
Auf „Prompt“, welcher vor der See lenzt, werden am 21. 10*a 16 Säure-
kisten von der See zerschlagen, die übrigen 40 Stück, um weiteres Unheil zu
verhüten, über Bord geworfen. Das Schiff liegt zeitweise platt nach Lee ge-
drückt schief.
„Meridian“, der vor dem Umspringen des Windes auf B. B.-Halsen beiliegt,
fliegt am 21. 2*a das Voruntermarssegel weg.
„Flottbeck“, der bis dahin mit Backstagsbriese gelaufen ist, dreht am 20.
8b p auf B, B.-Halsen bei, um 4"a am 21. flogen Grofsuntermarssegel und die
Leeschoot des Voruntermarssegels weg, obgleich die Segel ganz neu. Um 9*
abends nahm das Schiff einen furchtbaren Brecher über, der Alles, was nicht in
den Schiffsrumpf eingebaut war, über Bord rifs, u. A. zwei Rettungsboote und
eine Gig. Die Mannschaft war glücklicherweise in der Takelage. Mit diesem
Brecher ging die Ladung bedenklich über, konnte jedoch am folgenden Vormittag
mit alle Mann getrimmt werden.
„Artemis“, obwohl am fernsten von der Bahn des Centrums auf St, B.-
Halsen beigedreht, wird von dem Orkan und namentlich von der See am härtesten
mitgenommen. Das meteorologische Journal berichtet darüber: