Meufs: Orkauartiger Sturm bei Kap Horn am 20, bis 22, April 1896, 147
Orkanartiger Sturm bei Kap Horn am 20. bis 22. April 1896.”
(Hierzu Tafel 10.)
Schwere Stürme gehören in der Umgebung des Kap Horn nicht gerade
zu den Seltenheiten, indessen dürften auch dort Stürme, in welchen in drei auf-
einander folgenden Wachen Windstärke 12 beobachtet wurde und das Barometer
auf einzelnen Schiffen bis 695 mm fiel, immerhin zu den Ausnahmen gehören.”)
Das „Nautical Magazine“ vom Juli 1896 richtete zuerst die Aufmerksamkeit auf
einen Sturm, welcher vom 20. bis 22. April 1896 westlich und südlich des Kap
Horn aufgetreten war und in welchem vier englische Schiffe — die Viermast-
bark „Gowanbank“ (2205 t), entmastet von der Mannschaft verlassen, „Bankville“
(963 t), „Gitana“ (1273 t), „Belpore“ (1142 t) — verloren gingen, vier andere —
„Queen of Scots“, „Pass of Balmaha“, „St. Enoch“ und „Blackbrass“ — zum
Zurücklaufen nach den Falklands - Inseln bezw. die letzte nach Montevideo ge-
zwungen wurden, mit den Worten: „Dieser Sturm ist einer der verhängnifsvollsten
für die Schiffahrt bei Kap Horn seit langen Jahren gewesen“.
Von deutschen‘ Segelschiffen, deren Führer das meteorologische Journal
der Seewarte führen, befanden sich zwölf im Bereich dieses Sturmes. Die Namen
folgen hier unten; die eingeklammerten Buchstaben geben die für die synoptischen
Kärtchen (Tafel 10) gewählten Abkürzungen der Schiffsnamen.
Hamburger Vollschiff „Klio“ (K), Kapt. G. Schmidt, 1596t. Caleta
Buena— Hamburg.
Hamburger Vollschiff „Susanna“ (S), Kapt. D. Gerdau, 1909 t. Iquique
—Hamburg.
Hamburger Bark „Dione“ (D), Kapt. J. Christiansen, 642t. Manta
‘Ecuador)—Hamburg. ; .
Hamburger Vollschiff „Helicon“ (H), Kapt. F. Brandiner, 1566 t.
{quique— Hamburg. ; a
Bremer Vollschiff „Nymphe“ (N), Kapt. G. Hilmer, 2075t. New
Castle on Tyne— Caleta Buena. ; .
Tamburger Vollschiff „Flottbeck“ (F), Kapt. H. Junge, 1888 t.
Dortland (Columbia) —Kanal. für Ordre. '
Jamburger Vollschiff „Pera“ (Pe), Kapt. J. Neumann, 1687 t.
Tamburg—Iquique. ;
AXamburger Vollschiff „Palmyra“ (Pa), Kapt. A. Teschner, 1721 t.
Hamburg— Valparaiso.
Hamburger Bark „Meridian“ (M), Kapt. J. Traulsen, 1421 t.
Hamburg — Tocopilla. ; )
Hamburger Bark „Prompt“ (Pr), Kapt. M. Grapow, 1363 t. Hamburg
—Valparaiso. .
11. Hamburger Bark „Poncho“ (Po), Kapt. F. Wienefeld, 819t. Santos
— Punta Arenas.
12. Hamburger Bark „Artemis“ (A), Kapt. R. Mehring, 1407 t. Hamburg
—Port los Angeles,
An der Hand der sorgfältigen Beobachtungen dieser Schiffe, von denen
„Klio“ als zu weit nördlich im Stillen Ozean stehend nur in geringerem Mafse ’in
Betracht kommt, wollen wir versuchen, den Verlauf des Sturmes zu schildern.
Betreffs der Sicherheit der Schiffsörter auf den synoptischen Kärtchen ist
Folgendes zu bemerken: nur „Nymphe“ hat täglich astronomische Beobachtungen
gehabt, „Dione“ am 19. und 21,, „Pera“, „Palmyra“, „Meridian“, „Poncho“,
„Prompt“ am 19. und 22., „Artemis“ am 20. und 22., „Helicon“ am 18. und 21,,
3.
;) Alle in der Arbeit erwähnten Barometerstände sind reducirt.
2) Im „Segelhandbuch für den Stillen Ozean“ ist als tiefstes absolutes Minimum 702 mm
aus 252 Stürmen bei Kap Horn abgeleitet. In seinen werthvollen „Beiträgen zur Kenntnifs der Wind-
und Wetterverhältnisse des der Südspitze Amerikas benachbarten Meeres“, die sich auf Beobachtungen
aus dem Jahrzehnt 1882 bis 1891 stützen, giebt Kapt. H. Haltermann 698,4 mm als niedrigsten
beobachteten Barometerstand an, den „Nereus“ am 13, April 1890 in 59° S-Br und 69° W-Lg, also
in derselben Gezend beobachtete (siehe diese Annalen, Jahrgang 1892, Seite 245).