Ueber Schiffbrüche in der Umgebung von Kap Finisterre.
Stromwirkung um desto eher glaubt schätzen oder beurtheilen zu können, je
besser man ihre Ursachen kennt, daher erscheint das Suchen nach den Ursachen
der Strömungen berechtigt. In der Bucht von Biscaya ist. ncuerdings die Ab-
hängigkeit der Strömungen vom Winde nachgewiesen. Siehe „Annalen der
Hydrographie“, Jahrgang 1895, Seite 292 u. ff. sowie Seite 427 u. ff.*) Die
eine dieser Untersuchungen bezieht sich auf den Dampferweg vor der Bucht
von Biscaya zwiechen Ounessant und Kap Finisterre, die andere auf die Bucht
selber und die Nähe der Küste im Innern der Bucht. Im „North Atlantic Ocean“
von A. G. Findlay, 15. Auflage vom Jahre 1895, Seite 299 ff.i, in den „Sailing
Directions“ der britischen Admiralität für die Westküsten von Frankreich,
Spanien und Portugal, London 1891, Seite 292, und auch in den vom Hydro-
graphischen Amt der französischen Marine herausgegebenen „Instructions nautiques
sur les cötes Nord et Ouest d’Espagne et de Portugal“, Paris 1891, Seite 3,
findet man dieselbe Ansicht ausgesprochen. Ob daher durch Messungen der
Wassertemperatur wesentliche Aufschlüsse in Bezug auf die Ursache dieser
Strömungen zu erwarten sind, erscheint fraglich. Dagegen würden dieselben auf
die Entstehung und Ausdehnung der so häufigen Nebel an diesen Küsten vielleicht
Rückschlüsse gestatten. .
In allen angeführten Werken wird an verschiedenen Stellen auf die Ge-
fährlichkeit dieser Strömungen hingewiesen und für das Passiren des‘ Kaps
Finisterre ein guter Abstand und grofse Vorsicht empfohlen, dem auch wir bei-
pflichten. Was bei eintretendem Nebelwetter unter Anwendung großer Vorsicht
geschehen kann, wird ein verständiger Seemann aus den ihm zu Gebote stehen-
den Mitteln und Anweisungen wohl ersehen können, und wenn er bedenkt, welches
Risiko er hier unter solchen Verhältnissen läuft, sollte er‘ sich auch nicht
scheuen, die dafür verlangte Prämie an Zeit und Arbeit zu zahlen. Man kann
dem Herrn Konsul Meyer nur dankbar sein, dafs er öffentlich diesem Gedanken
Ausdruck verliehen hat. Wenn dies allseitig bedacht würde, so würden die von
den Rhedern baar zu zablenden Versicherungsprämien auch entschieden geringer
werden, weil das Risiko der Versicherer dadurch ebenfalls kleiner würde,
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Numero 5000 der meteorologischen Journale von Segelschiffen,
Am 11. Oktober d. J. ging bei der Seewarte von der grofsen Flotte der
deutschen Kauffahrtei-Segelschiffe, welche seit Gründung des Instituts sich stets
so eifrig an der wissenschaftlichen Erforschung der Luft- und Wassermeere be-
theiligt und damit zugleich der praktischen Schiffahrt die wichtigsten Dienste
geleistet hat, der 5000, Band der von ihr gelieferten meteorologischen Journale
ein. Derselbe kommt vom Kapt. A. Leopold, Führer des Bremer Vollschiffes
„Rigel“, und enthält die Beobachtungen auf einer Rückreise von Bassein nach
dem Kanal während der Zeit vom 22. Mai bis 11. September 1898; Kapitän
Leopold ist einer der ältesten und besten Mitarbeiter der Seewarte, der seine
Journalführung bereits im Jahre 1879 begonnen und bis jetzt ununterbrochen
1) Da, wie der seeamtliche Spruch festgestellt hat, diese Arbeiten auf „Barcelona“ nicht
bekannt waren, nehmen wir Veranlassung, auf den in diesen Annalen, 1898, Seite 280, veröffent-
lichten Auszug aus einem Spruch desselben Seeamtes hier nochmals hinzuweisen; „Es kann
überhaupt den deutschen Schiffsführern nicht genug empfohlen werden, die Ver-
öffentlichungen der Deutschen Seewarte eingehend zu verfolgen.“
In dem angezogenen „Barcelona“- Fall ist in den Gründen des seecamtlichen Spruches noch
ausgeführt, dafs ein veraltetes Kartenmaterial benutzt wurde, auf welchem eine weit gröfsere
Variation als die jetzt herrschende angegeben war; es kann nicht genug empfohlen werden, auch
mit Rücksicht auf Lothungen nur neue amtliche Seekarten zur Navigirung zu benutzen. In
den britischen Admiralitäts-Karten dieser Gegend befindet sich übrigens auch die Warnung: Wenn
man nicht unbedingt seines Schiffsortes sicher ist, so soll man sich bei Nacht oder in dickem Wetter
möglichst weit von Land entfernt halten. Die Strömung, obgleich sehr veränderlich, setzt
stark nach Osten, sowohl in der Bucht von Biscaya als an der spanischen Küste.
Die im seeamtlichen Spruch noch enthaltenen Bemerkungen über die Behandlung der
Kompasse weisen erneut darauf hin, dafs vor Antritt der Reise und auf dieser selbst keine
Gelegenheit versäumt werden sollte, die Deviation zu bestimmen und zu kontroliren. Die durch
die Seewarte und deren Hauptagenturen gebotene Möglichkeit, die Kompasse von Zeit zu Zeit nach-
sehen und regaliren zu lassen, sollte nicht unbenutzt bleiben.
Ann. d. Hydr. ete., 1398, Heft XI.