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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1898. 
grofßsem Abstande von dieser Küste. In beiden Werken werden demnach auch 
die häufigen Verluste angegeben, doch nicht die näheren Umstände, die dabei 
vorwiegend in Betracht kommen. 
Zu den persönlichen Ansichten des genannten Herrn darf man wohl die 
folgenden rechnen: 1. dafs das Loth dem Schiffer in den meisten Fällen gar 
nichts sagt, weil die Küste zu steil ist; 2. dafs man bei plötzlich eintretendem 
Nebel sofort nordwärts steuern sollte; 3. dafs es wohl schwerlich jemals möglich 
sein wird, eine haltbare Theorie über die Ursachen der dortigen Strömungen zu 
entwickeln, weil dabei zu viel Nebenwirkungen in Frage kommen, die die 
eigentliche Ursache der Strömungen, die sich auszugleichen suchenden Temperatur- 
unterschiede, beeinflussen. 
Unter Zugrundelegung des allein richtigen Princips, dafs die Sicherheit 
des Schiffes in erster Linie in Betracht zu ziehen sei, und dafs man dieser getrost 
Zeit opfern sollte, wie man ja auch die Versicherungsprämie opfert, um sich beim 
etwaigen Unglücksfall möglichst finanziell schadlos zu halten, gelangt er von der 
unter 1. genannten Meinung zu dem unter 2. genannten Vorschlage. ; 
Es sei hierzu bemerkt, dafs es wohl in manchen Fällen zutreffend sein 
mag, dafs das Lothen dem Schiffsführer nichts genützt und er dennoch sein 
Schiff hier verloren hat. In solchen Fällen dürfte die Schuld aber nicht aus- 
schließlich an der Steilheit der Küste liegen, sondern vornehmlich daran, dafs 
man auf grofsen Wassertiefen nicht gern regelmäfsig lothet.!) Nach den im 
Jahre 1887 herausgegebenen Britischen Admiralitäts-Karten No. 1053 und 1755, 
an deren Zuverlässigkeit man kaum zweifeln darf, verläuft die Tiefenlinie von 
100 Faden (183 m) zwischen dem Kap Ortegal und dem Kap Villano in mindestens 
5 bis 9 Sm Entfernung von den vorspringenden Küstenpunkten oder abliegenden 
Untiefen, und auch zwischen dem Kap Villano und dem Kap Finisterre liegt sie 
der Küste nur wenig näher, so dafs man unter geringeren Zeitverlusten durch 
Lothungen seinen Schiffsort hier besser zu bestimmen in der Lage ist, als wenn man 
versucht, dies durch einen einige Stunden zu steuernden Nordkurs zu erreichen, 
am aus dem Nebel zu gelangen, wodurch man selbst bestenfalls noch nicht 
sofort Sicherheit über seinen Schiffsort erreicht. Die 50 Faden-Linie verläuft 
auf der ganzen Strecke nur in 1 bis 2 Sm Entfernung von der Küste und führt 
in einigen Fällen sogar dicht an Untiefen entlang, so dafs bei Lothungen auf 
geringen Wassertiefen allerdings die Voraussetzung zutrifft, daß das Loth in den 
meisten Fällen nichts nützt. Für diesen Fall, und wenn der Nebel nur bis zu 
einer geringen Entfernung von der Küste?) reicht, mag auch der unter 2. genannte 
Vorschlag von wirklichem Nutzen werden können, wenn auch verhältnifsmäfsig 
viel Zeit dabei verloren geht; jedenfalls verhütet er die Strandung. 
Was die Strömungen in der Nähe dieser Küste anbetrifft, so würden 
sie, wenn ihre Richtungen und Geschwindigkeiten gleichmäfsig wären oder regel- 
mäfsigen Aenderungen unterworfen, nicht sehr gefährlich sein, weil man ihren 
Wirkungen mit Sicherheit entgegen arbeiten könnte. Ihre Gefährlichkeit liegt 
eben vornehmlich in ihrer unregelmäfsigen Veränderlichkeit, die sowohl die 
Richtung als auch die Geschwindigkeit der Strömungen betrifft, deren Werthe 
man nicht kennt. Es liegt nun freilich in der Natur der Sache, dafs man die 
1) Das Lothen mit dem gewöhnlichen Tiefloth oder dem Sackloth in solchen Tiefen, wie 
hier in Frage stehen, ist allerdings sehr umständlich und zeitraubend, und ein regelmäfsig in kurzen 
Zeitabständen fürtgesetztes Lothen, wie allein es von Nutzen für die Ortsbestimmung ist, bei der 
zeringen Stärke der Decksmannsehaft der meisten Dampfer auch nur schwer durchführbar. 
Hier kann nur durch allgemeine Einführung und Verwendung einer nach 
Thomsons Prinzip konstruirten Lothmaschine, welche das Lothen in Fahrt anch 
auf solchen Tiefen gestattet, nur zwei Mann zur Bedienung erfordert und ein 
viertelstündiges Louthen ermöglicht, Wandel gesehaffen werden. 
Die Anschaffungskusten einer solchen Lothmaschine und der Ersatz der 
verbrauchten Röhren stehen in keinem Verhältnifs gegenüber den Werthen von 
Schiff und Ladung, von den Menschenleben ganz abgesehen, welche durch den aus 
oben angeführten Gründen ganz unzureichenden Gebrauch des gewöhnlichen Lothes 
aufs Spiel gesetzt werden, 
Dies gilt, vom vorliegenden Fall abgesehen, nicht nur für Dampfer, sondern auch für 
Segelschiffe, bei denen die zur Ausführung des Lothens erforderliehen Segelmanöver Reihenlothungen 
noch schwieriger machen als auf Dampfern. 
2) Eine eingehende Untersuchung darüber, wie weit durchschnittlich der Nebel von der 
Küste bis nach See zu sich erstreckt. ist für die Sicherheit der Naviyirunge sehr zu wünschen.
	        
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