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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Ueber Schiffbrüche in der Umgebung von Kap Finisterre, 
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Nach. dem‘ Berichte des Herrn Professors Campano vom Instituto hier 
hatten wir in den letzten elf Jahren durchschnittlich 96 Nebeltage. © ; 
In derselben Zeit war die Durchschnittstemperatur nur 13° C. ; ; 
Mit Hochachtung 
Der Kaiserliche Konsul. 
Paul Meyer, 
Dieses Schreiben ist in mehrfacher Hinsicht von Interesse .für Seefahrer. 
Man kann es in zwei Abschnitte zerlegen, von denen der eine positive That- 
sachen und Umstände anführt, der andere persönliche Ansichten ausspricht zu 
dem Endzwecke, Strandungen in dieser Gegend möglichst‘ zu verringern. Kin 
gewifs anerkennenswerthes Unternehmen. . . 
Unter den ‚positiven Angaben wird zunächst unter Anführung von ‘Einzel- 
heiten die freilich auch sonst bekannte Thatsache konstatirt, dafs. häufig 
Strandungen und Schiffbrüche während Nebels an der Nordküste. Spaniens, in 
der Umgegend des Kaps Villano, ‚stattfinden, die man allgemein auf plötzlich 
eintretenden .Nebel und Stromversetzung zurückführt; es wird darin gesagt, dafs 
sich diese ‚Schiffbrüche zwischen Kap Hercules und Kap Villano bei Nebelwetter 
mit beunruhigender Häufigkeit ereignen. Das Schreiben konstatirt ferner die 
häufig. vorkommenden Stromversetzungen zwischen Kap Ortegal und Kap Finisterre, 
ebenso den Umstand, dafs die Küste häufig in Nebel gehüllt ist, während in 
einiger Entfernung davon klares Wetter herrscht, und endlich, dafs es während 
der letzten elf Jahre durchschnittlich jährlich 96 Nebeltage in Coruna gegeben 
hat. Es erwähnt auch die an Bord ausgeführten Handlungen bei eintretendem 
Nebel, wie folgt: Der Schiffer verringert . die Fahrt des Schiffes, giebt Nebel- 
signale und gebraucht auch wohl das Loth. 
Diese sämmtlichen Angaben, die tbeils genügend, theils ungenügend oder 
gar nicht bekannt sind, bleiben sehr werthvoll. Es mag dem hinzugefügt werden, 
dafs diese Strandungen meistens Schiffe betreffen, die südwärts steuern, 
Die Auführung positiver Vorkommnisse in gefährlichen Gegenden kann 
immer nur von Nutzen für die Schiffahrt sein, denn erfahrungsmäfßig wirken 
Beispiele stets besser als Lehren. Aufserdem ergänzen solche T’hatbestände die 
den Seeleuten zur Verfügung stehenden Segelanweisungen, die in der Regel die 
Gefährlichkeit einer bestimmten Gegend eingehend erörtern, jedoch Beispiele 
zur Belegung nicht oft anführen. Hs dürfte deshalb auch angebracht sein, den 
Spruch des Seeamts Hamburg, soweit er die positive Ursache der Strandung 
des Dampfers „Barcelona“ enthält, hier wiederzugeben. Er lautet: „Die Strandung 
des Schraubendampfers »Barcelona« auf Sta. Marifia Point unweit Kap Villano an 
der spanischen Nordküste, welche den Untergang des Schiffes zur Folge hatte, 
ist in erster Linie auf den zur Zeit der Strandung herrschenden dichten Nebel 
zurückzuführen, welcher das rechtzeitige Sichten des Landes verhinderte. Die 
Verhandlung ergab ferner, daß eine starke östliche Strömung das Schiff versetzt 
hat, wodurch es innerhalb Kap Finisterre gerieth, anstatt westlich von demselben 
zu passiren, wie man beabsichtigt hatte.“ Dieser Spruch kann als weiterer Beleg 
dienen, denn er deckt sich vollständig mit den in dem Schreiben des Herrn 
Konsuls Meyer erwähnten Verhältnissen. 
Im „Directory for the North Atlantic Ocean“ von A. G. Findlay, 15. Auf- 
lage vom Jahre 1895, wird auf Seite 308 in einer Fußnote angeführt, dafs in 
den fünf Jahren von 1888 bis 1892 an der Nord- und Westküste von Spanien und 
Portugal 176 britische Handelsschiffe wrack geworden sind. Es folgen daselbst 
auch noch die Beispiele von dem am 10, November 1890 erfolgten Verluste des 
englischen Kriegsschiffes „Serpent“ beim Kap Villano, von dessen 176 Mann 
starker Besatzung nur drei Mann gerettet wurden, sowie von dem Verluste des 
englischen Dampfers „Trinacria“ der Anchor—Linie, der am 7. Februar 1893 
an derselben Stelle verloren ging, wobei 44 Menschenleben zu Grunde gingen. 
Auch die „Sailing Directions“ der britischen Admiralität für die Westküsten von 
Frankreich, Spanien und Portugal vom Jahre 1891 ‚geben in einer Fufsnote auf 
Seite 292 die Verluste infolge von Strandungen in der Nähe des Kaps Finisterre 
an, und zwar für die weiter zurückliegende Zeit vom Jahre 1877 bis 1882 mit 
15 Schiffen. Damals war aber der Dampferverkehr noch verhältnifsmälsig gering, 
und die große Zahl der Segelschiffe hielt sich und hält sich auch jetzt noch .in
	        
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