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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1898.
Als sich am 9. und 10, ein Hochdruckgebiet von der Biscaya-See her über
Kontinentaleuropa ausbreitete, wurde die Depression von Deutschland nordwärts
durch Skandinavien gedrängt, wobei am 9, an der Nordsee steife bis stürmische
nordwestliche Winde auftraten, während die östliche Ostsee im Bereiche einer
kleinen Theildepression ausgedehnte Gewitter hatte.
Am 11. breitete sich ein Hochdruckgebiet über ganz Centraleuropa aus.
Es bildete sich dann ein Kern hohen Druckes über Skandinavien, und am 12.
bis 14. war fast ganz Europa durch ein Hochdruckgebiet bedeckt, das zunächst
von Norden, später von Osten her über Centraleuropa ausgebreitet lag, indem der
Kern höchsten Druckes vom Ostseegebiet über Finnland nach Westrussland fort-
schritt. Bei Winden aus östlichen Richtungen an der Küste hatte die Ostsee am
12. und 13. vielfach Nebel, Die folgenden Tage vom 14. bis 17. brachten der
Ostsee und östlichen Nordsee vorwiegend heiteres Wetter bei meist südöstlichen
bis östlichen Winden, während das Maximum langsam an Stärke abnahm und ein
neues Hochdruckgebiet vom Ozean her über Nordwesteuropa Einflufs gewann.
Zwischen den Hochdruckgebieten schritt am 17. eine flache Depression längs
der Küste ostwärts und brachte dieser ausgedehnte Gewitter.
Im Bereiche des neuen Hochdruckgebietes, das am 17. bis 19, sich über
Skandinavien nach Kontinentaleuropa ausbreitete und am 20. bis 22, mit seinem
Kern südostwärts nach Polen schritt, herrschten meist leichte Winde aus öst-
lichen Richtungen, die an der Ostsee am 19., 21. und 22. heiteres Wetter
herbeiführten.
Eine zunächst nur kurze Aenderung des anhaltenden guten Wetters führte
eine im Nordwesten über dem Ozean liegende Depression herbei, indem ein Aus-
läufer am 23. und 24. von Schottland her über Südskandinavien fortschritt, der
Regenfälle sowie am 23. an den westlichen Küstentheilen und am 24. an der
mittleren Ostsee Gewitter, und am 24. bei nordwestlichen Winden an der
Nordsee Nebel im Gefolge hatte. Im Rücken der Depression folgte ein am 25.
und 26, ostwärts über Centraleuropa fortschreitendes Hochdruckgebiet und unter
seiner Herrschaft während dieser Tage wieder trockenes Wetter.
Dann breitete sich eine neue Depression im Nordwesten über Nordeuropa
aus und führte bei Herumgehen der Winde nach Südwest bald Regenfälle herbei.
Nachdem ein Ausläufer am 30, die Nordsee ostwärts durchquert hatte, schritt am
31. ein von Schottland kommendes Theilminimum über Jütland nach der mittleren
Ostsee, das unter Wechselwirkung mit hohem Luftdruck über Südeuropa an der
ganzen Küste einen ziemlich schweren Sturm aus SW -—NW hervorrief,
Bemerkung.
In dem Aufsatz „Ueber gelbe Wasserblüthe des Meeres“ ist auf Seite 308
dieses Jahrganges, Zeile 4 von unten, als Fußnote anzufügen:
„Die gleiche Ansicht ist schon vor längerer Zeit in dem Berichte über die deutsche Plankton-
expedition von Herrn Professor Schütt ausgesprochen worden.“
H. Haltermann.
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