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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1914. 
Die Straße selbst ist rein, wenn man im Fahrwasser bleibt, es liegen nur 
einige Untiefen in ihrem Südwestausgang vor der Neufundlandseite. Steuert 
man in der Straße südwestlich und lotet man 44 m bis 55 m (24 bis 30 Fad.) 
Wasser, so befindet man sich auf der langgestreckten Centre-Bank in der Mitte 
der Straße. Lotet man größere Tiefe, so hat man die Bank verfehlt und kann 
schlecht feststellen, an welcher Seite man sich befindet, da die Tiefen an beiden 
Seiten der Bank ziemlich gleich groß sind. Einigen Anhalt bietet vielleicht die 
Oberflächentemperatur des Wassers, die an der Neufundlandseite im allgemeinen, 
jedoch nicht immer, wärmer ist als an der Labradorseite; der Unterschied 
beträgt manchmal bis zu 11°C, An der Neufundlandseite fällt während der 
Schiffahrtszeit die Temperatur selten unter 10° C. Kommt man in die Umgebung 
der Amour-Huk, so wird man wahrscheinlich das Nebelhorn auf dieser Huk hören. 
Von Südwesten. Bei klarem Wetter steuere man Greenly-Eiland oder 
bei Nacht das Leuchtfeuer darauf an, fahre im Fahrwasser der Straße nordost- 
wärts und steuere dann nördlich oder südlich von Belle Isle entlang. Bei Nebel 
beachte man, daß vor der Einfahrt in die Belle Isle-Straße an der Nordwestseite 
tieferes Wasser ist als an der Südostseite. Wenn man dann den Schiffsort nach 
den Nebelsignalen von Greenly-Eiland und Amour-Huk feststellen kann, wird es 
nicht schwer sein den Ozean mit Hilfe von Lotungen und Nebelsignalen auf 
Kap Norman, Kap Bauld und Belle Isle zu erreichen. 
Treffen mit südlichem Winde nordostwärts steuernde Segelschiffe gegen 
Abend Nebel an, so ist es für sie vielleicht besser, solange sie noch nicht nord- 
östlich von der Ferolle-Huk (51° 3’ N-Br., 57° 6’ W-Lg.) stehen, his Tagwerden unter 
kleinen Segeln mit Hilfe des Lotes zu kreuzen. Stehen sie schon nordöstlich von 
der Ferolle-Huk, so tun sie gut, einen Ankerplatz zu suchen. Treffen Segel- 
schiffe im Nebel leichte Winde oder Stille, so ist es für sie besser, irgendwo zu 
ankern, als durch den Strom umhergetrieben zu werden. Nach Eisbergen ist 
scharf Ausguck zu halten. Das Wasser ist in der Belle Isle-Straße sehr klar. 
Vorsicht. Durch den Strom kann man in der Belle Isle-Straße sowohl 
voraus- wie zurückgeseizt werden, 
Eis, Zwischen dem 15. und 25. Dezember erscheint in der Belle Isle-Straße 
dünnes Tafeleis. Anfang Januar etwa treiben dann Quadrat-Seemeilen große 
Eismassen von 0.9 m bis 3.0 m Dicke zwischen der Labrador-Küste und Belle 
Isle durch in die Belle Isle-Straße hinein. Eisberge sind bis Anfang April nicht 
zahlreich. Von dieser Zeit ab, bis September oder gar bis Oktober sind sie aber 
zahlreich und manchmal sehr groß, Sie treiben am häufigsten zwischen Belle 
Isle und Labrador und langsam durch die Straße, wobei sie häufig auf Grund 
kommen und zerbrechen; die Stücke treiben dann an die Nordwestseite der 
Straße. An der Neufundlandseite ist noch kein Eisberg gestrandet. Im Jahre 
1898 waren viele Berge 45 m bis 60 m hoch und 150 m bis 180 m breit. Einige 
kommen auf Grund, andere ändern ihre Lage. Nach der Südwestausfahrt kann 
kein Berg mit mehr als 55 m Tiefgang gelangen, kleinere Eisberge erreichen 
aber gelegentlich Greenly-Eiland und die Rich-Huk (50° 41’ N-Br. und 57° 25’ W-Lg.). 
Die Zahl der Eisberge wechselt mit den Jahren; man hat im August des einen 
Jahres 200 gezählt, im August des darauffolgenden jedoch nur ein halbes Dutzend. 
Bei südwestlichen Winden ist die Straße oft frei von Eisbergen. Im Jahre 1898 
befanden sich die Eisberge hauptsächlich an der Nordwestseite der Straße und 
konnten vermieden werden, wenn man sich auf ihrer Südostseite hielt. 
Nach Mai treiben bei nordöstlichen Winden schwere Eismassen an und 
behindern die Schiffahrt sehr stark, bei leichten Winden kommen sie dann jedoch 
nicht mehr in die Straße; nach dem 10. bis 30. Juni bleiben sie gewöhnlich 
ganz aus. 
Große Stücke von Eisbergen treiben gelegentlich nach den Ankerplätzen 
an der Nordwestseite der Straße, gefährden die Netze der Fischer und zwingen 
manchmal sogar vor Anker liegende Schiffe, in See zu gehen. Durch Messen 
der Wassertemperatur kann man die Nähe von Eis nicht sicher feststellen. In 
einem Falle betrug in der Nähe eines großen Eisberges, bis zu 90 m luvwärts 
davon, die Temperatur des Wassers 10° C und dessen Dichtigkeit 1022, in Lee
	        
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