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Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1898.
Ueber die Rechtschreibung einiger aus dem Arabischen stammenden
Ausdrücke der Vermessungskunde.
Von K. ZÖPPRITZ.
(Entnommen aus der „Zeitschrift für Vermessungswesen“ 1883, Band XIY.)
Zur Beförderung einer gleichförmigen und etymologisch richtigen Recht-
schreibung scheint es mir zweckmäfsig, folgende Mittheilungen zu machen, deren
drei erste ich vorzugsweise dem Arabisten Herrn Oberbibliothekar Dr. Rödiger
in Königsberg verdanke.,
Azimut ist das arabische as-samt, die Gegend oder der Punkt des Hori-
zontes, sowie auch der vom Scheitelpunkt nach ihm gezogene Kreis,
Zenit ist dasselbe Wort ohne den Artikel, heißt aber vollständig samt-
ar-rds, die Gegend des Kopfes, d. h. der Scheitelpunkt am Himmel. Das h am
Ende, welches den beiden Worten vielfach zugefügt wird, entstammt wahr-
scheinlich dem Französischen und sollte andeuten, dafs das £ auch wirklich gehört
werden mufs. D’Abbadie jedoch, der selbst ein gründlicher Kenner der orlen-
talischen Sprachen ist, schreibt in seiner „Geodesie d’KEthiopie“ beide Worte
stets ohne A. Im Deutschen vollends ist gar kein Grund vorhanden, diesen
Buchstaben zuzusetzen. Er ist offenbar nur beibehalten worden, um den beiden
Wörtern ein exotischeres Aussehen zu verleihen.
Alidade. Ueber dieses vielumstrittene Wort findet sich Folgendes in
Dozy & Engelmann, „Glossaire des mots espagnols et portugais deErives de
Vl’Arabe“, Leyde 1869:
„Alidada (alkidada dans les Libros de Astronomia d’Alphonse X, passim,
chez Victor); alhadida (regle mobile dans Vastrolabe) est en arabe al-“iddda.
Les lexiques ne donnent ä ce mot que le sens de »postis jJanuae« mais dans un
traite arabe sur la construction de l’astrolabe (man. 193a, fol. 3) je Vai trouve
dans sa signification technique, car on lit que c’est une espece de »ma-
stara« ou rögle.“
Hiernach kann also kein Zweifel mehr bestehen, dafs Alidade zu schreiben
ist, denn der arabische Kehllaut ’acn, der oben durch den Apostroph ’ ausgedrückt
ist, pflegt im Deutschen gewöhnlich ganz weggelassen und nur ganz ausnahms-
weise durch % wiedergegeben zu werden. Die Versuche einer Ableitung des
Wortes von hadd, führen, leiten, beruhen demnach auf einer irrigen Voraussetzung.
Theodolit. Ueber dieses Wort finden sich in „Poggendorfs Annalen“,
Bd. 133, Seite 192, 349, neben verschiedenen Proben etymologischer Equilibristik
eine Reihe interessanter historischer Notizen bezüglich seines ersten Auftauchens.
Diese Angaben faßt Weigand in seinem „Deutschen Wörterbuch“ (2. Aufl. 1876)
nach einer etwas milfslungenen begrifflichen Erklärung des Wortes folgender-
mafßsen zusammen:
„Instrument und Namen kommen zuerst im 16. Jahrhundert vor und zwar
in England, wo Leonard Digges in seinem von seinem Sohne Thomas Digges
beendigten Werke »geometrical practise named Pantometria« (London 1571 in 4°,
neue Auflage 1591) Kapitel 27 von »the composition of the instrument called
Theodelitus« handelt und William Bourne in seinem Buche »treasure for
travailers« (1578) dasselbe Instrument, nämlich einen getheilten Kreis mit einem
drehbaren Durchmesser, versehen mit Sehspalten (Dioptern) und horizontal ge-
stellt, anfangs alydeday, dann aber mit Versetzung der Buchstaben stets athelida
nennt, als wenn er jene mit lateinischer Endung versehene Benennung theodelitus
oder englisch fheodelite gar nicht kennte. Aber jene athelida und alydeday,
welches Letztere englisch geformt ist, gingen hervor aus dem geläufigen fran-
zösischen alidade, ursprünglicher alhidade (nun folgt die bisher gebräuchliche
Ableitung von hadd, führen). Ob nun jenes £heodelitus, theodelite sich vielleicht
mit Verschmelzung des vorgesetzten Artikels the bildete, ähnlich wie anscheinend
das englische tother, der, die, das andere, aus the other entstanden ist? Denn
griechisch Je@odarı — schen, schauen, scheint im Anfange des Wortes nicht zu
X Vgl. hierzu „Zeitschrift für Vermessungswesen“ 1880, S. 55, und 1883, S. 119.