Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1898.
ungleichmäfsig ist. Die genannte Strecke wird durch Ymuiden sehr nahe halbirt,
und wir sehen nun, dafs das Hochwasser von der Hoek van Holland bis Ymuiden
nur 51 Minuten, dagegen von Ymuiden bis Texel Zeegat drei Stunden gebraucht,
um die gleich lange Strecke zu durchlaufen,
Ferner sehen wir an verschiedenen Orten bei der Insel Wight zwei Hoch-
wasserzeiten angegeben, und zu Havre ist die Bemerkung gemacht, dafs das
Hochwasser mehrere Stunden anhalte. An den Orten in der Nähe der Insel
Wight werden zwei gleich hohe Hochwasser beobachtet, welche durch ein geringes
Fallen des Wassers voneinander getrennt sind, in Havre steigt das Wasser rasch
bis nahe auf seinen höchsten Stand, erreicht diesen sehr langsam, indem das
Wasser noch einige Centimeter oder Decimeter steigt, worauf es ebenso langsam
zu fallen beginnt, um endlich rasch den niedrigsten Stand zu erreichen.
Besondere Eigenthümlichkeiten finden wir auch in den Gezeiten an der
niederländischen Küste. Haben dieselben auch nur wenig praktische Bedeutung,
so sind die Erscheinungen doch theoretisch besonders lehrreich, weil sie an ver-
schiedenen Orten auf verschiedene Phasen der Gezeit fallen. Deshalb verdienen
sie hier eine etwas eingehendere Erwähnung, welche sich auf die „Getytafels voor
het jaar 1898“ stützt.
Nehmen wir zunächst die am freiesten gelegenen Orte, so finden wir
folgende Angaben:
In Hoek van Holland tritt bei Springfluth (d. h. etwa in der Zeit von
einem Tage vor bis fünf Tage nach Neu- und Vollmond) ein doppeltes Niedrig-
wasser ein, d. h, das Wasser fällt in 4" 54” von seinem höchsten Stande stetig
bis zu einem ersten Niedrigwasser, steigt dann wieder um 10 bis 18 cm, selten
bis 25 cm, bis es ein sekundäres Maximum um 6* 6” nach Hochwasser erreicht;
hierauf fällt es wieder bis 7: 52” nach Hochwasser, wo es zum zweiten Male
seinen niedrigsten Stand erreicht, worauf es stetig bis zum nächsten Haupthoch-
wasser ansteigt. Die kleine Anschwellung, welche die beiden Niedrigwasser
trennt, wird in Holland der „Agger“ genannt. Der Agger verschwindet in der
Zeit der Nippfluthen, und dann tritt ein einziges Niedrigwasser um 7" 10“ nach
Hochwasser auf, Auch die Jahreszeit‘ und die Mondparallaxe haben auf die
mehr oder minder ausgeprägte Ausbildung der Erscheinung KEinflufs. Als
normales Niedrigwasser wird das zweite (spätere) Minimum des Wasserstandes
angesehen.
In Ymuiden tritt der Agger nicht mehr zur Zeit des Niedrigwassers ein,
sondern erheblich früher, nämlich ungefähr 5* 1“ nach Hochwasser (also 1* 5”
früher als in Hoek van Holland), Nachdem das Wasser in etwa 4° 2“ ungefähr
auf 14 cm unter seinen mittleren Stand gefallen ist, beginnt es wieder zu steigen
und erreicht 5" 1” nach dem Haupthochwasser oder 59” nach dem ersten Niedrig-
wasser wieder ein Maximum, welches etwa 10 cm höher ist als der erste Niedrig-
wasserstand, worauf es bis zum normalen Niedrigwasserstande abfällt. Zu gewissen
Zeiten findet nach dem normalen Niedrigwasser nochmals eine sehr geringe Er-
hebung des Wasserstandes und ein nochmaliges Fallen des Wassers bis zum
sogenannten „verspäteten“ Niedrigwasser statt.
Im Helder hat sich der Agger bis zum Hochwasser verschoben, d. h. wir
haben die Erscheinung, dafs aufser dem normalen Hochwasser ungefähr 2° 50"
später noch ein zweites, eben der Agger, eintritt, welches durch ein Fallen des
Wassers um einige Centimeter von dem ersten geschieden ist.
Bei den weniger frei an den Seegaten der Provinz Zeeland gelegenen
Häfen: Zierikzee, Brouwershaven und Hellevoetsluis finden ganz ähnliche Ver-
hältnisse statt: Zierikzee hat doppeltes Hochwasser, Brouwershaven doppeltes
Niedrigwasser (mit dem Agger zwischen beiden), und Hellevoetsluis hat doppeltes
Hoch- und doppeltes Niedrigwasser.
Wenden wir uns nun zu den Strömungen, welche mit den Gezeiten ver-
bunden sind, so mögen zunächst die Quellen aufgezählt werden, wo man Angaben
über dieselben findet. Die älteste gründliche Untersuchung der Strömungs-
erscheinungen im Englischen und Irischen Kanal und in der südlichen Nordsee
rührt von Kapt. F. W. Beechey her, welcher die Ergebnisse seiner Beob-
achtungen in den „Philosophical transactions of the Royal society“!) veröffent-
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) „Philosophical transactions“ 1851.