Windhosen und‘ Stürme in den mittleren‘ Breiten des Südatlantischen Ozeans. 418
In einer noch etwas niedrigeren Breite wurde „Louise“ am 14. Juni 1898
auf der Rückreise von Junin, Chile, nach Antwerpen im Südatlantischen Ozean,
auf 34° 8.Br und 26° W-Lg, von einem schweren Sturme betroffen, Das Schiff
fahr mit stürmischem höigen Winde aus NNW unter kleinen Segeln nach ONO.
Gegen Mitternacht: vom 13. zum 14. Juni begannen einzelne Regenschauer zu
fallen, und es zeigte sich anhaltendes Blitzen im Nordwesten; dann fiel eine
halbe Stunde nach.Mitternacht plötzlich: mit heftigem Regen eine orkanartige
Böe ein. Sie dauerte 10 Minuten, auf den’ Toppen zeigten sich Elmsfeuer, Der
Wind hatte sich mit der schweren Böe nur um zwei Striche nach links gedreht;
das Barometer war in der letzt vorhergehenden Zeit etwas rascher gefallen, ging
aber nicht unter 760mm (unred.). Im Laufe der Nacht und des Vormittags
drehte sich der Wind weiter nach WNW, wobei er an Heftigkeit bis zur
Stärke 10 zunahm, mit rasch aufeinander folgenden Böen. Der. heftige Regen
dauerte bis 3 Uhr morgens, begleitet von Blitzen in Nord bis Südost. Das
Barometer begann bereits zu steigen, als der Wind in der schwersten Böe nach
NW sprang, und stieg zuerst ziemlich langsam, dann aber rascher, als sich die
Drehung nach West und SW fortsetzte. Bei dieser Drehung holte der Wind in
rasch aufeinander folgenden Böen strichweise südlicher. Um Mittag wehte es
noch mit der Stärke 10. Nachmittags nahm der Wind allmählich ab, doch liefen
noch hohe Wellenberge aus SW und SSW, aber auch aus West. . Gegen 10 Uhr
abends war der Wind aus SSW bereits bis zur Stärke 4 bis 5 abgeflaut und
das Barometer auf 776 mm gestiegen. Das Schiff, welches während der Nacht
und vormittags beigelegen hatte, hatte um Mittag seinen Kurs wieder aufgenommen.
Schon einen Tag früher überfiel dieser Sturm das Schiff „Erato“, Kapt.
Th. Reinecke, welches um die Zeit, als am 13, Juni um 8 Uhr abends der
niedrigste Barometerstand eintrat, ungefähr 530 Sm WSW. von „Louise“ stand.
Das Schiff, auf, der Reise von Iquique nach Hamburg begriffen, hatte schon
mehrere Tage vorher stürmisches Wetter gehabt, wobei der Wind zuletzt von
Nord durch West und SW. nach SE umgelaufen war. In der Nacht vom 12, zum
18. Juni ging er mit heftigen Regenböen von SE 9 wieder auf NW und Nord,
Aus letzterer Richtung kam zunächst nur wenig Wind, aber das Wetter blieb
unbeständig mit Regenböen, und das Barometer fiel beständig. Nachmittags, als
es rascher zu fallen begann, nahm auch der Wind aus Nord bis zur Stärke 8
zu. Der heftigste, mit voller Orkanstärke‘ wehende Sturm kam aber erst von
der Südseite. Das Journal schreibt: Juni 13. nachmittags Wind aus Nord sehr
unbeständig, die Luft zieht aus SW. Nach 4 Uhr abflauend und bis 6 Uhr
Wind durch Ost nach Süd holend. .Um 8 Uhr abends fing es plötzlich mit
orkanartiger Stärke an zu stürmen, derartig, dafs die neuen Untermarssegel, ob-
gleich wir vor dem Winde lagen, aus den Liken flogen. Furchtbare unregel-
mäfsige See; lenzten vor der Fock; wandten mit Erfolg Oel zur Beruhigung der
Wellen an. Es wehte orkanartig aus Süd bis SW ‘bis gegen 4 Uhr morgens am
14., während welcher Zeit „Erato“ fast vor Topp und Takel mit 12 Knoten
Fahrt lenzte. Dann wurde es zwischen den noch heftigen Böen handsamer,
Gegen Abend war der Wind. fast bis zur Stille abgeflaut und das Barometer,
welches um 8 Uhr des vorhergehenden Abends, eben vor dem Hereinbrechen
des Orkans, einen tiefsten Stand von 741 mm gehabt hatte, wieder auf 773 mm
gestiegen. „Erato“ war anscheinend durch das Centrum des Sturmfeldes gekommen.
Von einem ganz ähnlich verlaufenden Sturme, der ebenfalls in ungewöhnlich
niedriger Breite des Südatlantischen Ozeans etwa einen Monat ‘früher auftrat,
berichtet Kapt. F. W. Keppler vom Schiffe „Brunshausen“. Das Schiff befand
sich auf der Rückreise von Caleta Buena nach Liverpool am 2%. Mai 1898 auf
angefähr 32° S-Br und 31° W-Lg und hatte den ganzen Nachmittag steife Briese
aus Nord bis NzW bei langsam fallendem Barometer. Die Luft war drohend,
in Nordwest und Nord und von Nordost durch Südost bis Süd standen ‚dichte
Wolken mit Böen .und Regenschauern. Bei Dunkelwerden blitzte es rundum,
am meisten jedoch in östlicher und südöstlicher Richtung. . Gegen 10 Uhr abends
begann der Wind an Stärke zuzunehmen; es wehte in Böen von der Stärke 8
bis 9 mit Regen, während es in der Zwischenzeit .mäfsiger‘ war, . Vereinzelt
kamen ‚hohe Seen angelaufen. Bis Mitternacht wurde das Schiff auf- seinem
Kurse — ONO — gehalten, dann aber, da Wind und See mehr und mehr zu«
nahmen, beigelegt. Es blitzte im. Norden und Nordwesten. Gegen 2 Uhr